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Allgäu

24.08.2020

Jagd nach schönen Bildern in den Allgäuer Alpen stört bedrohte Tiere

Wer bei Sonnenaufgang den Gipfel (hier die Zugspitze) erreicht hat, hat meist beeindruckend schöne Bilder im Gepäck. Doch die Jagd nach solchen Bildern stört bedrohte Tierarten wie das Birkhuhn.
Bild: Britta Löw

Plus Immer mehr Menschen gehen bereits früh am Morgen in die Allgäuer Berge, um Fotos eines Sonnenaufgangs zu schießen. Was viele nicht wissen: Sie verscheuchen dabei seltene Tiere.

Es ist ein beeindruckendes Bild: Links ist das Jägerdenkmal auf dem Grünten zu sehen, rechts erstreckt sich ein freier Blick auf die Berge. Knapp über den Gipfeln scheint die gerade aufgehende Sonne: „Der Wächter des Allgäus und das umliegende Gebiet sind mein absoluter Lieblingsort im Allgäu“, schreibt ein Nutzer der Plattform Instagram dazu. Ungezählte Bilder wie diese sind im Internet zu sehen. Und sie werden zu einem Problem: Denn sie ziehen weitere Fotografen an, die sich oft bei Dunkelheit auf den Weg zum Gipfel machen. Was viele dabei nicht wissen: Sie stören dabei bedrohte Tierarten, wie beispielsweise das Birkhuhn.

Der Biologe Henning Werth beobachtet diese Entwicklung kritisch. „Mit dem ersten Licht kommen auch die Birkhühner zu den Balzplätzen“, sagt Werth, der am Zentrum Naturerlebnis Alpin (ZNAlp) arbeitet.

Die Wanderer stören die Birkhühner bei der Paarung

Die Wanderer störten die Paarung der Tiere, die nur ein kurzes Zeitfenster für die Fortpflanzung haben. Ein Problem sieht der Biologie auch darin, dass bei den hochgeladenen Fotos oft die Information fehlt, dass es sich um ein geschütztes Gebiet handelt. „Da entsteht eine Eigendynamik“, sagt Werth. Es sind aber nicht nur Fotografen, die sich früh morgens auf dem Weg zum Sonnenaufgang machen. Wildcamper sind schon seit mehreren Jahren ein Problem für die Tierwelt.

Das stellt auch Rangerin Britta Löw fest. Sie ist im Sommer viel in der Natur unterwegs, um mit ihren Kollegen Birkhühner zu erfassen. Weil die Hühner oft auf oder neben den Wegen sitzen, werden sie von Wanderern gestört. „Vielen Menschen ist das einfach nicht bewusst, ich möchte ihnen gar keinen Vorwurf machen“, sagt Britta Löw. Die Rangerin sieht ihre Aufgabe darin, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren: Spreche sie Wanderer darauf an, zeigten diese nahezu immer Verständnis für den Schutz der Tiere.

Britta Löw stellt immer wieder Verstöße fest.

Birkhühner nutzen die frühen Morgenstunden für die Balz, um auf dem offenen Gelände Weibchen mit ihrem lauten Kullern anzulocken. Würden sie erst später damit beginnen, wären sie eine leichte Beute für Steinadler, erläutert Werth. Über Hotspots, also beliebte Wanderwege und Gipfel, möchte er nicht sprechen. Damit nicht noch mehr Menschen angelockt werden.

Am Riedberger Horn und am Grünten ist schon am Morgen besonders viel los

Dagegen sei bereits bekannt, dass das Riedberger Horn besonders betroffen ist. Aber auch der Grünten, sagt Werth. Dort seien schon in den frühen Morgenstunden oft bis zu 50 Wanderer unterwegs. „Am Grünten leben auch Birkhühner“, sagt Werth. Über kurz oder lang müsse man Standorte schaffen, wo beispielsweise Sonnenaufgangswanderungen möglich sind.

Laut dem Biologen sind neben den seltenen Birkhühnern auch andere Tiere wie der Schneehase betroffen: „Das sind nachtaktive Tiere. Wenn jemand zum Sonnenaufgang in der Dunkelheit mit Lampe auf einen Gipfel wandert, stört er sie.“ In dem Naturschutzgebiet der Allgäuer Hochalpen ist Wildcampen verboten.

Birkhühner stehen auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.
Bild: Britta Löw

Ein besonders beliebter Punkt war der Schrecksee. Im vergangenen Jahr kontrollierte die Polizei verstärkt diesen Bereich. Laut Landratsamt Oberallgäu wirkten diese Kontrollen: Im vergangenen Jahr wurden der Behörde nur drei Verstöße wegen wilden Zeltens beziehungsweise Biwakierens gemeldet. Im Jahr 2018 lag diese Zahl noch bei 34, sagt Stefan Bechter vom Landratsamt Oberallgäu.

Im Jahr 2019 gab es 28 Anzeigen wegen Wildcamper

Auch in den Natur- und Vogelschutzgebieten im Landkreis Ostallgäu kommt es immer wieder zu Verstößen. Laut Pressesprecher Thomas Brandl zählte die Behörde 2019 28 Anzeigen wegen Wildcamper. Häufig komme es demnach auch zu verbotenen Drohnenflügen, Lagerfeuern und hinterlassenem Abfall.

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