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Ausstellung in Mindelheim

20.01.2014

Aus der Zeit gefallen: Fotos wie Gemälde

In einem ansonsten völlig leeren Sanatorium steht einsam und verlassen ein Flügel. „Stille“ hat Sven Fennema dieses Foto genannt.
Bild: Fennema

Besondere Bilder von Sven Fennema imRathaus

Unter dem Titel „Tales of Yesteryear“ hat er Aufnahmen aus verlassenen Häusern und Gebäuden aus ganz Europa zusammengestellt. Viele erst durch akribische Recherchearbeit aufgespürt, manche durch Zufall gefunden, jedoch immer wirken sie wie aus der Zeit gefallen.

Auf die Frage wo er am liebsten seine Motive sucht, antwortet er sofort: Italien. Dort sei er immer auf Entgegenkommen gestoßen sobald erkannt wurde, dass er echtes Interesse an den Gebäuden und ihrer Geschichte hatte. Und dort war es oft sehr unkompliziert Einblick und Eintritt zu erhalten wobei die Achtung und der Respekt für das Alte dazu führt, dass die verlassenen Häuser oft in einem überraschend guten Zustand sind.

In Italien war es auch, wo Frank Grabowski vom Mindelheimer Kunstverein eine Ausstellung mit Fotos von Fennema gesehen hat. Er war begeistert und hat gleich Kontakt zu dem jungen Krefelder Fotografen geknüpft, und jetzt ist der Kunstverein Mitveranstalter dieser besonderen Ausstellung.

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Besonders angetan haben es Fennema bei der Motivsuche alte Irrenanstalten. Vor allem in Italien hat er einige „Manicomios“ gefunden und war jedes Mal fasziniert vom Gegensatz der traurigen Geschichte dieser Gebäude und der herrschaftlichen Architektur der Anwesen. In diesen Anstalten wurden nämlich nicht nur geistig unzurechnungsfähige Menschen gesperrt, sondern viele die einfach nicht angepasst waren. Die Insassen wurden dann in viel zu kleine Zellen ohne ausreichende sanitäre Ausstattung gesperrt; auf Betten geschnallt oder mit Zwangsjacken ruhig gestellt.

Eine andere Frage die sich dem interessierten Publikum aufdrängt: Ist es manchmal nicht gefährlich sich in solche baufälligen Gebäude zu begeben? Sven Fennema wird das wohl öfter gefragt, denn er grinst als er antwortet, dass er sich nie wirklich in Gefahr begeben würde: „So manch schönes Motiv habe ich genau deswegen nur von außen abgelichtet.“

Dass seine Bilder wie Gemälde wirkten, liege daran, dass er nur mit natürlichem Licht arbeitet und mehrere Bilder mit verschiedenen Belichtungszeiten quasi übereinanderlegt. So entstehen weiche Konturen und der Eindruck, als ob die Fotos gemalt wären. Was natürlich auch durch den Druck auf Leinwand noch verstärkt wird.

Auch an der Kolorierung ändere er nichts, die verblüffenden Farbtöne sind immer genau so wie er sie vorgefunden hat und nicht nachträglich am Computer eingefügt. Der Stil des 32-jährigen Künstlers und seine Motive ziehen den Betrachter jedenfalls in den Bann. Dabei sind die Geschichten, die er so mit seiner Kamera festhält, manchmal das Letzte, das diese Gebäude von ihrer Vergangenheit erzählen können.

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