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Haselbach
09.08.2019

Ein Grob-Flugzeug und seine kleine Kopie

Das Flugmodell und das Original des Grob-Aircraft-Fliegers.
2 Bilder
Das Flugmodell und das Original des Grob-Aircraft-Fliegers.
Foto: Karl Kleiber

Bertram Ostermeier hat ein Flugzeug der Mattsieser Firma Grob Aircraft originalgetreu nachgebaut. Ganz zufrieden ist er damit immer noch nicht.

Ein Modellbauer ist niemals fertig und nach dem fertigen Projekt ist vor dem neuen Projekt. So lautet das Motto von Bertram Ostermeier aus Türkheim, der gerade sein neuestes Modell vorgestellt hat. Es handelt sich um einen originalgetreuen Nachbau der kunstflugtauglichen Grob G115 EG im Maßstab 1:3 mit 3,4 Metern Spannweite, einem 112 Kubikzentimeter Vier-Zylinder-Motor und allen Primär-Funktionen des Originals.

Man muss schon viel Ehrgeiz und Enthusiasmus mitbringen, um so ein Projekt in Angriff zu nehmen und es auch zu realisieren. Denn jedes einzelne Bauteil des Modells muss speziell angefertigt werden, da es hier nichts zu kaufen gibt. Aber für den gebürtigen Haselbacher Ostermeier spielt die Zeit keine Rolle, sagt der 40-Jährige, und so gilt sein Augenmerk der Leicht-Bauweise mit Glas- und Kohlefaser und der größtmöglichen Detailtreue. Zum Flugmodellbau und Modellfliegen kam der Hobbybastler durch seinen Vater Franz, der ihn 1980 schon als fünfjährigen Bub mit auf die Flugplätze nahm. Der „Flieger-Virus“ hat ihn dort schon in jungen Jahren befallen.

Nach zehn Flügen landete Bertram Ostermeier zum ersten Mal - und es gelang

„Mit neun Jahren hat mir mein Vater dann das erste Anfänger-Flugmodell gebaut und auf Anhieb konnte ich das Modell in der Luft halten. Nach etwa zehn Flügen habe ich dann schon mit Vaters Hilfestellung die erste Landung ausprobiert, die auch gelang.“ Nach und nach wurden Ostermeiers Flüge und Landungen immer sicherer und bald durfte er auch Vaters teure Groß-Modelle fliegen.

Die Modell-Fliegerei bei OFB (Ostermeier-Flugzeugbau) wurde immer professioneller, die Modelle entstanden nach selbst angefertigten Zeichnungen, Bauunterlagen sowie vergrößerten Drei-Seiten-Ansichten. Es wurden, was dem Modellbauer wichtig erscheint, hauptsächlich Flieger nachgebaut, die es in dieser Größe und Bauausführung so noch nicht gab.

„Einen Riesen-Aufschwung hat es gegeben, als ich mein Hobby gewissermaßen zum Beruf gemacht habe“, erzählt Ostermeier. „Denn nach meiner Aus- und Weiterbildung konnte ich 2012 am Werks-Flugplatz bei Grob Aircraft bei Mattsies beruflich starten und im Bereich der bemannten Luftfahrt noch viel dazulernen, was mich natürlich im Modellbau auch ein großes Stück voranbrachte.“

Er baute die Grob G115 EG nach, die in Mattsies steht

„So kam ich auf die Idee, getrieben von der Suche nach einem weiteren Original als Vorbild, ein Modell von einem Grob-Flugzeug nachzubauen, das wir im Werk haben.“ Die Wahl fiel auf die Grob G115 EG. Der Flieger wollte auch ein Modell zum Trainieren sowie für Allzweck-Einsätze erhalten.

So ging er vor vier Jahren in seiner Freizeit ans Werk und baute ein Urmodell und Formen von der G115, sowie eine fliegende Zelle mit allen Details und den genauen Abmessungen des Originals. Viele Zeichnungen mussten angeschaut, alle Maße und Auslegungen auf den Maßstab umgerechnet sowie viele Fotos gemacht und Messarbeiten am Originalflieger vorgenommen werden. Nach gut 2800 Baustunden und unzähligen Abenden in der Hobby-Werkstatt in Haselbach, in denen Ostermeiers Frau Johanna auf ihren Mann verzichteten musste, war es kürzlich soweit: Die Maschine wurde auf einem eigens dafür gebauten Transportwagen mit Ladeschlitten nach Mattsies gefahren und neben das Original gestellt. „Nur so kann man feststellen, wie groß die Detailtreue und Genauigkeit des Modells im Vergleich zum Original ist“, sagt Ostermeier. Der Erbauer geht dabei mit sich hart ins Gericht: „Das Flugmodell muss so präzise gebaut und detailliert sein, dass es den Vergleich zum Original nicht scheuen darf.“

Noch immer findet er kleine Fehler zwischen dem Grob-Aircraft-Flieger und seinem Modell

Die Unstimmigkeiten kommen dabei in den verschiedenen Foto-Positionen vor dem Original auf und eifrig geht es nach dem Foto-Shooting ans Tüfteln, um die letzte Präzision zu erhalten. „Jammern auf hohem Niveau nennt man das, aber das ist nun mal das i-Tüpfelchen im Modellbau“, so Ostermeier. Der nächste Schritt ist nun, das Modell zum Fliegen vorzubereiten. Alles muss ausgereift sein, um einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten.

Erstmals öffentlich ausgestellt wird Bertram Ostermeiers Nachbau der Grob G115 EG auf der Fachmesse „Faszination Modellbau“ in Friedrichshafen, die vom 1. bis 3. November stattfindet.

Lesen Sie auch: 100 Jobs fallen beim Flugzeugbauer Grob Aircraft weg

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