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Wirtschaft

14.01.2015

Bad Wörishofen: Thermenbetreiber legen geplanten Ausbau auf Eis

Die Frage, ob die Therme die Fremdenverkehrsbeiträge gezahlt hat, erhitzt die Gemüter. Der Ausbau der Therme liegt vorerst auf Eis.
Bild: Wagner

Die Betreiber sagen den geplanten Ausbau der Therme Bad Wörishofen ab. Der Grund ist der Streit um den Umgang mit dem Fremdenverkehrsbeitrag.

In der Debatte um den Umgang mit dem Fremdenverkehrsbeitrag in Bad Wörishofen ziehen die Thermenbetreiber erste Konsequenzen. „Das Investitionsklima in Bad Wörishofen hat sich aufgrund der aktuellen Ereignisse drastisch verschlechtert“, teilten Josef und Jörg Wund gestern mit. Deshalb werde man aktuell am Standort Bad Wörishofen keine weiteren Investitionen mehr vornehmen. Gelder, welche für eine Saunaerweiterung der Therme Bad Wörishofen bereitstanden, seien nun in andere Standorte der Wund-Gruppe investiert worden. Josef Wund sprach von rund 200 Millionen Euro, die in Sinsheim und im Schwarzwald verbaut werden.

7,3 Millionen Besucher seit der Eröffnung

Gleichwohl machen die Wunds deutlich, dass ihnen nach wie vor an einer außergerichtlichen Einigung mit der Stadt gelegen ist, was den Fremdenverkehrsbeitrag angeht. Man habe ja selbst längst eine Einigung angestrebt, erinnerte Jörg Wund. Dazu sei es aber bislang nicht gekommen. Angeblich habe Bürgermeister Paul Gruschka ein Gesprächsangebot nicht aufgegriffen. Bekanntlich befürchtet Gruschka, dass die Stadt vor seinem Amtsantritt keinen oder zu wenig Fremdenverkehrsbeitrag von der Therme erhoben hat.

Diese Darstellung habe „uns schockiert“, sagen die Wunds. Gutachter versuchen derzeit, den Status der Therme zu klären, bislang mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Es geht um eine sechsstellige Summe, die Rede in einem Gutachten ist von etwa 700.000 Euro. Es geht um die Frage, ob die Stadt unter Altbürgermeister Klaus Holetschek dieses Geld hätte fordern müssen. Den Thermenbetreibern selbst wirft niemand Verfehlungen vor.

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Die Familie Wund vertritt die Auffassung, dass sie mit dem Betrieb von Therme und Sportbad kommunale Aufgaben übernommen hat. So steht es auch in der Präambel des Ansiedlungsvertrags. Deshalb falle weder Kurtaxe noch Kur- und Fremdenverkehrsbeitrag an. Die Stadtmarketing GmbH etwa oder der Kur- und Tourismusbetrieb zahlten diese Abgaben ja auch nicht, heißt es. Josef Wund sagt, dass der mittlerweile verstorbene Altbürgermeister Erwin Singer die Befreiung vom Fremdenverkehrsbeitrag zugesagt habe. Allerdings sei das vertraglich exakt nicht fixiert worden. Trotz dieser Zusage habe sich die Therme freiwillig erheblich finanziell engagiert (siehe Bayernteil).

7,3 Millionen Menschen haben das Bad seit der Eröffnung besucht. Allerdings seien darunter nur drei bis vier Prozent Urlaubs- und Kurgäste aus Bad Wörishofen. Deshalb könne nur ein „sehr niedriger Vorteilssatz“ in Frage kommen, wenn es zu einer Einigung mit der Stadt kommen soll. Maximal fünf Prozent sei anzusetzen, finden die Thermenbetreiber. Oder aber die Therme leiste ihren „großen Fremdenverkehrsbeitrag selbst“, wie das 2001 vereinbart wurde. Als dritte Möglichkeit sieht Jörg Wund eine Erhöhung des Zuschusse für das Sportbad Blue Fun.

Josef Wund: "große Leistung für die Stadt"

Die Wunds listen zudem weitere mögliche „Konsequenzen aus der aktuellen Stadtpolitik“ auf, sollte eine Einigung scheitern. Denkbar wären demnach die Verlegung der Besitzgesellschaft oder die Schließung des Sportbads. Denkbar wäre die Rückzahlung des Darlehens der Stadtwerke und die Selbstversorgung der Therme mit Energie. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen dem Energielieferanten Stadtwerke Bad Wörishofen bislang Umsätze von rund 14,9 Millionen Euro beschert.

Josef Wund verweist auf die große Leistung der Therme für die Stadt und spricht von einem „Zusammenleben“, welches man über 22 Jahre notariell geregelt habe. „Ein ähnliches Verhältnis hat sicher kein anderes Unternehmen in der Region“, finden die Wunds. Keinesfalls subventioniere da eine arme Stadt eine reiche Therme. Mit dem Familienbad Blue Fun mache man jährlich rund 500000 Euro Verlust, trotz der 460000 Euro von der Stadt, rechnet Josef Wund vor.

Diesen Verlust trage die Familie Wund alleine. An anderen Wund-Standorten würden die Gemeinden höhere Beiträge für die gleichen Aufgaben leisten, in Titisee etwa 980000 Euro jährlich, in Sinsheim sogar 1,25 Millionen Euro. Selbst das Darlehen der Stadtwerke sei für das Kommunalunternehmen ein gutes Geschäft, denn die Verzinsung liege über dem damals üblichen Niveau.

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