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Kaufering

08.03.2018

Wer baut am Berliner Ring?

Auf der Wiese am Berliner Ring (hinter dem Kreisverkehr) im Norden Kauferings soll ein neues Baugebiet entstehen. Erste Planungen sehen zwei bis dreistöckige Geschosswohnungen sowie Reihenhäuser vor.
Bild: Thorsten Jordan

Auf der Fläche im Norden von Kaufering sollen sozial Schwache und Einheimische eine neue Heimat finden. Nun stellt sich nur die Frage, wer als Bauherr auftreten soll.

Seine Infrastruktur macht Kaufering zu einem beliebten Wohnort. Doch Wohnungen und Baugrundstücke sind rar und die Zahl der Bewerber groß. So mancher kehrte der Marktgemeinde deswegen in den vergangenen Jahren den Rücken. Nördlich der Berliner Rings soll demnächst neuer Wohnraum geschaffen werden. Über das Wie herrscht aber noch Uneinigkeit. Das wurde in der Sitzung des Marktgemeinderats deutlich, als Bürgermeister Erich Püttner (UBV) drei Alternativen vorstellte.

Die Fläche im Norden von Kaufering ist rund 18.000 Quadratmeter groß. Das sind in etwa 2,5 Fußballfelder. Erste Entwürfe, wie dort im Baugebiet Lechfeldwiesen V Geschosswohnungen und Reihenhäuser angeordnet werden könnten, hat ein Architekturbüro bereits für die Gemeinde erarbeitet. Doch wer soll die Gebäude errichten, war die Frage, die sich jetzt in der Sondersitzung des Marktgemeinderats stellte. Die Gemeinde in einer Wohnungsbaugesellschaft, ein privater Bauträger oder die Einheimischen selbst?

Kaufering müsste nicht vorhandenes Geld vorstrecken

Erich Püttner referierte zunächst über zwei Förderprogramme. Mit dem kommunalen Wohnraumförderungsprogramm unterstützt der Freistaat die Gemeinden dabei, selbst Wohnraum zu planen und zu bauen. Dabei müssen die Gemeinden Eigentümer der Gebäude bleiben, können mit der Umsetzung aber kommunale oder kirchliche Unternehmen beauftragen. Gefördert würden neben dem Bau von Mietwohnungen auch der Grunderwerb, Planungen und Gutachten (mit 60 Prozent der Kosten). Die Förderung setzt sich zudem zusammen aus einem Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der Baukosten sowie einem zinsverbilligten Darlehen.

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Sollte sich Kaufering für dieses Programm entscheiden, ist dies nach Meinung von Rathauschef Püttner ein „Nullsummenspiel“. Die Gemeinde müsste aber das Geld vorstrecken und mit benachbarten Kommunen eine Wohnungsbaugesellschaft gründen. Denn das Hochbauamt der Marktgemeinde könne diese Aufgabe nicht stemmen.

Kommen auch Reihenhäuser?

Die staatliche Wohnraumförderung richtet sich an Bauträger. Der Freistaat fördert mit zinsgünstigen Baudarlehen und ergänzenden Zuschüssen den Bau von Miet- und Genossenschaftswohnungen für Geringverdiener. In diesem Fall würde ein privater Bauträger Bau und Verwaltung der Gebäude übernehmen. Denkbar ist auf der Fläche am Berliner Ring auch, neben den Geschosswohnungen Reihenhäuser für Einheimische zuzulassen.

Die Ausführungen von Püttner stießen im Marktgemeinderat auf ein geteiltes Echo. „Wir brauchen neue Wohnungen, damit unsere Bürger nicht wegziehen“, sagte Thomas Salzberger (SPD). Jetzt sollte der Startschuss dafür fallen, zumal die Anträge für die kommunale Förderung bis Ende 2019 eingereicht werden müssten. Es sei auch nicht sicher, ob es darüber hinaus noch eine so großzügige Förderung gibt. Auch Johann Drexl (CSU) sprach sich dafür aus, für die Entwicklung des Baugebiets das kommunale Förderprogramm in Anspruch zu nehmen.

Die Gemeinderäte zeigen sich nicht begeistert

Etlichen Gemeinderäten ging dieser Schritt aber zu weit. Eva Nitsche (fraktionslos) fehlte eine langfristige Kalkulation der Kosten für Instandhaltung und Sanierung der Gebäude, sollte die Gemeinde als Bauherr auftreten. Aktuelle Zahlen, wie viele Personen in Kaufering bauen wollen oder eine Wohnung suchen, vermisste Dr. Patrick Heißler (GAL) als Grundlage für eine Entscheidung. Manfred Huber (Kauferinger Mitte) war der Meinung, dass alle Alternativen vor allem mit ihren finanziellen Auswirkungen gegenüber gestellt werden sollten.

In die gleiche Richtung zielte Hans-Jörg Pilz (GAL). Er bezeichnete den Vortrag Püttners ohne konkrete Kosten als „hemdsärmelig“. Schließlich müsste sich die Gemeinde als Bauherr zunächst hoch verschulden, ehe in einem Zeitraum von 25 Jahren über die Mieteinnahmen die Verhältnisse wieder gerade rücken. Was überhaupt nicht berücksichtigt worden sei, ist die Möglichkeit, den Grund an einen Bauträger zu verkaufen, der sich in einem städtebaulichen Vertrag dazu verpflichtet, einen bestimmten Anteil an Sozialwohnungen zu bauen. Ein Prozedere, wie es die Stadt Landsberg gerade auf dem Gelände der früheren Pflugfabrik verfolgt.

Am Ende der Diskussion verständigten sich die Räte darauf, die Verwaltung zu beauftragen, weitere Schritte wie die Erstellung eines Bebauungsplans zu erarbeiten. Zudem sollen unter anderem die Fördermöglichkeiten und die finanziellen Auswirkungen gegenübergestellt werden.

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