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Stadtrat

10.11.2017

Dem Löwenbräu droht die Abrissbirne

Eines der markantesten Gebäude in der Bad Wörishofer Innenstadt: Die Tage der Hotel-Gaststätte „Löwenbräu“ sind gezählt. Bauunternehmer Dieter Glass will hier einen größeren zweistelligen Millionenbetrag investieren und ein Wohn- und Geschäftshaus bauen. Dazu soll im Oktober 2018 das Brauerei-Gebäude abgerissen werden.
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Eines der markantesten Gebäude in der Bad Wörishofer Innenstadt: Die Tage der Hotel-Gaststätte „Löwenbräu“ sind gezählt. Bauunternehmer Dieter Glass will hier einen größeren zweistelligen Millionenbetrag investieren und ein Wohn- und Geschäftshaus bauen. Dazu soll im Oktober 2018 das Brauerei-Gebäude abgerissen werden.

Am Montag legt Bauunternehmer Dieter Glass seine Pläne für eine Neubebauung des gesamten Hotel-Areals dem Stadtrat vor. Mängel beim Brandschutz bedrohen den laufenden Betrieb. Jetzt sollen Provisorien helfen

Hinter verschlossenen Türen hat Dieter Glass, Chef der gleichnamigen Baufirma, die Pläne für die Neubebauung des Löwenbräu-Areals bereits präsentiert. Die Öffentlichkeit soll erst in der Stadtratssitzung am kommenden Montag (18 Uhr) erfahren, was genau dort entstehen soll – bislang werden Details gehütet wie ein Staatsgeheimnis.

Längst wird jedoch darüber gemunkelt, dass Glass dort einen größeren zweistelligen Millionenbetrag investieren und ein großes Wohn- und Geschäftshaus bauen will. Auch eine Gaststätte und eine kleine Brauerei soll es dann in dem Neubau wieder geben, erfuhr die Mindelheimer Zeitung.

Schon im Oktober des kommenden Jahres soll es mit dem Abriss der bestehenden, inzwischen erkennbar maroden Gebäude losgehen – wenn die Firma Glass bis dahin alle Genehmigungen zusammen bekommt. Der Vertrag mit dem früheren Besitzer und heutigen Pächter des Löwenbräu-Hotels, Roland Forster, wurde bereits gekündigt. Forster kann noch bis Oktober 2018 weitermachen, so die Vereinbarung eines Auflösungsvertrages.

Diese Pläne wurden bei der Präsentation vor handverlesenen Stadträten dem Vernehmen nach überwiegend positiv aufgenommen.

Bei den nicht-öffentlichen Vorberatungen wurden vonseiten der Verwaltung und des Stadtrates bereits einige Veränderungen angemahnt – die wurden offenbar auch alle prompt eingearbeitet.

Doch auch kritische Stimmen meldeten sich zu Wort. Von einem weiteren „typischen Glass-Bauwerk im Neo-Barock-Stil“ war da die Rede mit Blick auf andere imposante Bauprojekte der Firma Glass in Bad Wörishofen – darunter die Viktoria-Terrassen, die Villa „Belvedere“ und das „Parkpalais“ am Kurpark. Schon jetzt wird hinter vorgehaltener Hand darüber spekuliert, dass sogar versucht werden könnte, das Bauprojekt an dieser exponierten Stelle in der Kneippstadt ganz zu verhindern.

Die Löwenbrauerei liegt direkt an der Ecke Hermann-Aust-Straße/Bürgermeister-Stöckle-Straße. Der Bierbrauer Ludwig Forster hat sie 1905 gegründet, als er aus der Oberpfalz nach Bad Wörishofen umsiedelte, um in dem aufstrebenden Kurort sein Glück zu versuchen. Die Familie erweiterte die Brauerei im Laufe der Jahre um Hotel und Gasthof. Der Bad Wörishofer Bierlikör ist eines der bekanntesten Erzeugnisse der Brauerei.

Im September 2012 allerdings musste Roland Forster Insolvenz für den Betrieb anmelden. Den folgenden Kauf durch ein Glass-Unternehmen bezeichnete der Insolvenzverwalter damals als ideale Lösung für alle Beteiligten. Forster führte den Betrieb als Geschäftsführer weiter. Das Areal umfasst Gaststätte, Hotel sowie Ferien- und Mitarbeiterwohnungen.

Die Stadträte und die Öffentlichkeit werden am Montag aber nicht nur Details über die Neubaupläne erfahren. Wie sich bei einem eilig einberufenen Ortstermin herausstellte, ist der Betrieb der Traditionsgaststätte und des Hotels akut gefährdet. Eingeladen hatte Eigentümer Dieter Glass neben dem Brandschutz-Sachverständigen Roland Strobl auch den Baureferenten des Stadtrates, Wilfried Schreiber (Freie Wähler).

Der fehlende Brandschutz ist der Firma Glass seit 2012 bekannt. Als in diesem Jahr eine firmeninterne Zertifizierung anstand, seien sämtliche Versicherungen überprüft worden. Dabei sei eben auch der Bestandsschutz des Anwesens Löwenbräu infrage gestellt worden, so Glass auf Anfrage der MZ.

Er habe sich daher jetzt zum sofortigen Handeln veranlasst gesehen, denn: „Als Eigentümer bin ich bei einem möglichen Schadensfall haftbar.“ Die baulichen Voraussetzungen in dem alten Gebäude entsprechen auch laut dem von der Firma Glass beauftragten Brandschutz-Sachverständigen Strobl längst nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben.

Vor allem fehle ein zweiter Rettungsweg, um in einem Brandfall die Sicherheit der Hotelgäste in den 25 Zimmern gewährleisten zu können, so der Experte. Und auch in den Gasträumen im Erdgeschoss hat der Sachverständige erhebliche Mängel angemahnt. Der üblicherweise geltende Bestandsschutz für alte Gebäude könne hier nicht mehr greifen und würde immer dann sofort erlöschen, wenn Gefahr für Menschen erkannt werde.

Als Eigentümer will Dieter Glass jetzt versuchen, den Betrieb der Wirtschaft und des Hotels noch bis zum geplanten Termin aufrecht zu erhalten. Geprüft werden mögliche Provisorien, um den Brandschutz zumindest soweit wieder herzustellen, dass keine akute Gefahr mehr besteht. Wie genau diese Provisorien aussehen könnten, müsse aber erst noch geklärt werden.

Löwenbräu-Pächter Roland Forster hofft jetzt, dass entsprechende Maßnahmen zum Brandschutz schnell gefunden werden, sonst könnte seinem Betrieb ein vorschnelles Aus drohen: „Das ist existenzbedrohend“, machte Forster deutlich und verwies beim Ortstermin auch darauf, dass in den vergangenen Jahren „kein Cent mehr in das Gebäude investiert wurde.“

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