1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Eine Erfolgsgeschichte geht zu Ende

Mindelheim

08.08.2018

Eine Erfolgsgeschichte geht zu Ende

Bürgermeister Stephan Winter empfing die jungen Spanier, die die Prüfung im Hotelgewerbe abgelegt hatten, im Rathaus. Es sind dies (vorne von links) David Román Palomera, Jonatan Saura Franco, Sonia Lorente Pajares, Andrea Casanova Casanova und Didac Riba de Pouplana. Weiter zeigt das Bild hinten von links Alexandra König (Stadtverwaltung), Dritter Bürgermeister Roland Ahne, Brigitte Riedmaier (Kolping Akademie), Stephan Winter sowie Stefan Schulz von der Agentur für Arbeit.
Bild: Wilhelm Unfried

Fünf junge Spanier bestehen im Unterallgäu ihre Prüfungen im Hotelgewerbe. Warum die Aktion damit endet.

Vor fünf Jahren wurde die Idee geboren, arbeitslosen Jugendlichen aus der Mindelheimer Partnerstadt Sant Feliu de Guixols eine Perspektive zu eröffnen und ihnen im Unterallgäu eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Nun absolvierten fünf der jungen Spanier ihre Gesellenprüfung, drei weitere können im Herbst erneut ihre Prüfung ablegen. Bürgermeister Stephan Winter empfing sie im Rathaus, um ihnen zu gratulieren, aber auch, um das Projekt ein wenig wehmütig abzuschließen. Bisher hatte es die EU mitfinanziert, nun läuft diese Unterstützung aus.

Dritter Bürgermeister Roland Ahne hatte 2013 den Stein ins Rollen gebracht. Während im Unterallgäu händeringend Azubis gesucht wurden, standen auch in der Mindelheimer Partnerstadt viele Jugendlichen auf der Straße. Ahne flog damals sogar nach Sant Feliu, um vor Ort die Möglichkeiten zu erkunden. Mit seiner Idee fand er schließlich auch bei Stephan Winter offene Türen.

Die Mindelheimer haben damit Neuland betreten

Allerdings wusste damals noch niemand, welche Herkulesarbeit auf die Beteiligten zukommen würde, meinte der Bürgermeister beim Empfang rückblickend. Man habe absolutes Neuland betreten. Er erinnerte an das Speeddating zwischen interessierten Spaniern und heimischen Unternehmern, an Deutschkurse, Praktika sowie die zahlreichen Gespräche zwischen Arbeitsamt und Kolping-Akademie, um die Betreuung und Organisation vor Ort zu bewerkstelligen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Im Rathaus hätten sich unter anderen Alexandra König und Ute Bergmaier um die Aufgaben gekümmert. Und auch die Berufsschule habe sich stark engagiert und sei neue Wege gegangen, indem sie beispielsweise eine eigene Spanierklasse einrichtete.

Neben dem bürokratischen Aufwand habe man einiges nicht vorausahnen können, wie zum Beispiel das Heimweh, das manchen der jungen Leute zu schaffen machte. Brigitte Riedmaier von der Kolping-Akademie habe sich zu einer „Ersatz-Mutter“ entwickelt, die zum Teil rund um die Uhr zur Verfügung gestanden habe. Dafür dankte ihr Winter herzlich. Er wandte sich dann an die Jugendlichen: „Alle Hochachtung, was Sie geleistet haben. Sie haben ihre Heimat und Familie verlassen und drei Jahre durchgehalten!“ Dass es sich gelohnt habe, sehe man an den Berufsabschlüssen.

Die Sprache bereitete manchem Probleme

Jonatan Saura Franco ist froh, mitgemacht zu haben, und bedankte sich bei allen Beteiligten. Es sei die Chance gewesen, über die eigene Kultur hinauszuschauen und neue Freunde kennenzulernen. Er bleibe bei seinem Ausbildungsbetrieb. Abschließend gab er zu, dass ihm die Sprache doch einige Probleme bereitet habe. „Hochdeutsch, bayerisch und schwäbisch, ich kapier’s heute noch nicht ganz“, sagte er in schon recht gutem Deutsch.

Stefan Schulz von der Agentur für Arbeit meinte, im Laufe der Zeit hätten alle dazugelernt. So habe man die Deutschkenntnisse der Ankommenden durch entsprechende Kurse in Spanien stark gesteigert. Auch die Ausbildungsbetriebe seien in den Prozess miteingebunden gewesen.

Auch die Aussteiger haben von dem Projekt profitiert

Alle acht Spanier möchten weiter hier bleiben und in ihrem gelernten Beruf arbeiten, erklärte Brigitte Riedmaier. Aus den vergangenen Jahrgängen seien weitere drei Hotelfachkräfte und zwei Köche noch in Bad Wörishofen und einer in München dauerhaft beschäftigt. Viele der Teilnehmer, die aus dem Projekt ausgestiegen seien, hätten dennoch Vorteile, in Spanien eine Anstellung zu finden. Immerhin können sie sich auf Deutsch verständigen und diese Zusatzqualifikation im Tourismus gut gebrauchen, sagte Riedmaier, die auch dem Vorstand des Förderkreises Städtepartnerschaft angehört. Trotz des großen Aufwands bedauerte sie, dass das Projekt nicht fortgesetzt wird. Die Mittel würden nun in andere internationale und soziale Projekte fließen.

Abschließend freute sich Winter darüber, dass diese Aktion auch in der Partnerschaft mit Sant Feliu zu neuem Elan geführt habe. Man habe nun viel öfter Kontakt nach Katalonien. So habe man die Partnerschaft mit Inhalten gefüllt. Er überreichte den jungen Spaniern jeweils ein Abschiedsgeschenk und sagte mit Bedauern: „Wir hätten gerne weitergemacht.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%202536%203.Ganztagesklasse.tif
Festival der Nationen

Schulkinder gehen mit Mozart auf die Reise

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden