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Mindelheim

26.10.2020

Mindelheimer Sommernachtstraum im Herbst

Christine und Pius Schwegler als Einhörner.
Bild: Tina Schlegel

Das Klexs-Theater aus Augsburg verzaubert in Mindelheim seine Gäste mit Humor und Fantasie, frei nach Shakespeare.

Gabriele Beier steht mit ihrem Theaterensemble jedes Mal vor denselben Herausforderungen: Den klassischen Stoff ihrer Wahl so zu interpretieren, dass er mit der fünfköpfigen Gruppe spielbar wird, dass Intention zu Magie wird, dass Humor und Fantasie sich spielerisch die Hand reichen. „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare ist voller märchenhafter Ideen und grenzenloser Verspieltheit und so gelang auch die Umsetzung.

Beier hat den Kunstgriff des Erzählers gewählt, um als Puck durch das Stück zu begleiten und immer wieder schelmenhaft einzugreifen. Sie erzählt, untermalt von mystisch anmutenden Klängen, von den Geschicken der vorerst verhinderten Liebespaare Lysander und Hermia sowie Demetrius und Helena. Der Liebesreigen wird auch für das Elfenkönigspaar Oberon und Titania zur Zerreißprobe. Bis alle sich finden, wird gezaubert und gestritten, geliebt und gesehnt und alle Schauspieler schlüpfen in verschiedene Rollen, singen und tanzen.

Ein hinreißend komisches Streitduell zwischen Oberon und Titania in Mindelheim

Herausragend umgesetzt und hinreißend komisch gespielt etwa das Streitduell zwischen Oberon (Christine Garbe) und seiner Gattin Titania (Julia Weiermann). Garbe übernahm auch die Szene des Laientheaters als Ein-Frau-Show und spielte herrlich leidenschaftlich nichts Geringeres als – eine Mauer.

Der Wechsel aus Pointen und ernsthaften Klängen, aus Scherz und Poesie, aus Spielszenen und Musik ist wunderbar harmonisch eingebunden ins Gesamtgefüge, aus unbeschwertem Lachen wird stilles Staunen. Eine Feder, von einem zum anderen gepustet, wird zum Inbegriff der sehnsüchtigen Liebe, Einhörner in Hochzeitskleidern zur huldvollen Verneigung vor der Welt der magischen Wesen, die verspielt fantasievoll zu ergründen wir uns viel zu selten erlauben.

Es geht in Mindelheim auch um eine Botschaft, um mehr Achtung vor der Natur

Beiers Inszenierungen sind ein einziger Aufruf dazu, voller Freude und Fantasie auf die Welt zu blicken, sich lächelnd in ihr zu bewegen, immer auf der Suche nach den poetischen Zwischenklängen. So erzählt sie eben auch jene Geschichte von den Zauberwesen im Wald, ihrem Dasein, ihren Wünschen, „von des Windes zarter Haut auf meiner Wange … sehnt mich nach diesem Friedenswort.“

Sie hat die Magie des Zauberwaldes und auf eine höhere Ebene gehoben: der Einklang der Elfen mit dem Wald ist die Aufforderung an alle nach mehr Achtung vor der Natur. Denn sie alle wünschen sich „eine Hand, die nicht ausholt, um dann gemein zu sein, sondern eine Hand mit Würde, Sanftmut und Respekt“, so singt Julia Weiermann in einem der musikalisch wunderbar gelungenen Lieder des Abends. Ein ideen- und bilderreiches Stück und eine große Freude, den Elfen und Zauberwesen für die Kostbarkeit eines Abends zu folgen. (tisch)

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