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08.11.2017

Junge Bewerber haben die Qual der Wahl

Handwerk, Logistik, Lebensmittelbranche – oder doch lieber Kfz-Mechaniker? Jugendliche haben heute die Qual der Wahl, wenn es darum geht, sich für eine Ausbildungsstelle zu bewerben.
Bild: Industrieblick/Fotolia.com

Es gibt deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Manche Branchen sind dabei besonders stark betroffen.

Auch in diesem Jahr ist der Ausbildungsmarkt wieder ein Bewerbermarkt. „Rein rechnerisch besteht für die gemeldeten Jugendlichen ein deutliches Überangebot an gemeldeten Lehrstellen, sodass die Chancen für einen gelungenen Einstieg in die Berufswelt sehr gut sind“, urteilt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Gleichzeitig gibt es aber auch einen Wermutstropfen: „Für bestimmte Branchen und insbesondere für kleine Betriebe wird es immer schwerer, geeignete Nachwuchskräfte zu gewinnen.“

Das Beratungsjahr der Berufsberater umfasst die Zeit von 1. Oktober bis 30. September des Folgejahres. Danach zieht die Agentur für Arbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer Bilanz. Im zu Ende gegangenen Beratungsjahr meldeten sich etwas mehr als 4600 junge Menschen bei der Allgäuer Arbeitsagentur und interessierten sich für eine Ausbildung. Das waren nahezu gleich viele wie im Vorjahr.

Etwa 70 Prozent davon haben in diesem Jahr die Schule verlassen, etwa 30 Prozent bereits in den Vorjahren. Deutlich über 80 Prozent der Interessenten um einen Ausbildungsplatz sind unter 20 Jahren. Hingegen sind auch fast vier Prozent (182) der Bewerber 25 Jahre und älter. Die Berufswünsche der Bewerber konzentrieren sich in einer Größenordnung von fast 60 Prozent auf zehn Berufe. Von Seiten der Betriebe wurden mit rund 6200 Ausbildungsstellen wieder annähernd gleich viele Angebote gemeldet wie im Vorjahr.

Zum Stichtag am 30. September suchten noch 81 Jugendliche einen Ausbildungsplatz – ähnlich viele wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Gleichzeitig waren aber noch gut 750 offene Lehrstellen zur sofortigen Besetzung gemeldet – gut zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Von den 81 noch suchenden Jugendlichen verfügten nur elf Bewerber nicht über einen Hauptschulabschluss. Die anderen konnten mindestens den Hauptschulabschluss vorweisen, neun sogar Abitur.

Während bei den Ausbildungssuchenden insgesamt die männlichen Bewerber die deutliche Mehrheit darstellen (2720 Jungen, knapp 1900 Mädchen), kehrte sich zum Stichtag das Verhältnis um: noch 52 männliche und 29 weibliche Jugendliche befanden sich weiter aus der Suche nach dem Ausbildungsplatz.

Im Wirtschaftsraum Mindelheim stellten Betriebe 595 Ausbildungsplätze zur Verfügung. 64 waren zum Statistikstichtag am 30. September nicht besetzt. Gleichzeitig gab es 462 junge Ausbildungsstellenbewerber. Ende September hatten fast alle von ihnen einen Ausbildunsplatz gefunden.

Auch nach dem 30. September setzten und setzen die Berufsberater im Rahmen von Nachvermittlungsaktionen alles daran, verbliebenen Bewerbern eine Einmündungsmöglichkeit in Ausbildung zu eröffnen, heißt es vonseiten der Arbeitsagentur. Auch werden die Jugendlichen in die Vermittlungsaktivitäten einbezogen, die die Ausbildung bereits wieder abgebrochen haben.

Für Ausbildungsbetriebe und auch für Azubis selbst ist es wichtig zu wissen, dass die Unterstützung der Agentur für Arbeit nicht mit der Vermittlung endet. Sollte der Ausbildungserfolg gefährdet sein, so kann die Agentur ausbildungsbegleitende Hilfen anbieten. Das kann Nachhilfeunterricht sein, aber auch sozialpädagogische Begleitung. Aktuell unterstützt die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen etwa 600 junge Menschen während ihrer Ausbildung.

Bei der Freude über die Vielzahl der Azubis dürfen aber diejenigen Jugendlichen nicht vergessen werden, die derzeit noch nicht ausbildungsreif sind und anderweitig unterstützt werden. Damit auch diese Jungen und Mädchen mittelfristig eine Ausbildung bekommen, nehmen sie zum Beispiel an einer berufsvorbereitenden Maßnahme teil. 190 junge Menschen werden derzeit auf diesem Weg gefördert.

Daneben nutzen 120 junge Menschen das Instrument der Einstiegsqualifizierung als eine Art Langzeitpraktikum, um ihre Chancen auf eine betriebliche Ausbildung zu erhöhen.

Wenn die Suche nach einem Auszubildenden für einen Betrieb nicht erfolgreich verlief, so hilft die Arbeitsagentur auch anderweitig, um künftige Fachkräfte zu gewinnen, wie deren Leiterin Maria Amtmann erklärt, „zum Beispiel über die betriebliche Umschulung von Erwachsenen oder durch die Qualifizierung von Beschäftigten“.

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