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Baugebiet „W10“

15.02.2019

Der Kandidat hat 95 Punkte

Bei der Vergabe wertvoller Bauplätze modifiziert Wiedergeltingen die sozialen Kriterien. So sollen bauwillige Wiedergeltinger Familien die Chance bekommen, in ihrem Heimatort bleiben zu können

Was haben ein Paar, wovon einer mindestens fünf Jahre in Wiedergeltingen wohnt, eine Familie mit zwei Kindern im Alter von einem und sechs Jahren, sowie ein seit mindestens vier Jahren ansässiger Single mit nachgewiesenem Arbeitsplatz in der Gemeinde gemeinsam? Sie alle würden mit diesen Kriterien volle 95 Punkte erreichen – und damit eine Punktzahl, die sie zu den aussichtsreichsten Kandidaten für die Zuteilung eines Bauplatzes auf Wiedergeltinger Flur machen würde.

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Im Rahmen der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Bürgermeister Norbert Führer diverse Fallkonstellationen vor, die eine erfolgreiche Bewerbung um begehrtes Bauland legitimieren. In diesem Falle gelten die vorgelegten Bewerbungsbedingungen für das Wohnbaugebiet „W10 – Südlich der Hallstattstraße“ und stellen eine Modifizierung der Kriterien im Vergleich zum Wohnbaugebiet „W12 – Hungerbach-Nord“ dar.

So hatte sich dort die Situation entwickelt, dass auch Bewerber zum Zuge kamen, die sich deutlich unter dem favorisierten Punkteschlüssel bewegten. Das konnte passieren, weil Interessenten mit höherer Punktezahl von ihrer Bewerbung zurückgetreten waren, aus welchen Gründen auch immer. Die Zahl derer, die sich noch beworben hatten, verringerte sich – und senkte die Hürde, auf mindestens 75 Punkte. Das will man nun bei der Vergabe der Baugrundstücke „W10 – Südlich der Hallstattstraße“ vermeiden.

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Mit der Einführung einer Mindestpunktzahl, die Bewerber aufweisen müssen, um in das Bewerberverfahren aufgenommen zu werden, setzt Wiedergeltingen nun klare Kriterien. Wer also mindestens 95 Punkte erreicht, dessen Chancen auf Zuschlag steigen. Punkte gibt es für zwei Kategorien – den Ortsbezugskriterien und den Sozialkriterien. Zum Ortsbezug zählt etwa der Wohnsitz, eine Arbeitsstelle vor Ort oder ein Ehrenamt über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, zu den Sozialkriterien die Punkte Vermögen und Einkommen, der Familienstand, die Pflege naher Angehöriger oder der Nachweis einer Behinderung.

Sollten sich mehr Interessenten mit ausreichender Punktzahl im Verhältnis zu den vorhandenen Bauplätzen bewerben, gilt nun nicht mehr das Los, sondern sind soziale Kriterien entscheidend. Auch das ändert sich im Vergleich zum Baugebiet „W12“. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob die Forstverwaltung Mindelheim eines der Grundstücke moniert, da es womöglich zu wenig Abstand zum Wald einhält; nach derzeitigem Stand könnten 17 Grundstücke im Bereich „W10“ ausgewiesen werden. Zwölf davon versieht die Gemeinde mit Vergabebedingungen, alle weiteren veräußert der Eigentümer selbst. Momentan haben sich 36 Interessenten beworben, gibt Norbert Führer Auskunft, vier unter ihnen sind aus Wiedergeltingen, drei kehren nach Abwesenheit wieder zurück an den Heimatort. Insgesamt 29 unter ihnen kommen von außerhalb. Neun bis zehn Bewerber erreichen die erforderlichen 95 Punkte.

Primär sollten Wiedergeltinger die Chance bekommen, einen Bauplatz am Ort zu ergattern, zeigte sich Gemeinderat Maximilian Huber (FWW) überzeugt, was ihm Zustimmung unter den Gremiumskollegen einbringen sollte. Zudem regte er an, freie Bauplätze auch zurückzuhalten, um jungen Alleinlebenden, denen eine Bewerbung unter diesen Umständen „zu schnell geht“, eine Chance auf Bauland zu ermöglichen.

Einig waren sich alle auch beim Vorschlag Alois Karls (CSU), Grundstücke nicht zu vergeben, sollte keiner der Bewerber die angestrebte Mindestmenge von 95 Punkten aufbringen. Der offizielle Beginn des Bewerberverfahrens wird demnächst bekannt gegeben; neben der Internetseite der Gemeinde informiert auch das Rathaus-Infoblatt darüber. Wer die dafür benötigten 95 Punkte nicht aufbringt, für den bleibt nur die Hoffnung auf einen der drei privaten Bauplätze. „Flott sein!“, lautet da der Tipp eines Gemeinderats.

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