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Bad Wörishofen

17.01.2019

Kirchensanierung: Schutz vor Baulärm ist der Kurstadt heilig

Im vergangenen Sommer feierte die Erlöserkirche ihr 50-jähriges Bestehen, doch der Zahn der zeit hat seine Spuren hinterlassen: Das mit Kupferblech gedeckte Dach ist undicht und die eindringende Feuchtigkeit richtet zunehmend Schäden an. Deshalb soll das Kirchendach jetzt saniert werden.
Bild: Alf Geiger

Das Dach der Erlöserkirche ist undicht. Für die Sanierung will die Kirchengemeinde eine Ausnahme für den Baustopp im Sommer. So einfach ist das aber nicht.

In der Ruhe liegt die Kraft – auch für die Kurstadt Bad Wörishofen. Deshalb gilt hier eine städtsiche Immissionsschutzverordnung, abgekürzt GdeImSchVO und verbietet in der Innenstadt lärmintensive Bauarbeiten in der Zeit vom 1. Mai bis zum 15. Oktober. Tagsüber darf der Baulärm demzufolge die Richtwerte von 45 Dezibel (dB(A) tagsüber und 35 nachts nicht überschreiten. Übliche Wohngeräusche durch Sprechen oder Radio im Hintergrund erreichen schon einen Wert von 45 Dezibel. Auch in der Mittagszeit zwischen 13 und 15 Uhr müssen in der Kneippstadt die Baurbeiten ruhen. Lautstarke Baumaschinen sind in dieser zeit sogar generell verboten.

Nicht zum ersten Mal sorgt der faktische Baustopp in Bad Wörishofen für Diskussionen

Dieser sommerliche Baustopp in der Innenstadt hat schon in vielen Fällen für Ärger gesorgt, stoßen hier doch gleich mehrere gänzlich unterschiedliche Interessen aufeinander – hier die Baufirmen, die allein schon witterungsbedingt in den warmen und trockenen Monaten am besten loslegen können. Dies ist auch im Interesse der Bauherren, die so mit günstigere Preisen kalkulieren können. Dem stehen aber die Interessen der Hoteliers und Gastronomen in der Kneippstadt entgegen, die sich für ihre Gäste natürlich einen unvergesslichen Aufenthalt wünschen – unvergesslich vor allem wegen der Ruhe und Entspannung, die sie hier suchen, und ungestört von den unvermeidlichen Geräuschen einer Baumaßnahme.

Diese Interessen prallen jetzt erneut aufeinander: Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde muss das Dach der Erlöserkirche reparieren lassen. Es habe sich gezeigt, dass immer wieder Feuchtigkeit eindringe, eine Dachsanierung sei demnach auch dringend notwendig, um weitere Schäden zu verhindern. Denn dies würde die Baumaßnahme dann nur noch weitere verteuern, erklärte Bürgermeister Paul Gruschka den Stadträten.

Die Kirchengemeinde hatte daher den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung gestellt, damit in der Zeit vom 15. Mai bis zum 16. August mit Ausnahme der Samstage und Brückentage gearbeitet werden kann. Auch die vorgeschriebene Mittagsruhe sollte auf eine Stunde verkürzt werden.

Im Umgriff von 100 Metern wäre davon mehrere Hotelbetriebe betroffen, die davon natürlich alles andere als begeistert sind und ihre Zustimmung zu dieser Baumaßnahme in der vorgeschlagnen Form auch nicht geben wollten. Vor allem die angegebene Bauzeit – immerhin gut drei Monate – war den unmittelbar benachbarten Hoteliers ein Dorn im Auge, wie Hans-Peter Schegerer vom Kneipp- und Thermalhotel Angerhof deutlich machte.

Nach zähem Ringen gibt es in Bad Wörishofen nun einen Kompromiss

Nach zähem Ringen und zahlreichen Wortmeldungen kam der Stadtrat dann aber zu einem nahezu solomonischen Beschluss, der nun beiden Interessen gerecht werden soll: Die lautstarken Arbeiten sollen bestenfalls schon vor dem 1. Mai erledigt werden und mit dem Handwerker – einer Firma aus Bad Wörishofen – soll vereinbart werden, dass die lauteren Arbeiten nach „vier bis fünf Wochen“ abgeschlossen werden müssen.

Damit war dieses Problem zwar gelöst – über das Thema Sommer-Baustopp wird sich der Stadtrat aber wohl nochmal grundsätzlich unterhalten müssen, wünscht sich auch Hotelchef Schegerer: „Wir würden diese Diskussion mit der Stadt gerne führen. Aber leider ist seit gut eineinhalb Jahren kein Gespräch zustande gekommen“. Auch CSU-Stadträtin Ilse Erhard sieht Diskussionsbedarf, weil nur Bauarbeiten in der Innenstadt von der Regelung betroffen seien. Dies sorge für „Ungerechtigkeiten“, so Erhard.

Mehr über die Debatten über die Bad Wörishofer Lärmschutzverordnung lesen Sie hier:

Warum das Bauverbot im Sommer bleibt


Baustopp-Debatte erhitzt die Gemüter


Kritik an Abschaffung des Bauverbots




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