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Kneippianum-Orden: Offen für die Not der Menschen?

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Kommentar Von Alf Geiger
22.08.2018

Wer die Homepage des Ordens der Barmherzigen Brüder aufruft, dem fallen schon auf der Startseite schöne Sätze ins Auge.

Offen für die Not der Menschen wollen die Barmherzigen Brüder demnach sein. Wörtlich heißt es: „Das Herz befehle“ – dieses Leitmotiv von Ordensstifter Johannes von Gott gilt auch heute noch für uns Barmherzige Brüder: Neben den drei klassischen Gelübden – ehelose Keuschheit, Armut und Gehorsam – legen wir als viertes das Gelübde der Hospitalität ab. Hospitalität lässt sich mit „Gastfreundschaft“ übersetzen: Wir wollen offen sein für die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen“.Wenn die gefeuerten Mitarbeiter des Kneippianums diese Sätze lesen, muss ihnen das wir Hohn vorkommen. Stimmt die Darstellung der anonymen Briefschreiber, dann war das Vorgehen der Ordensvertreter alles andere als barmherzig. Dass die verzweifelten Mitarbeiter ihre Namen nicht preisgeben wollen – wer mag ihnen das verdenken, angesichts der rüden Umgangsformen, die offenbar bei den Barmherzigen Brüder herrschen.

Bad Wörishofen liegt in einer Schockstarre

Man kann über die wirtschaftlichen Gründe für die Schließung des Kneippianums vielleicht geteilter Meinung sein. (Lesen Sie dazu auch: Wie geht es im Kneippianum weiter? ) Dass dies ein schwerer, kaum zu verkraftender Schlag für die ohnehin darbende Kneippstadt ist, bleibt die bittere Wahrheit. Seit die Schließung des Kneippianums bekannt ist, liegt die Kneippstadt in einer Schockstarre. Gerade weil so viele Stammgäste jetzt im Sommer ihren lieb gewordenen Kururlaub hier verbringen, herrschen Bestürzung und Fassungslosigkeit. Bad Wörishofen ohne Kneippianum? Für sehr viele ist das einfach unvorstellbar.

Das Vorgehen und Verhalten der offiziellen Vertreter des Ordens der Barmherzigen Brüder hinterlässt vor Ort nur noch Kopfschütteln und Verbitterung: Ein persönlicher Brief der verzweifelten Mitarbeiter direkt an den Provinzial? Den werde das Oberhaupt des Ordens sowieso nicht persönlich beantworten, sondern an den Verwaltungsdirektor weitergeben, hieß es aus der Ordenszentrale. (Lesen Sie auch den Artikel dazu: Kneippianum: „Das Erbe Kneipps mit Füßen getreten“ )

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Tief blicken lässt auch die knappe Antwort des Verwaltungsdirektors auf die Frage der MZ, ob er denn eine Stellungnahme zu den herben Vorwürfen abgeben wolle. „Nein“, ließ Verwaltungsdirektor Ansgar Dieckhoff wissen. Das Ordensoberhaupt und der Verwaltungschef tauchen ab und genießen ihren Urlaub, während hier in Bad Wörishofen die Wellen hochschlagen? Da fällt einem nichts mehr ein.

Die Mitarbeiter schon vor der hastig anberaumten, internen Information über die bevorstehende Schließung im Fünf-Minuten-Takt auf die Straße zu setzen, war stil- und instinktlos. Verständlich, dass die geschockten Betroffenen dieses Verhalten als „unmenschlich“ bezeichnen. Immerhin geht es um nicht weniger als ihre Existenz.

Die Taktik der Ordensverantwortlichen ist durchsichtig und ärgerlich: Die schlimme Nachricht verkünden, die Mitarbeiter Hopplahopp rausschmeißen – und dann den Kopf so lange in den Sand stecken, bis sich der Sturm der Entrüstung gelegt haben wird. Zu behaupten, die Schließung wäre kurzfristig getroffen worden, wirft zudem ein bezeichnendes Licht auf die strategischen Entscheidungen des Ordens, der hier eben auch Unternehmer und Arbeitgeber ist.

In der Öffentlichkeit bleibt ein bitterer Nachgeschmack

Wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist, wird die interessierte Öffentlichkeit schon erfahren, wie es mit der Immobilie im Herzen der Kneippstadt weiter geht. Dass dies in der Öffentlichkeit einen mehr als bitteren Nachgeschmack hinterlässt, wird wohl auch keinen Ordensbruder im fernen München überraschen.

Gerade kirchliche Institutionen haben einen hohen moralischen Anspruch, dem sie sich stellen und dem sie auch gerecht werden müss(t)en. Von der beschworenen Offenheit für die Not und die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen war beim Umgang mit den gekündigten Kneippianum-Mitarbeitern leider nichts zu spüren.

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