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Landkreis Unterallgäu

02.05.2020

Corona infiziert den Arbeitsmarkt im Unterallgäu

Wegen der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland gestiegen.
Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Im Unterallgäu steigt die Arbeitslosenquote auf 2,5 Prozent und über 1000 Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet.

Die Corona-Pandemie hat den privaten und beruflichen Alltag in kürzester Zeit völlig verändert und auch der Arbeitsmarkt ist stark unter Druck geraten. Nach Mitteilung der Agentur für Arbeit ist die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk von 2,6 auf 3,3 Prozent gestiegen. Im Landkreis Unterallgäu liegt die Quote bei 2,5 Prozent. Im Vormonat waren es noch 1,7 Prozent.

Bereits in der zweiten Märzhälfte zeigten zahlreiche Betriebe eine Verkürzung der Arbeitszeit an. Diese Entwicklung setzte sich auch im April rasant fort. Bis Ende April haben im bayerischen Teil des Allgäus 6954 Unternehmen für mehrere zehntausend Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt. Eine stark gedrosselte Produktionsauslastung in vielen Betrieben, Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Hotels und Gastronomiebetriebe sowie Einkaufsmeilen belasteten auch den Arbeitsmarkt in einem seit Jahren nicht gekannten Ausmaß. Allein im Landkreis Unterallgäu haben 1049 Betrieb Kurzarbeit angemeldet.

Vor einem Jahr hatten im Allgäu nur 15 Betriebe Kurzarbeit

Im April des vergangenen Jahres spielte das Thema Kurzarbeit auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle. Seinerzeit hatten lediglich 15 Betriebe Kurzarbeit gemeldet. Auch der Vergleich mit der Finanzkrise 2008/2009 vermittelt die derzeitige Dimension. Auf dem Höhepunkt im Mai 2009 hatten rund 500 Betriebe im Allgäu für knapp 15.000 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld aus konjunkturellen Gründen erhalten.

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Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter konzentrieren ihre Kräfte in dieser Situation auf die Auszahlung von finanziellen Unterstützungsleistungen wie Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld, Kindergeld und Leistungen der sozialen Grundsicherung. Um die Gesundheit aller zu schützen, sind Anträge und weitere Nachweise online, per E-Mail oder postalisch einzureichen. Persönliche Termine sind weiter nicht möglich. „Arbeitnehmer und Betriebe stehen vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Wir wollen alle Betroffenen in dieser besonderen Situation unterstützen und durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld Entlassungen von Beschäftigten möglichst vermeiden“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „Bis Ende April hat nahezu jeder dritte Betrieb, der in der Region mindestens einen Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt, Kurzarbeit angezeigt. In dieser schwierigen Zeit setzen wir alles daran, Leistungen zum Lebensunterhalt so zügig wie möglich auszuzahlen. Wir haben dazu im laufenden Betrieb Personalverschiebungen in die stark geforderten Bereiche vorgenommen.“ Die Corona-Krise führte im April in den Betrieben zu einem deutlich geringeren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften. So stellten Unternehmen aktuell lediglich 573 Arbeitsstellen neu zur Verfügung. Im Vergleich zum Monat zuvor und auch zum April des vergangenen Jahres bedeutete das einen massiven Rückgang um 50 bzw. 60 Prozent. Parallel ging auch die Gesamtzahl der vorliegenden Stellenangebote auf knapp 5600 zurück. Die Mitarbeiter im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit konzentrieren ihre Tätigkeit derzeit auf den hohen betrieblichen Beratungsbedarf zum Thema Kurzarbeit.

Es wurden auch neue Jobs vergeben

Und doch bieten die neu hereingegebenen Stellenangebote eine erste Basis für Vermittlungsbemühungen und zeigen, dass längst nicht alle betrieblichen Aktivitäten auf Null gestellt sind. Neue Arbeitskräfte waren in der Lebensmittelproduktion gesucht, ebenso im Baugewerbe. Für den Warentransport stellten Unternehmen Beschäftigungsmöglichkeiten für Berufskraftfahrer und Lagerfachkräfte zur Verfügung. In Arzt- und Zahnarztpraxen sowie in Steuerkanzleien gab es ebenfalls zusätzliche Arbeitsangebote.

Auch nach ersten Lockerungen steht die Gesellschaft weiter vor großen Herausforderungen. Kleine Geschäfte sind seit Kurzem geöffnet, Mitarbeiter kehren an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Unsicherheit, wie lange die Pandemie anhält und auch den Arbeitsmarkt beeinträchtigt, bleibt trotzdem bestehen. (mz)

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