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Bad Wörishofen

15.11.2019

Heilbad verliert weitere Kurbetriebe

In Bad Wörishofen geht die Zahl der Hotelbetten weiter zurück. Im vergangenen Jahr schlossen gleich 12 Betriebe.
Foto: obe/dpa

Plus Kurdirektorin Petra Nocker zeigt die Folgen des Rückgangs auf und nennt Beispiele, wie andere Orte mit diesem Problem umgehen.

Die Kurstadt Bad Wörishofen hat im Jahr 2018 zwölf Beherbergungsbetriebe verloren und damit 358 Betten. Das geht aus Zahlen hervor, die Kurdirektorin Petra Nocker nun vorlegte. Dieser Umstand sei „eine Besonderheit“, sagte Nocker, das, obwohl Bad Wörishofen seit Jahren Kurbetriebe und damit Gästebetten verliert. Zum Vergleich: 2001 gab es in Bad Wörishofen 6452 Gästebetten. Heuer sind es noch 3657 in 123 Betrieben. Füssen hält zum Beispiel 5143 Gästebetten vor, Oberstdorf 9767, Bad Aibling 1596.

„Der Rückgang des Bettenangebotes ist Thema in vielen Kurorten“, berichtete Nocker. Sie zeigte auch auf, wie andere Orte mit dieser Entwicklung umgehen. Bad Hindelang etwa habe mit den „Alpennestern“ ein eigenes Bettenangebot geschaffen. Bad Salzuflen wiederum habe den Kurpark eingezäunt und verlange dort nun Eintritt. Sie sage dies, damit man sich auch in Bad Wörishofen mit dem Umgang mit dem Bettenrückgang befasst, sagte Nocker im Kurausschuss. Ebenfalls zeigte sie die Bedeutung eines Reha-Klinischen Bettenangebotes in anderen Kurorten auf. In Bad Aibling liege der Anteil bei 26 Prozent, in Füssen bei 13,7, in Oberstdorf bei etwa 6,7 Prozent. In Bad Aibling generieren diese Betten allerdings 42 Prozent der Übernachtungen, in Füssen 15,7, in Oberstdorf 9,5 Prozent. Bad Wörishofen dagegen wartet mit einem Bettenanteil von 4,7 Prozent auf. Diese Betten bringen rund 9 Prozent der Übernachtungen.

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Dass klassische und von der Kasse bezahlte Kuraufenthalte in Bad Wörishofen kaum noch eine Rolle spielen, zeigte Nocker zudem auf. Diese Maßnahmen nach Paragraf 23 gab es 2018 nur noch in 677 Fällen. Gemessen am Gesamtanteil in Bayerns Heilbädern sei das aber immer noch ein ordentlicher Wert. Privat bezahlte Kneippkuren gab es in 4288 Fällen, Reha-Aufenthalte in 2638 Fällen.

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Spitzenreiter bei den Gästen waren 2018 ein bis drei Nächte in Bad Wörishofen mit Kneipp-Schnupperangeboten, Therme, Veranstaltungen oder Wellness. Das ergab 86.945 Fälle oder 61,5 Prozent der 141.347 Gästeankünfte. Es folgten Aufenthalte mit vier bis 20 Übernachtungen und Kneipp-Wochenkuren, Radeln, Wandern, Erholung oder Kursen. Das ergab 46.799 Fälle oder 33,1 Prozent der Gästeankünfte. Nocker berichtete, man sehe „schöne Zuwächse“ bei Hotels mit mehr als 100 Betten. Durch die Betriebsabmeldungen steht für 2018 unter dem Strich aber ein Mimus von 5,19 Prozent bei den Übernachtungen und ein Minus von 3,11 Prozent bei den Gästeankünften. Zum Ende des vergangenen Jahres hatte unter anderem das Kneippianum seinen Betrieb eingestellt.

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Nimmt man diese Betriebe aus dem Jahresvergleich heraus, ergebe sich in beiden Bereichen ein Plus, berichtete Nocker. Die verbleibenden Betriebe haben demnach 2,35 Prozent mehr Gäste und 2,07 Prozent mehr Übernachtungen verzeichnet. „Die Rückgänge bei den Übernachtungen sind allein den Hausschließungen geschuldet, nichts anderem“, berichtete Martin Steinle, der als Vertreter der Hoteliers im Kurausschuss sitzt. Die Gäste kämen auch wegen des Skyline Parks und der Therme nach Bad Wörishofen, deshalb gebe es auch vermehrt Kurzzeitgäste. „Leider geht unser Kerngeschäft zurück“, berichtete Steinle. Die Hoteliers wünschen sich deshalb, dass die Stadt mehr Geld für Werbung ausgibt. Für heuer rechnet Nocker wieder mit über 150.000 Gästen.

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