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Breitenbrunn

14.02.2020

Im Walzerschritt ins Liebesglück

Tanzen verbindet! Diese Aussage können Ulrike und Volker Peitsch nur bestätigen. Sie lernten sich über eine Tanzschule kennen und lieben. Glück, Zufall und Fügung spielten dabei eine entscheidende Rolle.
Bild: Lippl

Plus Dass sich Ulrike und Volker Peitsch gefunden und behalten haben, war nicht abzusehen. Eine Geschichte über die Liebe, Zufälle – und einen Umzug nach Breitenbrunn.

Ulrike Peitsch glaubt nicht, dass es der Zufall war, der ihr Leben so grundlegend verändert hat. „Es gibt keine Zufälle“, sagt die 55-Jährige. „Nur Fügung – und das war sicher eine.“ Wäre alles glatt gelaufen am 13. September 2007, dann säße sie heute nicht hier, in ihrem Wohnzimmer im neu gebauten Haus in Breitenbrunn, zusammen mit ihrem Mann Volker, den sie in jenem Herbst vor zwölfeinhalb Jahren in Köln kennengelernt hat.

Nachdem damals beruflich wieder ein wenig Ruhe bei ihr eingekehrt war, wollte die Heilpraktikerin und einstige Turniertänzerin wieder mit ihrem Hobby beginnen – aber bloß nicht in einem Single-Tanzkurs! Also durchforstete die Kölnerin die Internet-Tanzpartnerbörse einer örtlichen Tanzschule, auch wenn sie diese eigentlich gar nicht besuchen wollte. „Ich habe mir gedacht: Kuckste halt mal“, sagt sie heute und grinst. Ganz oben stand gleich der perfekte Tanzpartner: 43 Jahre alt, 1,87 Meter groß, Tanzlevel Bronze. „Super, das klingt gut“, dachte sie sich und schrieb den Unbekannten an.

Wenige Minuten waren für das Liebesglück von Ulrike und Volker Peitsch aus Breitenbrunn entscheidend

Der hatte gerade die Tanzschule gebeten, seine Annonce wieder zu löschen. Es hatten sich zwar viele tanzwillige Frauen gemeldet, doch das Probetanzen war jedes Mal ein Frusterlebnis gewesen, weil es irgendwie nie gepasst hatte. An jenem 13. September 2007 kontaktierte also Volker Peitsch die Tanzschule, damit sein Gesuch gelöscht wird – was normalerweise unverzüglich der Fall ist. Nur an diesem Tag offenbar nicht. „Diese kurze Verzögerung hat es uns möglich gemacht, uns kennenzulernen“, sagt Ulrike Peitsch, die heute seine Frau ist. „Ich bin gerade in der kurzen Zeit zwischen Antrag auf Löschung der Anzeige und der tatsächlichen Löschung auf diese Seite gegangen. Da können Minuten entscheidend gewesen sein!“

Im Walzerschritt ins Liebesglück

Trotz seiner mehrfachen Fehlversuche wagte es der Sachverständige für Unfallrekonstruktion noch einmal und vereinbarte ein Treffen mit der nächsten potenziellen Tanzpartnerin – doch fast hätte er einen Rückzieher gemacht: Vor Ort, am Treffpunkt, traute er sich erst nicht, Ulrike anzusprechen; so, wie sie mit ihren kurzen Haaren und der Sonnenbrille da an der Bar saß. Dass sie unter einer Augenkrankheit leidet, wusste er da noch nicht. Er war schwer beeindruckt von dieser coolen Frau, wie er heute sagt. „Traust du dich?“, hatte er sich selbst gefragt – und seine Frage mit „Ja“ geantwortet. Zum Glück. Der Abend wurde sehr unterhaltsam und nach einem Cocktail war klar: Die beiden wollten es miteinander versuchen. Natürlich nur auf dem Tanzparkett.

Der Langsame Walzer spielte eine wichtige Rolle - und ist der Lieblingstanz der beiden Breitenbrunner geblieben

Wie sich beim Probetanzen schnell herausstellte, stimmte es von der ersten Sekunde an – und das, obwohl beide aus unterschiedlichen Tanzschulen kamen, unterschiedliche Figuren konnten und Ulrike Peitsch zuletzt vor 20 Jahren getanzt hatte. „Aber er kann auch gut führen“, sagt sie heute, lächelt ihrem Volker zu und streicht ihm über das Knie. „Das lässt er sich auch nicht aus der Hand nehmen.“ Ihr erster gemeinsamer Tanz, der Langsame Walzer, ist bis heute der Lieblingstanz der beiden geblieben.

