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Kirchheim

19.07.2019

Bürgermeister Hermann Lochbronner hört auf

Kirchheims Bürgermeister Hermann Lochbronner will 2020 nicht mehr antreten.
Bild: Melanie Lippl

Kirchheims Bürgermeister Hermann Lochbronner will 2020 nicht mehr antreten - und das, obwohl Bürgermeister für ihn einer der schönsten Jobs ist, die es gibt.

Es ist eine Nachricht, die viele überraschen dürfte: Hermann Lochbronner, seit 18 Jahren Bürgermeister in Kirchheim, will 2020 nicht mehr zur Wahl antreten. Diese Woche hat der 58-Jährige seine Entscheidung den Markträten und den Rathausmitarbeitern mitgeteilt, nun geht er damit an die Öffentlichkeit – auch wenn es ihm noch sichtlich schwerfällt, die richtigen Worte dafür zu finden. „Ich kann’s mir momentan noch nicht vorstellen, wie es dann ist“, sagt der gelernte Bankkaufmann. Für ihn sei Bürgermeister nie ein Beruf gewesen, sondern eine Berufung und einer der schönsten Jobs, die es gibt.

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Doch trotz aller schönen Momente gibt es eben auch die Kehrseite: Abende und Wochenenden voller Termine, schlaflose Nächte, in denen man Probleme der Gemeinde wälzt, wenig Zeit für Frau und Kinder und ständige Einsatzbereitschaft. In Kirchheim und seinen Ortsteilen kannte ihn jeder, die meisten hatten auch seine Handynummer. Da kann schon mal nachts um elf das Telefon klingeln, weil bei einem Bürger gerade der Ehepartner gestorben ist und er voller Verzweiflung nicht weiß, an wen er sich sonst wenden soll als an seinen Bürgermeister.

Kirchheims Bürgermeister Hermann Lochbronner hat gelernt: Es kommt auf die Zeit an, die man schenkt

Hermann Lochbronner hätte gern kürzertreten wollen. Doch Stunden reduzieren, in Teilzeit arbeiten, das geht als Bürgermeister nicht. Seine Frau hat er schon zwei Mal im Kampf gegen den Krebs unterstützt und auch er selbst hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Das Leben in vollen Zügen genießen, das wollten beide in der Rente. „Aber man weiß nicht, ob man die Rente erlebt und wie man beieinander ist“, sagt Lochbronner. Eins hat er als Bürgermeister auch gelernt: Es sind nicht die materiellen Geschenke, auf die es bei Besuchen ankommt, sondern die Zeit, die man anderen Menschen schenkt.

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Mehrere Monate lang habe er mit sich gerungen, berichtet Lochbronner. Eine in seinen Augen unfaire Aussage eines Bürgers habe ihm dann eine schlaflose Nacht bereitet – sie war das Zünglein an der Waage, auch wenn inzwischen offenbar schon wieder Gras über die Sache gewachsen ist. „Ich bin nicht nachtragend“, sagt Lochbronner über sich selbst. Er habe versucht, immer für alle offen zu sein. „Mir ist das Menschliche, der Umgang, ganz wichtig gewesen.“ Er hofft, dass auch sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin die Menschen in der Gemeinde zusammenführt und sie nicht spaltet. Wer auch gewählt wird, kann auf seine Unterstützung zählen, verspricht der Rathauschef – natürlich nur, falls dies gewünscht ist. Daheim rumhocken, das kommt für ihn nicht in Frage: Lochbronner kann sich vorstellen, für den Kreistag zu kandidieren und so sein über 18 Jahre lang erworbenes Wissen im Marktrat und verschiedenen anderen politischen Gremien zum Wohle des Unterallgäus einzusetzen.

Zahlreiche Projekte haben den Kirchheimer Bürgermeister über die Jahre bewegt

Mit nur wenigen Stimmen Vorsprung war er 2002 als Wahlsieger hervorgegangen und sogleich ins kalte Wasser geworfen worden: Lochbronner war kaum ein paar Wochen im Amt, da kam das Hochwasser nach Kirchheim und viele Keller standen unter Wasser. Hochwasserschutz, Kinderbetreuung, Schulsanierung – das sind nur drei von vielen Projekten, die ihn seither beschäftigt haben. Wenn er über seine Erinnerungen spricht und über aktuelle Projekte, ist Lochbronner noch ganz der Bürgermeister – weit weg vom Rentnerdasein, das ihm im nächsten Jahr bevorsteht. „Man steckt in so vielen Sachen drin, da kann man ja gar nicht aufhören...“, hatte er noch im März dieses Jahres auf die Frage nach einer erneuten Kandidatur geantwortet. Doch der Rathauschef weiß auch: Dann dürfte man ja niemals aufhören. Denn die Arbeit als Bürgermeister geht nie aus.

Hier geht es zum Bericht über das Kirchheimer Marktfest: Fesselndes Mittelalterfest in Kirchheim

Wie geht es bei den anderen Bürgermeistern im Unterallgäu weiter? Welche Bürgermeister kandidieren erneut, welche nicht?

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