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Bad Wörishofen

09.10.2019

Ein Weltstar aus Wörishofen - und sein größter Fan

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4 Bilder
Hunderte von Fotos, Schallplatten und anderen Erinnerungsstücken an Irmgard Seefried hat Otto Striebel zusammen getragen.
Bild: Alf Geiger

Plus Seit seinem 13. Lebensjahr sammelt Otto Striebel alles über Irmgard Seefried, die heute 100 Jahre alt geworden wäre.

An diesen Tag, an diesen Moment, kann sich Otto Striebel noch ganz genau erinnern: „Das war eine Art Erweckungserlebnis“, erinnert sich der heute 44-Jährige mit sehr gemischten Gefühlen an den 24. November 1988. Dass dieser Tag, dieser Moment, sein ganzes späteres Leben beeinflussen würde, das ahnte der Bub nicht.

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Es war der Tag, an dem Irmgard Seefried starb und an dem der 13-Jährige die Stimme dieser damals weltberühmten Opernsängerin und Sopranistin erstmals hörte, als ein Klassiksender eine Gedenksendung zu ihrem Tod brachte. Noch heute hat Otto Striebel eine Musikkassette mit der Aufnahme, die er damals auf seinem Kassettenrekorder gemacht hat und die er hütet wie einen Schatz.

Es war dieser Moment, der ihn bis heute begleitet: Der Moment, als er von Irmgard Seefried mitgenommen wurde in die weite Welt der klassischen Musik, der Opern und Arien, Lieder und Konzerte. Und in die Welt der Erinnerungen an Irmgard Seefried, die ihre Jugend in Bad Wörishofen verbracht hat, wohin ihr Vater Heinrich Seefried 1923 von Köngetried als Hauptlehrer der Knabenschule versetzt wurde und wo die Familie eine Parterre-Wohnung im Haus Schulstraße 11 bezog.

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Ein Unfall kostete Seefrieds Schwester das Leben

Am 9. Oktober 1919 hatte Irmgard Seefried in Köngetried als erstes von drei Kindern des Ehepaares Seefried in Köngetried das Licht der Welt erblickt, ihre musische Ausbildung begann dann bereits im Alter von fünf Jahren, ihr Vater erkannte das Talent seiner beiden Töchter früh, denn nicht nur die kleine Irmgard, auch ihre ein Jahr jüngere Schwester Edeltraud hatten ein außergewöhnliches Gesangstalent. Wie schrecklich muss es daher gewesen sein, als am 13. Mai 1931 die geliebte Schwester Edeltraud auf dem Nachhauseweg von der Schule mit dem Fahrrad tödlich verunglückte?

Otto Striebel hat sogar recherchiert, dass die jüngere Schwester Edeltraud von beiden Mädchen sogar die noch schönere Stimme gehabt haben soll. Dies und so viele andere Daten, Fakten und Geschichten kennt der heute 44-Jährige, der eine vielleicht einzigartige Sammlung von Fotos, Tonträgern, Schallplatten, und anderen Erinnerungen an Irmgard Seefried und ihr bewegtes Leben gesammelt hat.

Die 600 Fotos seines Idols Seefried hütet Striebel wie einen Schatz

So etwa 600 Fotos werden es schon sein, schätzt Otto Striebel, einige davon hat er bei Auktionen in Amerika ersteigert, genauso wie viele der knapp 900 Liedaufnahmen von Auftritten Irmgard Seefrieds auf allen großen Konzertbühnen auf der Welt. Damals, am 24. November 1988, als die weltberühmte Sängerin im Alter von nur 69 Jahren einen viel zu frühen Tod fand, begann seine Leidenschaft für diese Frau, die bis heute anhält. Seither trägt er alles zusammen, das ihn an sein Idol erinnert.

Denn für Otto Striebel ist Irmgard Seefried – die er nie in seinem Leben persönlich gesehen hat – viel mehr als „nur“ ein Star. Für Otto Striebel, der heute in Mindelheim lebt und dort ein Malergeschäft betreibt, ist diese Frau ein Vorbild als Mensch, die auch sein Leben nachhaltig verändert hat.