Schon bald wurde mehr daraus: „Ich weiß ganz genau, wann es gefunkt hat“, sagt Ulrike Peitsch und strahlt. Es war ein Samstag im Oktober 2007, beide hatten sich schon mehrfach getroffen und gemeinsame Interessen ausgemacht. Nach einem Abendessen beim Italiener ging es wieder mal zum Tanzen. Und wieder war es der Langsame Walzer, der eine wichtige Rolle spielte. „Volker hat mich mit einem Handkuss auf die Tanzfläche geführt“, erinnert sich Ulrike Peitsch. „Da war ich hin und weg!“

Nur kurze Zeit später fragt Volker Peitsch sie, ob sie Opern möge und auch keine Flugangst habe – er wollte sie nach Prag in die Oper einladen. Er versicherte ihr: „Du kannst auch ein Einzelzimmer haben.“ Seine Tanzpartnerin Ulrike brauchte Bedenkzeit, fragte eine Freundin, die ihr riet: „Sei mutig! Wenn es ganz schlimm wird, fliegst du halt wieder zurück!“ Fünf Tage verbrachten die damaligen Mittvierziger in Prag, sahen sich die Stadt an, aber auch Nabucco, Schwanensee und die Zauberflöte, Ulrikes Lieblingsoper. Und, was muss man noch sagen? „Wir hatten keine getrennten Zimmer“, sagt Ulrike Peitsch heute und lacht laut.

Nach einer Trennung kam das Paar aus Breitenbrunn wieder zusammen

2009 war ein schwieriges Jahr für die beiden: Sie trennten sich im Februar, nachdem sich andere in ihre Beziehung eingemischt hatten. Dass er mit einer anderen, neuen Tanzpartnerin in den Urlaub fuhr, machte Ulrike trotz der Trennung „stinkesauer“. Im Herbst jedoch näherten sich beide wieder an und als Ulrike sich nach einer Besichtigung über den Dächern des Kölner Doms eine dicke Erkältung eingefangen hatte, brachte Volker sie in die Klinik. Sie wurde gesund und beide wieder ein Paar. Liebe scheint eben doch die beste Medizin zu sein.

Ein Krankenhausaufenthalt in Immenstadt war es auch, der das Leben der beiden erneut veränderte. Volker Peitsch, der regelmäßig im Allgäu Urlaub machte, wollte dieses Mal, im Herbst 2013, einen Gleitschirmkurs absolvieren. Nach ein paar Tagen rief er zu Hause an, dass es ihm nicht gut gehe. Er schaffte es gerade noch in die Klinik. Dort kippte er plötzlich um, wurde wieder aufgepäppelt. „Ich hätte nicht mal Auskunft bekommen“, sagte da Ulrike und Volker erwiderte: „Dann lass uns doch heiraten.“

Beim Heiratsantrag von Ulrike Peitsch gab es zunächst Sprachprobleme

Weil ihr dieser Antrag aber viel zu unromantisch war, beschloss die Kölnerin, selbst das Zepter in die Hand zu nehmen. Aus Teelichtern gestaltete sie im Juli 2014 ein Herz in der Hofeinfahrt und schrieb „Vuoi sposarmi?“ in die Mitte, passend zum Italienisch-Kurs, den beide gemeinsam absolviert hatten. Doch Volker war etwas ratlos, was diese italienischen Wörter nun bedeuten sollten – bis Ulrike ihm die Frage aller Fragen übersetzte. „So etwas lernt man ja auch nicht im Unterricht“, sagt er heute und muss selbst ein bisschen schmunzeln.

Schon häufig hatten die beiden ihre Urlaube im Allgäu verbracht. Als sie sich deshalb nach der Hochzeit dazu entschlossen, sich räumlich zu vergrößern, suchten sie nicht nur Häuser im Rheinland, sondern eben auch im Süden Bayerns. In einer schlaflosen Nacht machte sich Ulrike Peitsch mit dem Tablet auf die Suche nach Grundstücken – und wurde in Breitenbrunn fündig. „Das ist es“, sagte Volker Peitsch, als sie sich die Stelle vor Ort anschauten.

Seit Sommer 2019 leben sie im Unterallgäu. „Und wir sind sehr glücklich hier“, sagt Ulrike Peitsch. „Ich liebe meine Heimatstadt sehr, aber ich vermisse sie nicht.“ Regelmäßig fahren die beiden noch nach Köln, auch zum Tanzen. Inzwischen haben die Kölnerin und der Berliner aber auch hier, in Memmingen, einen Tanzkreis gefunden, in dem sie sich wohlfühlen. Der Tanzlehrer hat übrigens seine Ausbildung in einer Kölner Tanzschule gemacht ... ob das wohl ein Zufall ist?

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