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Mindelheim

15.08.2020

Alois Schmid: Der rätselhafte Heiler von Mindelheim

Zahlreiche Tafeln aus der jüngeren Vergangenheit zeugen von der Dankbarkeit derer, die glauben, mit der Hilfe von Alois Schmid geheilt worden zu sein.

Plus Zu Alois Schmid kamen die Menschen in Scharen. Viele verehren ihn noch heute, das wird an seinem Mindelheimer Grab deutlich. Warum starb er 1940 mit nur 45 Jahren?

Auf dem Mindelheimer Friedhof, an prominentem Platz zwischen Kapelle und Leichenhaus, steht ein prächtiges Grabmal. Es zeigt den Erzengel Michael im Kampf mit dem Bösen. Davor brennen Kerzen und ein paar Dankestafeln stehen dabei. Auf einer steht: „Alois Schmid hat geholfen“. Das Erstaunliche dabei: Diese Tafeln, in denen sich Gläubige erkenntlich zeigen, stammen aus jüngerer Zeit. 2009, 2015, 2017. Wer ist dieser Alois Schmid, der vor 80 Jahren gestorben ist?

Vor etwas mehr als 75 Jahren ging die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zu Ende. Millionen Tote waren die Schreckensbilanz dieser Jahre zwischen 1933 und 1945. Im Frühjahr reihte sich ein geschichtsträchtiges Erinnerungsdatum an das nächste: die Befreiung der Überlebenden der Konzentrationslager, der totale Zusammenbruch der Kriegsfronten und die bedingungslose Kapitulation am 8. Mai 1945.

Auch streng gläubige Katholiken hatten es in der Nazi-Zeit in Mindelheim schwer

Die braune Diktatur hat aber auch an der „Heimatfront“ in Mindelheim gewütet. Ins Visier der Nazi-Ideologen geraten waren dabei Juden, politisch Andersdenkende und Menschen mit Behinderung. Auch streng gläubige Katholiken hatten es zunehmend schwerer.

An einen von ihnen erinnert eine Tafel an einem Haus in der Bad Wörishofer Straße in Mindelheim, in dem heute die Praxis des Allgemeinmediziners Dr. Georg Steber untergebracht ist. Auch das Grabmal auf dem Mindelheimer Friedhof erinnert an den Heilpraktiker Alois Schmid, zu dem die Menschen in Scharen geströmt waren, weil sich dessen erstaunliche Heilerfolge wie ein Lauffeuer herumgesprochen haben.

Alois Schmid war als Heiler von Mindelheim bekannt.

Schmid war nach allem, was man weiß, nicht direkt Opfer der Nazis geworden. Aber sein viel zu früher Tod führte zu Spekulationen, zumal Schmid wiederholt offen seine Meinung über das „Dritte Reich“ gesagt hatte.

Schmid wurde 1894 als zwölftes Kind auf einem Bauernhof in der kleinen Ortschaft Hub in der Nähe von Kempten geboren. Die ersten Jahre lebte er auf dem Hof und war Melker. Seine Mutter hatte ihn gelehrt, täglich den Heiligen Geist um Beistand zu bitten. Er fragte sich, wenn das Vieh krank war, warum das geschieht und warum ein Unglück auf dem Hof geschehen kann. Für ihn wurde immer deutlicher, dass alles Geschehen mit Gott in Zusammenhang stand.

Im Oktober 1926 zog Schmid als Heilpraktiker nach Mindelheim. Seine außergewöhnlichen Heilerfolge sprachen sich rasch herum, vor allem bei den armen und kleinen Leuten. Die Neider ließen nicht lange auf sich warten. Im Februar 1927 anlässlich eines harmlosen Krankenbesuches bekam Alois Schmid Schwierigkeiten. Er war zu einer kranken Frau nach Stetten gerufen worden. Schmid behandelte sie und verabreichte ihr eine Medizin. Das nahm ein Verwandter zum Anlass und zeigte Schmid wegen Betrügereien an. Das Mindelheimer Amtsgericht verurteilte den Heilpraktiker zu vier Wochen Haft, weil er sich angemaßt habe, Menschen zu heilen. In Memmingen kam es dann zu einer Berufungsverhandlung. Und da wurde Schmid freigesprochen. Sein Ruf war aber angeknackst. Und ihm war klar: Er musste das Heilpraktikerdiplom erwerben.

Alois Schmid behandelte täglich bis zu 100 Menschen - und verlangte manchmal gar nichts dafür

Dabei ging es Alois Schmid immer um mehr als körperliche Gesundung seiner Patienten. Und immer mehr Patienten wollten sich von Schmid behandeln lassen. Zwischen 80 und 100 Menschen behandelte er zu Spitzenzeiten jeden Tag. Von einem Drittel verlangte er gar nichts und manchen bezahlte er selbst die Medikamente.

Der Zugezogene durfte sich der besonderen Aufmerksamkeit seiner Mindelheimer sicher sein. Allmorgendlich war in der Frühmesse, entweder in der Stadtpfarrkirche oder bei den Maristen. Ihr Schluss daraus: Das muss ein tiefgläubiger Mensch sein. Seinen Patienten stellte er immer wieder ungewöhnliche Bedingungen. Sie müssten sich zuerst bekehren. Und wenn sie widersprachen, nannte er persönliche Probleme seiner Patienten, die er eigentlich gar nicht kennen konnte. Viele gingen empört wieder, andere ließen sich darauf ein und wurden geheilt, wie der Mindelheimer Schmid-Kenner Dr. Carl-Maria Ruf formulierte. Auch viele Geistliche ließen sich von dem Heilpraktiker behandeln. Manche versuchten ihn auszuhorchen, andere fragten ihn um Rat.

Das Grabmal von Alois Schmid auf dem Mindelheimer Friedhof wird noch immer von vielen Menschen besucht.

In der Nazi-Zeit machte Schmid darauf aufmerksam, dass nicht die weltlichen Machthaber die letzte Instanz sind, sondern Gott. Daraufhin wurde er streng überwacht. Immer wieder verwies er darauf, dass der Glaube für Christen das Maß aller Dinge sei. Am 16. Juni 1940, starb er mit nur 45 Jahren.

Das Rätsel um den Tod von Alois Schmid ist nie gelöst worden

Niemand hatte mit seinem Tod gerechnet, und so verbreitete sich die Nachricht in Windeseile. Was bekannt war: Den Nazis war sein Wirken ein Dorn im Auge. Seine Verhaftung war bereits angeordnet, schreibt Ruf. Das Rätsel um den Tod ist nie gelöst worden. Vier Tage später begleiteten Hunderte von Trauernden den Leichnam auf seinem letzten Weg. Über dem Grab wurde ein Bibelzitat angebracht: „Mein Gerechter aber lebt aus dem Glauben“ Röm. 1,17. Darunter ist ein Bild des Heiligen Erzengel Michael angebracht, der im Kampf mit dem Bösen dargestellt ist.

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