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20.10.2009

8700 Kreisbürger sind überschuldet

Mindelheim/Unterallgäu "Da kann es einem Angst und Bange werden!" entfuhr es Landrat Hans-Joachaim Weirather, als er folgende Zahlen hörte: 7,8 Prozent der erwachsenen Bürger/innen in Bayern sind überschuldet und auch der Landkreis Unterallgäu ist keine Insel der Seligen mehr: Auch im Kreis kommen 6,34 Prozent der Bürger mit ihrem Einkommen nicht mehr klar. Im vergangenen Jahr haben sich 508 Personen an die Schuldnerberatung der Caritas gewandt. Und dabei ging es um Gesamtschulden in Höhe von 23,7 Millionen Euro.

Angst kann es einem deswegen werden, weil die Zahl der überschuldeten Bürger von Jahr zu Jahr dramatisch zunimmt. Hatte die Caritas im Jahr 2005 gerade 87 Beratungsgespräche, so waren es 2007 schon 347.

Mittlerweile betreibt die Caritas in Bayern 34 Schuldnerberatungsstellen, die letztes Jahr 11 300 Menschen aufgesucht haben. Aufgrund des Zulaufes hatte die Caritas sich an den Kreis gewandt, zusätzliche Beratungsstunden zu finanzieren. Vor dem Ausschuss für Personales und Soziales begründeten Geschäftsführer Andreas Aigster und Simone Jendrosch ihr Anliegen.

Schulden haben heutzutage fast alle

8700 Kreisbürger sind überschuldet

"Ursache Nummer eins für Überschuldung ist ein Problem im Umgang mit dem Geld", sagte Aigster. "Es treffe aber auch viele gescheiterte Selbstständige. "Leider geben auch heute noch viele Banken Menschen Geld für Immobilien zu Raten, die nicht eingehalten werden können" sagte dazu auch Alfred Mack von der Schuldnerberatung am Landratsamt Unterallgäu.

"Im Landkreis sind rund 8700 Menschen überschuldet", stellte Simone Jendrosch fest. Verschuldet seien heutzutage fast alle, Überschuldung heiße, nach Abzug der monatlichen Fixkosten wie Miete und Strom, ist nicht mehr genügend Geld vorhanden, die entstandenen Schulden zu tilgen.

Wie arbeitet die Schuldnerberatung? Nach einer Bestandaufnahme geht es zunächst um die

Existenzsicherung: Darunter versteht man Soforthilfen bei Wohnungsverlust, Strom- und Kontosperren.

Dazu gehören Verhandlungen mit Gläubigern und Banken.

Um weitere Schulden zu verhindern, müssen die Klienten geschult werden, um wieder richtig mit Geld umzugehen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung mit anderen Hilfsangeboten, wie Agentur für Arbeit, psychosoziale Beratungsstellen oder Familienberatung.

Wichtig für Simone Jendrosch wäre die Präventionsarbeit an Schulen, Pfarreien und Medien, damit die Menschen lernen, nicht alle Angebote anzunehmen.

Die zunehmende Verarmung bestätigte auch Bürgermeister Roland Krieger (Pfaffenhausen). "Im letzten harten Winter kamen mehrere junge Familien auf mich zu, die ihre zweite Heizungsrate nicht mehr bezahlen konnten", stellte er fest. In Zusammenarbeit mit der Kartei der Not habe man hier helfen können.

Kreisrat Ludwig Haisch (Westerheim) sah als einen Grund für die Entwicklung die Verlockungen der Konsumgesellschaft. "Den Menschen wird das Schulden machen zu leicht gemacht", sagte er mit Blick auf die Werbung.

Josef Huber (Türkheim) wollte aber auch die Gläubiger nicht vergessen, die ebenfalls schlaflose Nächte erleiden könnten. Er argwöhnte, die Schuldnerberatung schicke die Schuldner die Privatinsolvenz. Anderer Meinung war da der Landrat: "Erst durch die Schuldnerberatung hat der Gläubiger wieder eine Chance, sein Geld wiederzusehen. Und Andreas Aigster bekräftigte: "Wir versuchen eine Insolvenz abzuwenden."

Unterstützung wird um 10 800 Euro aufgestockt

Die Schuldnerberatung der Caritas wird derzeit vom Landkreis mit 24 600 Euro gefördert. Laut Beschluss des Kreisausschusses wird dieser Betrag um 10 800 Euro aufgestockt. Die Caritas kann somit zehn Stunden Beratung mehr anbieten. Die von der Caritas angebotene Insolvenzberatung ist keine Aufgabe des Landkreises.

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