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Ausstellung

13.03.2015

Holzskulpturen wie aus Samt

Die Holzköpfe von Mareike Lemke sind aus dem ganzen Stamm gehauen und entstehen ohne Vorlage während des Arbeitsprozesses.
Bild: tisch

Auf Schloss Kirchheim sind Arbeiten von Gertrud Nein und Mareike Lemke zu sehen

Zwei völlig unterschiedliche Künstlerinnen wurden bei der Vernissage auf Schloss Kirchheim präsentiert. Zum einen öffnete Fürstin Angela Fugger von Glött die Tore zu ihrem Innenhof, in welchem Tierskulpturen der 2012 verstorbenen Gertrud Nein zu sehen sind. Nein, die eine Freundin der Fürstin war, gestaltete ihre Tiere mit solch liebevoller Leichtigkeit und Beweglichkeit, dass man eigentlich jederzeit mit einer Regung rechnet, mit einem Bellen, Rennen, Schnuppern oder Gähnen. Ob nun jene am Brunnen vor dem Forum oder eben jene im Innenhof des Kirchheimer Schlosses, etwa der Hase und der Schwan oder das ruhende, namibische Hängeohrschaf. Allen ist diese Lebendigkeit zu eigen, und dabei auch eine Wehmut, als wüssten sie, dass sie auf ewig in diese schlichte Schönheit gebannt sind. Man möchte sie alle berühren.

Hierin liegt eine Gemeinsamkeit zur nächsten Künstlerin, Mareike Lemke. Von ihr sind bis 29. März im Zedernsaal Holzarbeiten zu sehen. Lemke war durch einen Unfall gezwungen, sich Gedanken über ihren weiteren Lebensweg zu machen. Dass sie dies am Bodensee tat, war ein Glücksfall, denn inspiriert von Treibholz beschloss sie, sich der Holzbildhauerei zu widmen. Während einer vierjährigen Ausbildung in der Schnitzschule Elbigenalp (Tirol) erlernte sie das Handwerk.

Das Handwerk ist die eine Seite, die andere ist ihr besonderer Blick, in welchem sich bisweilen leiser Humor entfaltet, der den Betrachter schnell zum Schmunzeln bringt. Da windet sich eine Schnecke über eine Kugel aus zahlreichen Schneckenhäusern – Titel des Objektes: „Reihenhaussiedlung“. Die Skulpturen vermitteln eine große Vertrautheit zwischen Lemke und ihren Objekten. Ihre Holzköpfe sind aus dem ganzen Stamm gehauen und entstehen ohne Vorlage während des Arbeitsprozesses, als wären sie dem Holz bereits eingeschrieben gewesen und Lemke hätte sie freigelegt. Diese Gesichter sind von einer solchen Glattheit, dass man glaubt, Samt zu berühren.

Besonders faszinierend auch „halb nackt“: Eine Frau, von der nur die untere Körperhälfte zu sehen ist. Holz zart wie Samt, zudem aber sind Füße und Zehen derart feingliedrig, dass man sie für modelliert halten muss und versucht ist, sie vorsichtig anzutippen. Die zarten Töne des Gitarrenduos Saitenspuren schmiegten sich wunderbar an diesen Spaziergang durch die filigranen Arbeiten Lemkes. (tisch)

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