Irmgard Seefried würde heute als Power-Frau gelten

Irmgard Seefried war nicht nur eine der erfolgreichsten und bekanntesten Sängerinnen ihrer Zeit, sie war auch das, was man heute wohl als „Power-Frau“ bezeichnen würde. In ihrer Wahl-Heimat Wien zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und Musiker Wolfgang Schneiderhan zwei Töchter groß. Und genau diese Power, diese Kraft, dieses Nach-vorne-blicken und Geradeaus-gehen – das hat den in Kirchheim aufgewachsenen Otto Striebel schon immer begeistert und fasziniert – und fasziniert und begeistert ihn bis heute. Denn Irmgard Seefried war in vielem eine Visionärin, bemühte sich stets um einen „Blick über den Tellerrand“, favorisierte schon moderne Musik von Hindemith, Pfitzner und Bartok, als andere darüber noch die Nase rümpften.

So sehr ist Otto Striebel bis heute von dieser Frau begeistert, dass er für sich selbst beschlossen hat, seinen Weg neu zu definieren, sein Lebensziel neu zu wagen: Der gelernte Malermeister wird demnächst ein Studium der Kunstgeschichte aufnehmen und sich damit, das gibt er gerne zu, auch einen Lebenstraum erfüllen.

Kunst, Kunstgeschichte, klassische Musik – das sind seine Passionen. Und die Leidenschaft zum Sammeln hat ihn auch nicht mehr verlassen, er schätzt seine Sammlung alter Schellack-Platten mit Aufnahmen berühmter Opern auf „etwa 1300“. Fast wirkt er dabei selbst etwas überrascht, als er diese Zahl nennt, aber: „Vielleicht sind es auch noch ein paar mehr“, sagt er dann schmunzelnd.

Dass er fast jedes Detail, fast jede Station aus dem Leben von Irmgard Seefried mühelos aufzählen kann, das ist für ihn so selbstverständlich, dass es ihm wohl gar nicht mehr auffällt, dass er so dazu beiträgt, die Erinnerungen an die große Bad Wörishofer Tochter wach zu halten.

Die Musikschule Bad Wörishofen trägt inzwischen Seefrieds Namen

Die Musikschule in Bad Wörishofen trägt inzwischen ihren Namen und als Trägerin der „Goldenen Bürgermedaille“ wurde Irmgard Seefried auch von der Stadt ihrer Jugend hoch dekoriert – nur eine von unzähligen Auszeichnungen, die dem Opernstar in ihrem Leben zuteil wurden.

Otto Striebel könnte ein locker eigenes „Irmgard-Seefried-Museum“ eröffnen, doch er teilt sein Wissen und seine Sammlung lieber mit Interessierten, die ihn jederzeit darauf ansprechen können: „Ich freue mich über jeden, der sich mit mir über Irmgard Seefried unterhalten möchte“, sagt der 44-jährige angehende Student. Denn bei allem Wissen über den Weltstar, vor allem eines weiß Otto Striebel ganz genau: „Wer die Stimme von Irmgard Seefried hört, der muss einfach zuhören...“

Irmgard Seefried - ein Weltstar aus Bad Wörishofen

Die Mozartsängerin und Verehrerin Kneipps startete ihre Laufbahn von Bad Wörishofen aus. Am 9. Oktober 2019 gibt es den 100. Geburtstag von Irmgard Seefried zu feiern. Zu Ehren der im November 1988 verstorbenen Sopranistin ist ein Gedenkkonzert der Bürgerinitiative Kneippjubiläum 2021 in Vorbereitung. Am Sonntag, 16. November, um 15 Uhr will die Bürgerinitiative Kneippjubiläum 2021 der seinerzeit weltbekannten Persönlichkeit der Kneippstadt mit einem Sonderkonzert gedenken: Irmgard Seefried, deren Namen die hiesige Musikschule trägt. 23 Jahre lebte die Familie Seefried im hiesigen Schulhaus.

