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15.08.2011

Randale und Aufruhr

Erleben wir eine Globalisierung der Randale? Mir drängt sich dieser Eindruck auf, wenn ich die Bilder vom brennenden England sehe.

Erleben wir eine Globalisierung der Randale? Mir drängt sich dieser Eindruck auf, wenn ich die Bilder vom brennenden England sehe. Es brennen ja nicht nur Englands Städte. Es scheint über gewisse Zeiträume hinweg ja fast überall zu brennen. Sogar im fernen Chile machen dieser Tage Schüler und Studenten gegen ihr marodes Bildungswesen Aufruhr.

Aber fangen wir in Europa an, im klassischen Europa, in Griechenland. Da haben die Menschen wochenlang demonstriert, und einige haben auch randaliert, weil ihnen die Regierung ein hartes, aber unvermeidliches Sparprogramm aufgebrummt hat. Hart, aber unvermeidlich: Hätten wir Deutsche uns mit solchen Einschnitten in unseren Wohlstand ruhig abgefunden?

Oder Frankreich. In Europa ist ja eigentlich die Grande Nation das Land der brennenden Autos und der zertrümmerten Schaufensterscheiben. Dort randalieren immer mal wieder die jungen Leute, die man an den Rand der Großstädte, vor allem an den Rand von Paris gedrängt hat. Sie empfinden ihr Leben in den Hochhaus-Slums als ein Hundeleben und schlagen ab und zu um sich.

Die Briten – wer hätte das gedacht

Und nun die Explosionen in den englischen Städten. Sie sind noch wilder als das, was wir von Paris kennen. Wer hätte das von diesem scheinbar so besonnenen Volk gedacht? Normalerweise geraten die Briten, so wie ich sie kenne, allenfalls beim Fußball, beim Cricket und bei königlichen Hochzeiten aus dem Häuschen. Und jetzt geht es dort drunter und drüber, gehen Städte in Flammen auf, als wären wir in wilderen Weltgegenden. Der Aufruhr im Königreich ist so überraschend, weil der englische Alltag so vieles zudeckt, mit seiner Gelassenheit, seiner Höflichkeit, seiner Neigung, Hässliches einfach nicht auszusprechen. Bis etwas explodiert.

Doch selbst die explosivsten Szenen von London, Manchester und Liverpool sind harmlos im Vergleich zu den Szenen des Aufruhrs im Nahen Osten. Dort stehen die Menschen gegen brutale Diktatoren auf und werden entsprechend brutal niedergemacht. Syriens Assad lässt seine Landleute zu Hunderten niederschießen. Die Aufständischen im Nahen Osten sehnen sich nach Verhältnissen wie in Frankreich und England. Für sie ist die Demokratie ein großer Traum. Sie haben recht, für ihren Traum aufzustehen.

Für die Randalierer in Europa ist die Demokratie eine große Enttäuschung. Sie mögen ihre Motive haben, aber recht haben sie nicht.

Nein, es ist wohl doch keine Globalisierung der Randale. Die Bilder ähneln sich, aber sie zeigen Szenen aus unterschiedlichen Welten.

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