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10.08.2011

Die Rezepte des Herrn Wendt

So musste es kommen. Kaum brennen in London die Häuser, beginnt in Deutschland die Debatte – oder besser gesagt, es wird eine Debatte simuliert.

Allen voran der unvermeidliche Rainer Wendt: Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft nimmt die Ausschreitungen auf der Insel zum Anlass, um in Bild eine personelle und technische Aufrüstung der Polizei hierzulande zu fordern. So also, wie es Wendt in vergleichbaren Situationen immer macht. Mehr Polizei, mehr Überwachung und Härte – dann wird alles gut.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, stellt er im gleichen Atemzug fest, dass es die „hochexplosive Mischung“, die in den britischen Großstädten zu der Eruption geführt hat, auch in Berlin oder Hamburg gebe. Frei nach dem Motto: Je weniger man differenziert, desto mehr Bürger verstehen die Botschaft. Warum sich also die Mühe machen, die Situation gründlich zu analysieren. Wendt wäre nicht Wendt, wenn er sich mit solchen Feinheiten aufhalten würde.

Auf der anderen Seite Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der sich, anders als manche seiner Vorgänger, um Besonnenheit bemüht.

Nehmen wir Berlin. In der Stadt gibt es ohne Zweifel soziale Brennpunkte und leider immer wieder auch Randale. Doch mit den katastrophalen Zuständen in Londoner Problembezirken oder den Pariser Vorstädten ist das nicht vergleichbar. Doch Vorsicht. Es gibt keine Garantie, dass dies immer so bleiben muss. Angemessen wäre es, weiter konsequent gegen Gettobildung und Perspektivlosigkeit zu arbeiten. Mit Härte und mehr Polizei ist es nicht getan. Aber das alles wäre Wendt jetzt wieder zu differenziert.

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