Bürgerinitiative aus Bad Wörishofen organisiert ein Gedenk-Konzert

In welchen Metropolen die temperamentvolle Sopranistin auch auftrat: Gut gelaunt bezog sich Irmgard Seefried immer wieder auf ihre „Heimatstadt Bad Wörishofen“, den Gesundheitsansatz von Sebastian Kneipp und ihre Herkunft aus dem Unterallgäu.

Als Mozartsängerin wurde Seefried weltbekannt und gefeiert und nicht zuletzt aus diesem Grunde soll auch das Gedenkkonzert am Sonntag, 16. November, um 15 Uhr (geplant für St. Rasso) unter der Überschrift stehen: Mozart-Seefried: Zu Ehren und Gedenken.

Seefrieds Vater, der 1926 auch die Kneippstädter Sing-und Musikschule gegründet hatte, war bald danach bei einem Verkehrsunfall nahe Schlingen gemeinsam mit dem Hotelbesitzer Wilhelm Sproll tödlich verunglückt. Und noch ein Schicksalsschlag hatte die Familie getroffen: Irmgards jüngere Schwester war beim Überqueren der Hauptstraße ums Leben gekommen und wurde auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Irmgard Seefried, die mit ihrer unverwechselbaren Sopran-Stimme bereits 1943 gleichzeitig an den Staatsopern Wien und Dresden Engagement-Angebote erhalten und in kürzester Zeit die Podien der Welt erobert hatte, lebte seit Ende der 40er Jahre in Wien, wo sie als Ehrenbürgerin an der Seite ihres Gatten, des Geigers Wolfgang Schneiderhan, in einem Ehrengrab der österreichischen Bundeshauptstadt im November 1988 ihre letzte Ruhestätte gefunden hat.

Was Seefried und Leopold Mozart verbindet

Regine Glöckner, Sprecherin der BIK2021 formuliert in Anlehnung an den aktuellen Auftritt der Sopranistinnen Diana Damrau und Elina Garanca in der Kneippstadt so: „Was die Damrau und die Garanca uns heute, das war die Seefried seinerzeit: ein Weltstar, dem die musikalische Welt zu Füßen lag und die immer noch unsere Verehrung verdient. Nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern weil sie auch so glaubwürdig und vehement an Sebastian Kneipp und seine Lehre glaubte. Ließ sie sich doch in ihrem Wiener Wohnhaus eigens eine kleine Kneippsche Badeabteilung einbauen. Wenn sowas nicht mal beispielhaft ist. Insofern haben wir allen Grund zum Feiern und Gedenken: des gebürtigen Schwaben Leopold Mozarts 300. Geburtstag, seinen Sohn als Lieblingskomponisten der Seefried und ihren 100. Geburtstag. So drängt sich diese kleine musikalische Doppel-Gedenkstunde geradezu auf.“

Im November, dem Monat des allgemeinen Totengedenkens in dem aber auch sowohl Leopold Mozart (1787) wie Irmgard Seefried (1988) verstorben waren. Seefrieds Tochter Mona, die unter anderem durch eine Fernsehserie bekannt wurde, ist von der Bürgerinitiative zum Termin des Gedenkkonzertes eingeladen. Eine Einladung an den hiesigen Grundschulleiter Bernd Petzenhauser und die Musikschulleitung werden in den nächsten Tagen ausgesprochen.

Veranstalter und Mitwirkende des Mozart-Seefried-Konzertes mit Texten und Musik ist die Bik2021, mit Maria Luise Ludl (Text), Regine Glöckner (Text und instrumental) sowie Gabriele Haldenmayr (Text), Ulrike Kraemer (Sopran), Gundolf Schattenmann (Flauto) und anderen. Musik von Mozart, Schubert und alten Meistern wird erklingen.

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