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Brauchtum

14.06.2017

Festlicher Umgang unter prächtigem Himmel

Das Hochfest Fronleichnam beschließt die Reihe der katholischen Frühlingsfeste. Vor rund 700 Jahren wurde es erstmals gefeiert

Wenn morgen in unseren katholischen Kirchen und Pfarrgemeinden „Fonleichnam“ gefeiert wird, dann setzt sich damit eine lange und alte Tradition fort. Auch im Unterallgäu, wird dieser Festtag von alters her mit farbiger Gläubigkeit begangen. Im Mittelpunkt des Tages stehen die Fronleichnamsprozessionen in vielen Gemeinden.

Das frühest nachweisbare Fronleichnamsfest in Bayern und in ganz Süddeutschland wurde vor über 700 Jahren im damaligen Benediktinerkloster Benediktbeuern begangen. Anno 1264 führte Papst Urban IV. dann Fronleichnam als Festtag für die Gesamtkirche ein. Es entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte zu einem katholischen Hochfest zur Verehrung des eucharistischen Brotes, in dem nach der Glaubensauffassung Christus gegenwärtig ist. Im Kirchenjahr fällt das Fronleichnamsfest stets auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Es schließt damit den Reigen der zahlreichen Frühlingsfeste ab. In Bayern war der Boden durch die uralten kirchlichen Bittgänge und Flurprozessionen für die Aufnahme des neuen Festes seinerzeit gut vorbereitet. Vom späten Mittelalter ausgehend bildete sich vor allem im bayerischen Barock und in der Rokokozeit ein großer Formenreichtum heraus. Dieser wirkt noch bis heute nach, auch wenn seit der Liturgiereform eine gewisse Vereinfachung eingetreten und manches bei der Gestaltung nüchterner geworden ist.

Mittlerweile lässt sich aber durchaus eine Wiederbelebung überlieferten Brauchtums beobachten, bei dem Sakrales und Profanes eine Verbindung eingehen. Volkstümlich wird die Prozession, die durch die Straßen zieht, auch als „Umgang“ bezeichnet. Der „Leib des Herrn“, was das Wort „Fronleichnam“ bedeutet, wird von einem Geistlichen in einer großen Monstranz unter einem Baldachin, den man bei uns „Himmel“ nennt, mitgetragen. Es wird an vier schön geschmückten Altären, welche die vier Himmelsrichtungen symbolisieren, angehalten und gebetet. Dort erteilt der Pfarrer mit der Monstranz jeweils den Wettersegen. Viele Ministranten, Kreuze, Laternen, Kirchenfahnen und Vereinsfahnen bestimmen das Bild. Glockengeläute, Musik der Blaskapelle, Gesänge und Gebete verleihen dem Umgang einen feierlichen, erhebenden Charakter. Die Gläubigen aus der Gemeinde tragen meist Sonntagsstaat, die Kommunionkinder begleiten den Zug in ihrer Kommunionkleidung und kleine Kinder streuen Blumen auf den Weg. Der Brauch, auf dem gesamten Prozessionsweg einen Grasteppich auszulegen, hat sich nur noch in wenigen Gemeinden, so zum Beispiel in Egelhofen, erhalten. Vormals war es auch eine Selbstverständlichkeit, dass sich der Stadt- oder Gemeinderat als Vertreter der Bürgerschaft geschlossen am Umzug beteiligte. Die Häuser am Prozessionsweg werden mit roten Tüchern, Kirchenfahnen, Blumen und Birkenzweigen geschmückt. Allerdings hat sich dies vielerorts im Zuge der Säkularisierung und der Verfremdung sichtlich zurückgebildet. Die vier Altäre werden traditionell meist von privaten Anliegern liebevoll geschmückt und blumenreich gestaltet. Dies ist ein besonderer, aber auch aufwendiger Beitrag für den „Umgang“, der häufig seit Generationen „auf dem Haus“ ist. Die Prozession endet in der Kirche, die zum Fronleichnamstag mit jungen grünenden Birken ausgeschmückt wird. Viele Gläubige nehmen nach dem Schlusssegen Birkenzweige mit nach Hause.

Auch wenn während des Umgangs nicht immer nur gebetet oder gesungen, sondern gelegentlich auch „geratscht“ wird, so ist die Fronleichnamsprozession doch eine beeindruckende Demonstration des Glaubens und ein farbenfrohes, öffentliches Bekenntnis einer Gemeinde. In großen Städten, wie zum Beispiel in München oder Augsburg, gehen nicht nur viele hunderte Gläubige, Vereine, Delegationen und „Offizielle“ beim Umzug mit, sondern es säumen auch Tausende schauend und mitbetend den Prozessionsweg. In mancher See-Gemeinde, so zum Beispiel am Staffelsee, ist die Fronleichnamsprozession per Schiffen über den See sogar eine Touristenattraktion.

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