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Tourismus

30.03.2013

„Es gab Nachholbedarf“

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Der neue Barfußpfad im Kurpark von Bad Wörishofen war ein großer Erfolg. Die Stadt wirbt mittlerweile bundesweit mit dem Slogan „Unten ohne“. Kurdirektor Horst Graf will das Thema weiter bearbeiten und denkt an einen Barfußgolftag.
Bild: Stadt

Horst Graf ist seit einem Jahr Kurdirektor. „Kneipp in motion“ hat er verbannt, jetzt wird der Internetauftritt der Stadt erneuert. Die oft kritisierte Online-Buchbarkeit soll endlich verbessert werden

Bad Wörishofen Nach einigen Turbulenzen hat Bad Wörishofen vor einem Jahr einen neuen Kurdirektor gefunden. Horst Graf, 50, ist seit dem 1. April 2012 im Amt. Zwischenzeitlich hat er auch die Geschäftsführung der Stadtmarketing GmbH übernommen. Die Erwartungen an ihn sind groß, nicht nur wegen der Umstrukturierung der Kurverwaltung zum Eigenbetrieb. Eine erste Bilanz.

Herr Graf, wie ist das erste Jahr als Kurdirektor gelaufen?

Horst Graf: Ich bin sehr zufrieden. Ich hoffe man merkt, dass ein neuer Geist ins Haus eingezogen ist.

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Wie ist der Kontakt zu den Hoteliers der Stadt?

Graf: Ich bin leider nicht ganz rumgekommen. Allerdings wurde mir viel Wohlwollen entgegengebracht. Viele Hoteliers haben mich bereits eingeladen, das fand ich gut. Ich habe viel konstruktive Kritik bekommen und viel aufgenommen. Es geht darum, den Ort gemeinsam voranzubringen. Mit dem Aufsichtsrat der Stadtmarketing GmbH ist die Zusammenarbeit sehr gut.

Manche Hoteliers wären gern besser darüber informiert, was der neue Kurdirektor ändert und plant. Es dringe zu wenig nach außen, hört man oft ...

Graf: Wir müssen unsere Arbeit transparenter machen, das stimmt. Zumal wir in diesem ersten Jahr viel geschafft haben, aber wenig Zeit hatten für das Innenmarketing.

Bitte nennen Sie ein Beispiel.

Graf: Es war erst einmal wichtig, unsere eigene Identität zu finden. Eine Marke muss in einem einheitlichen Erscheinungsbild vermarktet werden. Dafür haben wir viel Zeit und Kraft eingesetzt.

Die wichtigsten Werbemittel kommen nun also in einheitlicher Optik daher. War das wirklich so wichtig?

Graf: Eindeutig, da gab es Nachholbedarf bei den Grundlagen, da wurde einiges vernachlässigt. Wir haben außerdem unsere Gästeansprache verbessert. Die Sprache ist Deutsch. Slogans wie ’Kneipp in motion’ wird es nicht mehr geben. Das gleiche gilt für Menschen von außen, die man holt, um Geschichten über uns zu erzählen. Wir müssen unsere Geschichten selbst erzählen. Wir haben jetzt erst einmal das Fundament geschaffen. In einem nächsten Schritt werden wir unsere digitalen Vermarktungsmöglichkeiten besser nutzen. Beinahe jeder 50-Jährige läuft heute mit einem Smartphone herum. Da ergibt sich ein ganz anderes Informationsbedürfnis für die Zukunft.

Muss dazu nicht vor allem die Online-Buchbarkeit der Hotels über die Website der Stadt verbessert werden? Das aktuelle Angebot ist doch Augenwischerei. Nach der Zimmerabfrage kann der Nutzer nicht buchen, sondern muss eine E-Mail an den Vermieter schreiben. Außerdem ist nur ein kleiner Teil der Hotels überhaupt verfügbar.

Graf: Das ist leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Wir werden deshalb den Internetauftritt noch in diesem Jahr völlig neu gestalten. Das wird ein großer Umbruch. Wir können dann zum Beispiel zwei Websites anbieten, für Aufrufe vom Tagesgast und vom Übernachtungsgast. Das System erkennt dies aufgrund der IP-Adresse automatisch. Nutzer können außerdem ihre eigenen Beiträge auf der Seite der Stadt veröffentlichen, Urlaubserinnerungen beispielsweise. In dem neuen Angebot wird dann auch ein neues und zeitgemäßes Buchungssystem enthalten sein. Ob das System ein Erfolg wird, hängt allerdings auch von der Bereitschaft der Hoteliers ab, sich daran zu beteiligen.

Was tut sich beim Angebot für die Gäste in der Stadt selbst?

