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Landsberg

25.11.2019

Was passiert, wenn der Führerschein weg ist?

Der Führerschein ist für viele Menschen wichtig. Das Landsberger Tagblatt war bei der Führerscheinstelle im Landratsamt und hat nachgefragt, was passieren muss, damit ein eingezogener Führerschein wieder zurückgegeben wird.
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Der Führerschein ist für viele Menschen wichtig. Das Landsberger Tagblatt war bei der Führerscheinstelle im Landratsamt und hat nachgefragt, was passieren muss, damit ein eingezogener Führerschein wieder zurückgegeben wird.
Bild: Christian Rudnik

Plus Vor ihr zittern viele Autofahrer: die Führerscheinstelle im Landratsamt Landsberg. Sie greift ein, wenn Alkohol, Drogen oder massive Verkehrsverstöße im Spiel waren.

Illegale Autorennen, Alkohol, Drogen, körperliche und geistige Erkrankungen – es gibt viele Gründe, warum ein Verkehrsteilnehmer seinen Führerschein abgeben muss. Das Landsberger Tagblatt hat sich mit Markus Stolzlechner und Teamleiter Benedikt Häfele von der Führerscheinstelle im Landratsamt sowie Sachgebietsleiter Christof Weh darüber unterhalten, wie lange der Führerschein im Einzelfall weg sein kann.

Wer zu stark alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss am Steuer saß, dem droht die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), im Volksmund „Idiotentest“ genannt. Darin muss der Betroffene nachweisen, dass er sich künftig im Verkehr an die Regeln hält. Für die Führerscheinstelle sagen die Gutachten aus, ob ein Verkehrsteilnehmer körperlich, geistig und auch charakterlich dafür geeignet ist, ein Fahrzeug zu steuern.

60 Prozent der MPU-Gutachten sind positiv

„60 Prozent dieser Untersuchungen kommen zu einem positiven Ergebnis und der Führerschein wird zurückgegeben. Bei 35 Prozent ist es negativ und fünf Prozent der Teilnehmer können bei negativem Ergebnis nach einer Kursteilnahme den Führerschein behalten oder machen“, sagt Weh. Für die Vorgehensweise der Behörde gibt es Regeln. Ob eine Medizinisch-Psychologische Prüfung verlangt wird oder nicht, ist nur in manchen Fällen eine Ermessenssache.

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Die Mitarbeiter der Führerscheinstelle berichten von Diskussionen am Telefon, aber schlimm angegangen worden seien sie noch nicht. Sie sehen ihre Aufgabe auch darin, dem Verkehrsteilnehmer aufzuzeigen, welche Möglichkeiten er nach einem Verlust hat, den Führerschein wiederzubekommen. Außerdem könne gegen einen Bescheid der Rechtsweg beschritten werden.

Hier einige Gründe, warum Führerscheine entzogen werden:

Verkehrsdelikte Wer öfter mal in die Radarfalle rauscht, der sammelt Punkte in Flensburg. „Bei acht Punkten wird der Führerschein für mindestens sechs Monate eingezogen und danach muss eine MPU erfolgen“, sagt Benedikt Häfele. Auch wenn nachgewiesen sei, dass ein Straßenrennen gefahren worden sei, so Weh, verhänge das Gericht eine Führerscheinsperre – zumeist von einem Jahr. Ob von der Führerscheinstelle eine MPU angeordnet werde, sei dann Ermessenssache.

Alkohol Wer mit einem Blutalkoholwert von 0,5 bis 1,09 Promille im Auto oder einem motorisierten Zweirad unterwegs ist und keine Ausfallerscheinungen hat, hat eine Ordnungswidrigkeit begangen. Die Folge: ein Monat Fahrverbot und in der Regel kann danach der Führerschein wieder bei der Polizei abgeholt werden. Wird ein Fahrer zum zweiten Mal erwischt, dann wird auch eine MPU fällig und es erhöht sich die Dauer des Fahrverbots.

Ab 1,1 Promille gilt alkoholisiertes Fahren als Straftat: Die Dauer der Führerscheinsperre legt ein Gericht fest und danach ist unter Umständen ein MPU-Gutachten vorzulegen. Ab 1,6 Promille ist es zwingend. „Wir prüfen die Schlüssigkeit des Gutachtens“, erklärt Benedikt Häfele. Aber auch unter einem Wert von 0,5 Promille Alkoholgehalt im Blut kann es problematisch werden, nämlich wenn es zu einem Unfall kommt oder der Verkehrsteilnehmer einen auffälligen Fahrstil hat. Dann handelt es sich um eine Straftat mit entsprechenden Folgen.

Zwischen Cannabis und harten Drogen wird unterschieden

Drogen Hier unterscheidet der Gesetzgeber zwischen Cannabiskonsum (Haschisch, Marihuana) und harten Drogen wie Kokain, Heroin oder Ecstasy. „Wenn wir von der Polizei erfahren, dass jemand gekokst hat, unabhängig davon, ob er am Verkehr teilgenommen hat, wird der Führerschein entzogen“, sagt Christof Weh. Denn der Konsum von harten Drogen schließe eine Fahreignung aus. Die Fahrerlaubnisbehörde fordert einen Abstinenznachweis von in der Regel zwölf Monaten sowie eine MPU. Der Joint am Baggersee hat hinsichtlich des Führerscheins nicht diese Folgen, es sei denn die Behörden gehen von einem regelmäßigen Konsum aus. Aber bekifft Auto fahren führt in der Regel zur MPU.

Krankheit Auch körperliche oder seelische Krankheiten können die Fahreignung einschränken bis unmöglich machen. Auch hier hat die Behörde ihre Vorgaben. Markus Stolzlechner zeigt eine Tabelle, in der aufgelistet ist, welchen Spielraum es gibt. Ein Epileptiker muss beispielsweise ein Jahr lang anfallfrei sein, bevor es möglich ist, eine Fahrerlaubnis auszustellen. Bei Krankheit verlassen sich die Mitarbeiter der Führerscheinstelle auf entsprechende fachärztliche Gutachten. Dies gilt auch bei psychischen Erkrankungen.

Bei Senioren wird manchmal der Hausarzt befragt

Beim Thema Senioren am Steuer handeln die Mitarbeiter der Führerscheinstelle sensibel: „Wenn Zweifel an der Fahreignung bestehen, verlangen wir zuerst einmal ein hausärztliches Attest.“ Weh verweist darauf, dass – anders als in anderen Ländern – in Deutschland vom Gesetzgeber eine Altersuntersuchung nicht gewünscht sei.

Auch für Fahrrad- und Tretrollerfahrer gelten Alkohollimits im Straßenverkehr. Wer mehr konsumiert hat als vom Gesetzgeber erlaubt, dem droht der Verlust des Führerscheins.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Autofahrer zu kontrollieren, ist korrekt

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