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Irsingen

29.11.2019

„Erzieherische Maßnahmen“ im Irsinger Jugendzentrum

„Vielleicht wurde die Situation falsch eingeschätzt und man hätte die Polizei noch früher alarmieren sollen.“Das Juze in Irsingen ist eines der größten seiner Art in der Region. Um seinen Unterhalt zu finanzieren, veranstaltet der Jugend- und Brauchtumsverein rund zehn Partys pro Jahr. Weil am vergangenen Samstag eine Massenschlägerei ausgebrochen war, hat der Trägerverein jetzt angekündigt, vorerst keine Party mehr zu veranstalten.

Plus Nach der Massenschlägerei zieht der Trägerverein die Notbremse und fährt das Veranstaltungsangebot „auf ein Minimum“ zurück: vorerst keine Partys mehr

Nachdem eine Party des Jugend- und Brauchtumsvereins Irsingen am vergangenen Samstag im Jugendzentrum „Zur Freiheit“ Irsingen (JuZe) gewaltig aus dem Ruder gelaufen ist, hat der Trägerverein beschlossen, das Veranstaltungsangebot „für die nächsten Monate auf das Minimum zurückfahren“. Dies sei auch als „erzieherische Maßnahme“ zu sehen, so der Vorstand des Jugend- und Brauchtumsvereins in einer Stellungnahme: „Damit unsere Gäste lernen, wie man sich im JuZe Irsingen zu verhalten hat“. Vorerst werde es daher keine Veranstaltungen oder Party geben. Davon unberührt bleibt aber der Nikolauseinzug am Mittwoch, 4. Dezember. Auch die Dorfjugend könne sich nach wie vor wie gewohnt im JuZe treffen.

JuZe-Sprecher kontert energisch Gerüchte, dass Flüchtlinge an der Schlägerei beteiligt gewesen seien

Felix Baumann vom Jugend- und Brauchtumsverein ist froh, dass sich die hitzigen Diskussionen der vergangenen Tage inzwischen etwas beruhigt haben. Er und seine Mitstreiter vom JuZe-Verein wunderten sich aber schon, wie heftig die Reaktionen gerade auch in den sozialen Medien ausgefallen sind. Über die möglichen Motive oder den Auslöser für die Massenschlägerei habe er keine neuen Erkenntnisse – er widersprach aber ganz energisch allen bösen Gerüchten, dass Flüchtlinge an der Schlägerei beteiligt gewesen seien. Wichtig sei auch zu wissen, dass die Beteiligten an der Schlägerei allesamt bereits Erwachsene sind, so Baumann.

Bei der Schlägerei gab es mehrere Verletzte: Massenschlägerei: So erlebte der Party-Veranstalter den Abend

Auch die Polizei kann derzeit noch nichts über die Motive sagen, die Ermittlungen der Bad Wörishofer Polizei laufen gerade erst an. Polizeichef Thomas Maier will demnächst ein klärendes Gespräch mit den Verantwortlichen des Trägervereins führen und die Ereignisse aufarbeiten. Dem Polizeichef tun die Verantwortlichen des Juze-Vereins auch etwas leid: „Es gibt keine Hinweise, dass die Veranstalter grundsätzlich etwas falsch gemacht haben. Vielleicht wurde die Situation falsch eingeschätzt und man hätte die Polizei noch früher alarmieren sollen“, betont Maier.

Wie berichtet, eskalierte die „Two-Area-Party“ mit zwei DJs am vergangenen Samstag: Gegen Mitternacht gingen mindestens zehn Partygäste vor dem Jugendzentrum aufeinander los, so das Polizeipräsidium Schwaben-West. Ein junger Mann wurde demnach bewusstlos geprügelt und ein zweiter ebenfalls schwerer verletzt. Beide wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Laut Felix Baumann, dem Schriftführer des Jugend- und Brauchtumsvereins, war es aber wohl schon im Juze zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen.

