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Bad Wörishofen

02.04.2019

Der Sport-Chef rechnet ab

DOSB-Präsident Alfons Hörmann war der Stargast bei der Jubiläumsveranstaltung von „Kolping und Wirtschaft“ im 50. Jahr des Bestehens der Kolping-Akademie.
Bild: Helmut Bader

Bei „Kolping und Wirtschaft“ spart der Präsident des DOSB nicht mit Kritik an Blatter, Infantino und anderen Größen der Sportmaschinerie.

Kritisch und auch selbstkritisch gab sich Deutschlands oberster Sportfunktionär bei einem Besuch in Bad Wörishofen. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB, war Stargast bei „Kolping und Wirtschaft“. Und um den Sport als Wirtschaftsfaktor ging es dann auch – aber nicht nur. Hörmann scheute sich auch nicht, kritische Dinge anzusprechen, durch die sich seiner Meinung nach die Frage stelle: „Verliert der Sport seine Glaubwürdigkeit?“ Den früheren Leichtathletik-Präsidenten Lamine Diack, der Dopingvergehen gedeckt habe, bezeichnete er in Bad Wörishofen dabei schlicht als „Obergauner“.

Ein Verhalten wie jenes von Diack führe die eigentlichen Werte des Sports ad absurdum, kritisierte Hörmann. Auch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino ging er hart ins Gericht: „Ich dachte, nach Blatter könne es nicht mehr schlimmer kommen“, aber anscheinend gelte das Wort, es komme meistens nicht Besseres nach, lautete seine Abrechnung, auch mit Infantinos Vorgänger als Präsident des Welt-Fußballverbandes, dem umstrittenen Josef Blatter.

Dann geht es um den Dopingskandal bei der Ski-WM

Hörmanns eigentliches Metier ist aber der Wintersport, wo er bereits zahlreiche Funktionen innehatte. Dass der Dopingskandal bei der Weltmeisterschaft in Seefeld ein schlimmes Ereignis für den Sport als sei, betonte er in Bad Wörishofen ebenfalls. Die Art der Aufdeckung sei für ihn aber eine positive Entwicklung, um der Manipulation Einhalt zu gebieten. Mit spektakulären Razzien hatten Ermittler der Doping-Szene einen Schlag versetzt. Nach seinem Wissensstand seien nach „Stand heute“, was er besonders betonte, bisher keine deutschen Athleten betroffen und es gebe kein generelles Systemversagen, berichtete Hörmann in Bad Wörishofen. Er hob hervor, welch strengen Kontrollen deutsche Sportler sich unterzögen und dass er sich wünsche, dass diese Standards auch woanders eingehalten würden.Hörmann ließ in seinem Referat keinen Zweifel daran, welch große Bedeutung der Sport insgesamt im Leben der Menschen und in der Gesellschaft habe und hob auch dessen wirtschaftliche Kraft hervor. 27 Millionen Mitgliedschaften gebe es im DOSB, davon 10 Millionen Kinder und Jugendliche. 90000 Vereine seien „Tankstellen“, in denen die Werte des Sportes vermittelt würden. Seit 2013 steht der Allgäuer an der Spitze des Verbandes.

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So kommen Kneipp und DOSB in Bad Wörishofen zusammen

In sechs Feldern seien die Werte des Sportes darin verankert: Im Gemeinwohl leisteten die Ehrenamtlichen jährlich 275 Millionen Stunden. Der Sport sorge für gesellschaftliche Stabilität und trage zu Integration und Teilhabe bei. Ein ebenso wichtiger Faktor seien darin Bildung und Erziehung. Der Bereich Gesundheit stelle die Beziehung nicht zuletzt auch zu Sebastian Kneipp her, sagte Hörmann, denn auch der Kneippbund mit Sitz in Bad Wörishofen sei Mitglied im DOSB. Und schließlich habe der Sport auch einen volkswirtschaftlichen Effekt bei 1,77 Millionen Beschäftigten mit 22 Milliarden Euro Steuereinnahmen, dem der Staat 10 Milliarden an Ausgaben gegenüberstellt. Des Weiteren erzählte Alfons Hörmann manch bemerkenswerte Geschichte von Erlebnissen bei den jüngsten Olympischen Spielen in Rio und Südkorea. Er zeigte dabei besonders auf, wie Menschen durch den Sport zusammenfinden würden und wie sie dabei menschliche Werte zelebrierten.

Auch tragische Erlebnisse wie der Tod des Kanutrainers Stefan Henze bei Olympia in Rio de Janeiro zeigten den Zusammenhalt auf – nämlich in der gemeinsamen Bewältigung dieser Tragödie. Zum Abschluss seines Referates zitierte Hörmann den Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, der einmal gesagt habe: „ Sport lässt uns den nationalen Zusammenhalt in seiner schönsten Form erleben, friedlich, fröhlich und fair.“ Sonja Tomaschek, die Vorsitzende des Bildungswerkes in der Diözese Augsburg, dankte dem Referenten, der mit kräftigem Applaus belohnt wurde.

Hörmann war der Stargast zum 50-jährigen Bestehen der Kolping-Akademie. Vor Hörmann sprach in der Kuroase von Bad Wörishofen Gebhard Kaiser, der Vorsitzende der Akademie und frühere Landrat im Oberallgäu. Er erinnerte zum Jubiläum an die früheren Vorsitzenden Bruno Merk, Joseph Othmar Zöller, Willi Kober und Ludwig Schmid, ehe er selbst 2013 die Leitung übernahm. Sie alle hätten dazu beigetragen, die Kolping-Akademie zu einem großen Bildungsträger zu machen.

Allein in Schwaben seien es 24 Standorte mit 800 Mitarbeitern, 26000 Kursteilnehmern und 1020 Kursen pro Jahr. Weitere Standbeine seien Hotels wie in Ohlstadt, Ungarn, Rom oder eben die Kuroase in der Kneippstadt, als ganz besonderer Ort. Nun gelte es, mit Mut und Zuversicht die Aufgaben der Zukunft anzugehen.

Präses Alois Zeller erinnerte an den Namensgeber des Werkes, Adolph Kolping, und stellte diesen in den Zusammenhang mit Pfarrer Sebastian Kneipp. Beide hätten ja im 19. Jahrhundert fast zeitgleich gelebt und es habe viele Parallelen in ihrem Leben gegeben. Beide stammten demnach aus bescheidenen Verhältnissen, waren leidenschaftliche Priester, die stets den Menschen in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns gestellt hätten.

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