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Mindelheim

07.04.2020

Corona: So funktioniert die neue Infektpraxis in Mindelheim

Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Baufirma Riebel in Mindelheim ist nun die neue Infektpraxis des Landkreises Unterallgäu beheimatet. Hier sollen Patienten mit Symptomen auf das Corona-Virus getestet werden.
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Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Baufirma Riebel in Mindelheim ist nun die neue Infektpraxis des Landkreises Unterallgäu beheimatet. Hier sollen Patienten mit Symptomen auf das Corona-Virus getestet werden.
Bild: Johann Stoll

Ab Gründonnerstag gibt es in Mindelheim eine Infektpraxis. Sie ist im früheren Riebel-Gebäude in der Reinpoldstraße untergebracht.

Wie kann Menschen schnell und wirkungsvoll geholfen werden, die sich krank fühlen und annehmen, sie könnten sich mit dem Coronavirus angesteckt haben? Und wie lässt sich zugleich die Gefahr für niedergelassene Ärzte und deren Mitarbeiter möglichst klein halten, dass sie sich bei der Behandlung von Patienten infizieren? Die Antwort ist eine eigene Infektpraxis, die an diesem Donnerstag, 9. April, in der Mindelheimer Reinpoldstraße 5 für die Dauer von drei Monaten geöffnet wird.

In der Nähe der Klinik Mindelheim

Die Praxis liegt bewusst in der Nähe des Mindelheimer Krankenhauses in der ehemaligen Zentrale der Firma Riebel, so dass Patienten, die stationäre Hilfe benötigen, diese schnell erhalten können. Das leer stehende Gebäude gehört inzwischen der Augsburger Peschel-Holding AG. Der Eigentümer überlässt das Gebäude kostenlos dem Landkreis für die Dauer eines Quartals. Das Unternehmen hatte sich sofort bereit erklärt zu helfen, betonte Landrat Hans-Joachim Weirather vor Medienvertretern.

Spartanische Ausstattung und genügend Abstand: der Warteraum.

Knapp 190 Menschen haben sich bisher im Unterallgäu mit dem Coronavirus infiziert. Vier Menschen, die alle an Vorerkrankungen litten, sind an den Folgen gestorben. Rund ein Drittel der Infizierten hat die Erkrankung überstanden und ist nicht mehr in Gefahr, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Ludwig Walters. Die Ansteckungswelle läuft aber weiter, auch wenn es erste Anzeichen dafür gibt, dass sich das für die menschliche Gesundheit gefährliche Virus im Unterallgäu etwas langsamer ausbreitet.

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Infektpraxis-Leiter Max Kaplan ist ein erfahrener Arzt

Als Leiter der Infektpraxis hat der Landrat den 67-jährigen Dr. Max Kaplan aus Pfaffenhausen berufen. Kaplan arbeitete bis zum Jahr 2015 drei Jahrzehnte als Hausarzt und war 15 Jahre lang als Notarzt im Einsatz. Kaplan war Präsident der Landesärztekammer und Vizepräsident der Bundesärztekammer sowie Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes.

Dr. Max Kaplan leitet die Bereitschaftspraxis des Landkreises.

Kaplan arbeitet als Versorgungsarzt eng mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises zusammen. Er hat inzwischen einen Arbeitsplatz im Landratsamt. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Versorgung von Patienten sicherzustellen. Solche Versorgungsärzte sind in allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Bayern berufen worden. Die Infektpraxis in Mindelheim ist an sieben Tagen die Woche geöffnet. Von Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und von 16 bis 19 Uhr. Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen ist die Praxis von 10 bis 19 Uhr offen. Eine solche Infektpraxis gibt es auch in Memmingen.

Das ist zu tun, wenn Corona-Symptome auftreten

Wer sich krank fühlt, kontaktiert wie bisher seinen Hausarzt, dies aber nicht persönlich, sondern telefonisch. Am Wochenende sollten die Patienten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 anrufen. Sind die Symptome unklar, überweist der Arzt den Patienten zur Infektpraxis weiter. Dort bekommt dieser einen Termin, um möglichst wenige warten zu lassen. Dadurch soll das Ansteckungsrisiko vermieden werden. 40 bis 60 Patienten am Tag kann die Infektpraxis behandeln.

Ziel sei, die niedergelassenen Ärzte zu entlasten, betont Kaplan. Weil es bislang nicht genug Schutzausrüstung für die Ärzte und ihre Mitarbeiter gibt, laufen die niedergelassenen Ärzte Gefahr, sich selbst anzustecken. Das sei bereits geschehen, sagte Walters. Die Mitarbeiter mussten sich in Quarantäne begeben.

Die vorhandenen zu wenigen Gesichtsmasken und Schutzausrüstungen sind bisher an Hausärzte, an Gynäkologen, an Pneumologen sowie an Alten- und Pflegeheime verteilt worden. Ärzte wurden sogar angehalten, zertifizierte Schutzmasken öfter zu verwenden.

Auch die Mindelheimer Bereitschaftspraxis zieht in die Reinpoldstraße

Damit möglicherweise infizierte Personen nicht in die Klinik kommen, zieht auch die Bereitschaftspraxis des Mindelheimer Krankenhauses in die Infektpraxis. Die Bereitschaftspraxis ist am Mittwoch und Freitag von 16 bis 19 Uhr, am Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Weiterhin aufrecht erhalten wird der Drive-In-Schalter in Mindelheim, der von den Johannitern betrieben wird. Während die Untersuchung und Behandlung von kranken Patienten in der Infektpraxis erfolgt, geht es am Drive-In-Schalter in der Landsberger Straße 45 darum, effektiv zu testen. Hier werden zum Beispiel Kontaktpersonen von Infizierten getestet. Zum Drive-In-Schalter darf aber nur, wer vom Gesundheitsamt dorthin geschickt wurde.

Das Landratsamt Unterallgäu hat in der Landsberger Straße 45 in Mindelheim eine Drive-in-Station für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet. 100 Autos können pro Tag abgefertigt werden.
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Corona: So sieht der Drive-in in Mindelheim aus
Bild: Oliver Wolff

Wer Kontakt mit einem Covid-19-Infizierten hatte, wendet sich ans Bürgertelefon (08261/995-406). Dort erhält man alle Informationen zum weiteren Vorgehen sowie gegebenenfalls ein Ticket für den Drive-In-Schalter.

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