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Tussenhausen

22.08.2019

Er macht einen ganz besonderen "Urlaub" im Unterallgäu

Gerald Majella Yiga aus Uganda ist Urlaubsvertretung von Pfarrer Richard Dick.
Bild: Lippl

Gerald Majella Yiga aus Uganda vertritt Pfarrer Richard Dick in und um Tussenhausen. Trotz der Arbeit sind die Wochen hier auch ein bisschen Urlaub für ihn.

Es gibt Menschen, die immer wieder gern in denselben Ort reisen, um dort ihren Urlaub zu verbringen. Gerald Majella Yiga gehört zu diesen Menschen – obwohl sein Urlaub vom Alltag mit einem gewissen Arbeitsaufwand verbunden ist: Der Pfarrer aus Uganda vertritt in den Sommerferien den Unterallgäuer Pfarrer Richard Dick in der Pfarreiengemeinschaft Mattsies, und das inzwischen schon im zehnten Jahr. Während er in Uganda für rund 15.000 Gläubige zuständig ist, sind es in und um Mattsies „nur“ 3500. Und da er in seiner Heimat nicht dazu kommt, Deutsch zu sprechen, ist der jährliche Aufenthalt im Unterallgäu fast wie ein kleiner Sprachurlaub für ihn.

„Ich habe meine Freundin immer dabei“, sagt Gerald Yiga und grinst über das ganze Gesicht. Eine Freundin? Als Pfarrer? Der 59-Jährige greift in seine Hemdtasche und holt ein kleines Wörterbuch „Englisch – Deutsch, Deutsch – Englisch“ hervor. Die deutsche Sprache hat er sich selbst beigebracht, mithilfe von Büchern, Kassetten und eben seiner kleinen, gelben Freundin.

Der Pfarrer hat seine "Freundin" auch in Tussenhausen immer dabei

Schwierig sei es: „Immer die Artikel: der, die, das“, sagt er. „Man muss das immer überdenken.“ Der Dialekt mache die Sache nicht einfacher, aber interessant, findet Yiga und legt gleich los: „Fahrma! Gehma!“ Ihm fällt auf, dass gerade ältere Leute hier im Unterallgäu nur wenige Brocken oder gar nicht Englisch sprechen. Und auch die Jüngeren seien oftmals zurückhaltend. „Die Deutschen haben Angst, Fehler zu machen“, glaubt er.

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Ob Afrika oder Europa: „Die Menschen sind immer Menschen“, sagt der Geistliche. „Manche sind freundlich, manche sind unfreundlich.“ Er selbst gehört zu der ersten Gruppe, regelmäßig strahlt er bis über beide Ohren. Hier in Deutschland hält er es mit dem Sprichwort „When in rome, do as the romans do.“ – „Wenn du in Rom bist, mache es wie die Römer“, also halte dich an ihre Regeln und Gewohnheiten. Während man sich in Uganda etwa nach der Sonne richtet, die ja immer scheine, brauche man hier in Deutschland eine Uhr. „Wir folgen dem Programm“, sagt Yiga. „Hier ist es hektischer.“

Pfarrer Gerald Yiga will den Mädchen in Uganda Hoffnung schenken

Wie stark die Unterschiede zwischen dem einen Monat in Mattsies und den elf Monaten in Kampala sind, wird klar, wenn der 59-Jährige von seinen Projekten spricht. In einem davon werden 24 Mädchen betreut, die als Waisen aufwachsen müssen. Ihnen soll eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht werden, ein Zeugnis, „damit sie etwas in der Hand haben und die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht stirbt“, sagt der Pfarrer und sein Grinsen ist aus dem Gesicht verschwunden.

Eine der jungen Frauen habe einen Uniabschluss in Mikrofinanzmanagement gemacht und plane nun große Familienfeiern, eine weitere habe gerade ihre Kindergartenlehre abgeschlossen, eine andere die Schmuckschule. Fünf Mädchen haben sich dieses Jahr wieder der Schule angeschlossen, berichtet Yiga, doch für das nächste Trimester gebe es noch keine Unterstützung.

Der Mattsieser Kirchenpfleger schließt eine Reise nach Afrika nicht aus

Auch sein zweites Projekt – die 1996 gegründete Schule – ist von Spenden abhängig, denn nicht alle können die Schulausbildung zahlen. Die kleine Farm mit Geflügel und Schweinen ist wegen der immer schlechter werdenden Wetterbedingungen und der afrikanischen Schweinepest nicht mehr rentabel. Es gebe damit kein Fleisch mehr für die Schüler, zudem hat die Schule wegen steigender Lebenshaltungskosten Schwierigkeiten, einen normalen Unterricht zu garantieren. Mit einer Spende von 100 Euro kann ein Kind mindestens ein Trimester in die Schule gehen, erklärt Yiga. Kirchenpfleger Hubert Benz hält es für wichtig, solche Projekte zu unterstützen. „Manche schimpfen über die Flüchtlinge. Aber warum kommen sie? Weil sie keine Perspektive haben“, sagt er.

Er schließt es nicht aus, sich die Arbeit von Gerald Yiga einmal selbst in Afrika anzusehen. Bis dahin wird er ihn vermutlich auch im nächsten Jahr wieder in Deutschland empfangen, als Urlaubsvertretung für Pfarrer Dick. Und Yiga freut sich wie stets auf die Suppe – sein Lieblingsessen – und ein kühles Weißbier, weil man das ja in Bayern trinkt, wie er sagt. Sein schelmisches Grinsen ist wieder da, als er auf seinen dunkelbraunen Arm deutet: „Aber noch besser ist dunkles Bier.“

Wer die Projekte von Pfarrer Gerald Yiga unterstützen möchte, wendet sich an die Pfarreiengemeinschaft Mattsies, Telefon 08268/266 oder 08268/1224.

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