Immer wieder schafft es eine Handvoll gewaltbereiter und/oder besoffener Idioten, alles kaputt zu machen: Party-Notbremse trifft (leider) die Falschen

Der Sicherheitsdienst, ohne den der Verein schon seit längerem keine Party mehr veranstaltet, sei dann jedoch eingeschritten und habe die Gäste gebeten, das Juze zu verlassen. Dass sie ihren Streit draußen fortsetzten, habe zunächst niemand bemerkt.

Beamte der Polizeiinspektionen Bad Wörishofen und Mindelheim beendeten die Handgreiflichkeiten schließlich, hatten aber auch danach noch alle Hände voll zu tun. Nachdem sich die Wogen geglättet hatten, sei es im Juze nämlich erneut zu einem tätlichen Angriff gekommen: Ein 32-Jähriger habe demnach versucht, die Sicherheitskräfte mit einer Glasflasche zu bewerfen. Zwar traf er niemanden, trotzdem wird gegen ihn nun wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Eine weitere Anzeige erwartet einen 24-Jährigen, der auf dem Fahrrad unterwegs war und den Polizisten wegen seiner unsicheren Fahrweise auffiel. Wie sich herausstellte, hatte er über zwei Promille Alkohol intus. Deutlich zu tief ins Glas geschaut hatte schließlich auch eine 24-Jährige, die noch zu ihrem Auto torkelte, dort aber bewusstlos zusammenbrach und vom Rettungsdienst ebenfalls ins Krankenhaus gebracht wurde. Weil laut Polizei Alkohol in allen Fällen eine große Rolle spielte, wird nun für jede der beteiligten Personen ein Bericht an die Führerscheinstelle verfasst.

Die Veranstalter, die am Sonntag noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren, bedauern die Vorfälle zutiefst.

Um das Juze, das größte seiner Art in der Region, unterhalten zu können, veranstaltet der Jugend- und Brauchtumsverein durchschnittlich zehn Partys pro Jahr. Dabei habe es noch nie Zwischenfälle in diesem Ausmaß gegeben.

Für die JuZe-Verantwortlichen ist die Party am Samstag "zu 99 Prozent friedlich verlaufen"

Gleichzeitig betont der Verein auch, dass die Party „zu 99 Prozent friedlich abgelaufen“ sei und alle Auflagen bezüglich Jugendschutz und Sperrstunde eingehalten worden seien. „Wir können nicht mehr tun“, so Baumann, der auch um das Image seines Vereins fürchtet.

Jetzt nahm der Vorstand des Jugend- und Brauchtumsvereins erneut öffentlich Stellung und bedankt sich dabei ausdrücklich bei „allen Helfern des Vereins, dem Sicherheitspersonal, der Polizei und den Sanitätern für Euren Einsatz, sowie allen Gästen für’s Kommen“.

Gleichzeitig bitten die JuZe-Verantwortlichen aber auch um Verständnis, dass „wir aufgrund des beherrschenden Themas (Schlägerei), sowie des erhöhten Polizeiaufkommens uns das Recht genommen haben, die Party vorzeitig zu beenden“. In der Stellungnahme heißt es weiter: „Leider konnten wir als Veranstalter die Ereignisse nicht verhindern, auch wenn wir präventiv bei den Vorbereitungen zur Party an Sicherheits- und Schutzmaßnahmen gedacht haben“.

Neben einem externen Sicherheitsanbieter habe der Verein für die Einhaltung des Jugendschutzes ebenso gesorgt wie für die Einhaltung der zusätzlichen Auflagen der Gemeinde.

Mit Ausnahme der Massenschlägerei, die aus Sicht der Juze-Verantwortlichen von einzelnen Berichterstattern „sehr überspitzt“ dargestellt werde, sei die Party „friedlich“ verlaufen. Ein Indiz hierfür ist aus Sicht des Jugend- und Brauchtumsvereins, dass nur die wenigsten von einer Schlägerei etwas mitbekommen hätten.

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