Graf: Wir müssen uns frischer aufstellen, die Kernkompetenz beibehalten, vieles neu gestalten. Der Barfußweg ist ein gutes Beispiel; das Thema wollen wir vielschichtig anwenden. Wir werben derzeit im Rahmen von Pauschalprogrammen bundesweit mit dem Slogan „Unten ohne“, das erregt viel Aufmerksamkeit. Denkbar wäre in der Folge beispielsweise ein Barfußgolftag. Wir überlegen außerdem, den Kurpark für Familien mit Kindern attraktiver zu gestalten. Außerdem wollen wir die Gästeinformation im Kurhaus sukzessive modernisieren. Derzeit sind wir in der Findungsphase. In zwei bis drei Jahren soll es abgeschlossen sein. Ein großer Umbau kommt allerdings nicht infrage.

Sie hatten eine Attraktion für die Monate Oktober und November angekündigt, als Ersatz für Flieges Wörishofer Herbst. Was ist denn nun geplant?

Graf: Als Ersatz für die große Veranstaltung im Herbst zeichnet sich mittlerweile eine Lösung ab. Wir würden mit dem gleichen Veranstalter zusammenarbeiten, der auch den Wörishofer Herbst gemanagt hat, jedoch mit einer anderen bekannten Persönlichkeit. Das Konzept – Thema Kneipp – wird derzeit ausgearbeitet und hoffentlich noch im April der Vertrag zustande kommen.

Was wird aus der Kneippwelt, die einst als Leuchtturmprojekt für die Stadt angekündigt wurde?

Graf: Seit etwa drei Monaten läuft intensiv die Suche nach Sponsoren intensiv. Ein Modell des Gebäudes wurde erstellt, außerdem eine neue Präsentation. Der Einstieg ist ab 50000 Euro möglich, wer Hauptsponsor werden will, muss 500000 Euro bringen. Es gibt aber auch die Möglichkeit für Patenschaften oder private Sponsorentätigkeit. Sobald ein Sponsor gefunden wurde, wird die Thematik weiter im Stadtrat behandelt. Bislang haben wir rund 30000 Euro ausgegeben, die Hälfte davon waren Fördermittel. Ich denke, wir haben da gute Chancen. Ich stehe hinter diesem Projekt. Damit könnte man Kneipp ein zweites Denkmal setzen.

Was wurde aus den Überlegungen, dass die Kurverwaltung künftig praktisch selbst als Reisebüro auftritt und eigene Pauschalen anbietet?

Graf: Ein Projekt, das gut durchdacht werden muss und sicht letztlich nur dann rechnet, wenn dadurch zusätzliche Einnahmen generiert werden.

Könnten Sie es mit dem vorhandenen Personal stemmen? Sie haben ja bereits mehr Leute als beispielsweise Ihr Vorvorgänger Alexander von Hohenegg ...

Graf: Der Personalstand ist nicht gewachsen. Die beiden Neueinstellungen in der Service und Marketing GmbH waren der Ersatz für die Mitarbeiter, welche einst die Bayern Tourismus Marketing gestellt hatte. Bei der Stadtmarketing GmbH sind fünf Personen beschäftigt, davon drei in Teilzeit am Infopoint der Therme. Die Kurverwaltung hat etwa 50 Beschäftigte, meist Teilzeitkräfte. Zusammen mit der Stadtgärtnerei sind es 75 Angestellte, die mit mir arbeiten.

Sie haben die Zuständigkeiten innerhalb der Kurverwaltung überarbeitet. Wie ist nun die Aufgabenteilung?

Graf: Mein Stellvertreter Werner Büchele ist für die allgemeine Verwaltung nebst Grundstücks- und Gebäudemanagement und Kneipp-Museum verantwortlich, Anna Schluifelder für das Veranstaltungsmanagement und die regionale Pressearbeit, Regina Habigt für die Touristinformation. Cathrin Bochen leitet das Marketing und die überregionale Pressearbeit. Nun folgt noch der Umbau der Kurverwaltung zum städtischen Eigenbetrieb.

Wie entwickelt sich die Stadtmarketing GmbH und warum dauert es derart lange, bis die Umstrukturierung der Kurverwaltung vollzogen ist?

Graf: Die Stadtmarketing GmbH entwickelt sich gut und hat seit diesem Monat erstmals mehr als 100 Vertragspartner. Für den Eigenbetrieb wird zum 1. Juli ein Buchhalter eingestellt, der den Probebetrieb simulieren soll, der im Herbst beginnt. Den Vollbetrieb können wir dann aufnehmen, wenn seitens des städtischen Haushalts die Jahresprüfungen vorliegen, die für eine Eröffnungsbilanz notwendig sind. Daran wird mit Hochdruck gearbeitet.

Eine letzte Frage: Kürzlich wurde Kritik am Callcenter laut, das die Kurverwaltung beauftragt hat. Dort kannte man nicht einmal den Bürgermeister, als der in der Leitung war ...

Graf: Das ist eine nette Anekdote. Das Callcenter ist für uns nach den Schließzeiten bis 20 Uhr und an den Wochenenden tätig, als zusätzliche Serviceleistung für den Gast. Die Leute dort sind sehr gut gebrieft und schon lange dabei. Ich sehe da kein Problem.

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