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05.07.2010

Mit Gesundheit nimmt Tourismus weiter Fahrt auf

Bad Wörishofen Wohin geht die Reise beim Gesundheitstourismus? Mit dieser Frage befasste sich eine Zukunftskonferenz des Deutschen Tourismusverbandes in der Kneippstadt. Fazit: Innovationen gibt es viele. Nicht alle sind für alle Orte umsetzbar, doch gibt es noch Nischen zuhauf.

Ausgangspunkt für eine bundesweite Konferenzreihe des Tourismusverbandes ist das Projekt "Innovativer Gesundheitstourismus in Deutschland", das vom Verband durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie finanziert wird. Projektziele sind neue Produkte, Dienstleistungen und Verfahren für die touristische Praxis am Markt zu etablieren, Markttrends, Ideen und Innovationen im Gesundheitstourismus herauszuarbeiten.

Übernachtungszahlen steigen

Der Tourismus-Markt ist groß und wird immer größer. Im ersten Halbjahr 2010 sind die Übernachtungen deutschlandweit um 2,5 Prozent angestiegen. Deutschland ist mittlerweile das Land in Europa mit den meisten Übernachtungen.

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Und die neueste Reiseanalyse gibt einen Trend zum Gesundheitstourismus vor: Im vergangenen Jahr waren es in Deutschland vier Millionen Gesundheitsurlaube, bis 2020 wird ein Anstieg auf sieben Millionen erwartet. Grund: Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden 2020 bis 2030 aus dem Erwerbsleben aus. Irgendwann werden auch sie krank werden, werden Kur, Erholung, Wellness oder spezielle Anwendungen brauchen. Darauf müssen vor allem Kur- und Erholungsorte vorbereitet sein, und dass zwischenzeitlich psychische Erkrankungen in Europa zur Volkskrankheit Nummer Eins geworden sind.

Bad Wörishofen war nun von neun Zukunftskonferenzen in Deutschland einziger Tagungsort für Bayern. Darüber war Bürgermeister und Präsident des Bayerischen Heilbäderverbandes Klaus Holetschek erfreut. Er betonte, dass vor allem die Heilbäder und Kurorte das Thema Gesundheit vorantreiben würden. In der Gesundheitsstadt Bad Wörishofen habe man die Präferenz auf das Thema "Gesundheit und Kneipp" gesetzt und versuche dieses auch in der Stadt zu leben und erlebbar zu machen. "Der Gesundheitstourismus in Deutschland und vor allem auch in Bayern birgt ein großes Potenzial, sichert Arbeitsplätze und wird vor allem auch im ländlichen Raum eine große Wertschöpfung erfahren", so Holetschek. Wichtig für die Zukunft sei, auf den Gast zuzugehen und sich an dessen Bedürfnissen und Wünschen zu orientieren. "Der Wurm muss nicht dem Angler, sondern dem Fisch schmecken." Holetschek forderte mit deutlichen Worten die Unterstützung der Politik vor allem für die Kurorte und Heilbäder im ländlichen Raum ein. Außerdem müsse man für die Zukunft ebenso an eine mögliche Vernetzung mit Partnern aus der Wirtschaft denken.

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes, Claudia Gilles, ging auf die Intention des Projektes "Innovativer Gesundheitstourismus in Deutschland" ein. Demographische Entwicklung, steigendes Gesundheitsbewusstsein, neue medizinische und technische Möglichkeiten sowie Änderungen in der Gesellschaftspolitik machten Innovationen möglich und nötig. Die Krankenkassen zahlten immer weniger. Der zweite Gesundheitsmarkt, der Markt der Selbstzahler, wachse. Das stelle Anforderungen, biete aber auch Chancen. Zudem werden die Grenzen zwischen Erholungsurlaub und Gesundheitstourismus immer fließender. Gilles: "Nach einem Urlaub will man gestärkt sein, etwas hinüberretten in den Alltag." Hier hätten gerade Heilbäder und Kurorte gute Chancen am Markt. Ihre Besonderheiten müsse man herausstellen, das Angebot müsse stimmen - so seien auch Jüngere zu begeistern: "Ein Kurort muss nicht für alle Zielgruppen alles bieten. Aber er muss seine Angebote die nächsten Jahre anpassen an die geburtenstarken Jahrgänge." Und dass viele von diesen Chancen partizipieren wollen, zeigte die große Teilnehmerzahl an der Zukunftskonferenz in Bad Wörishofen.

Aktive Beteiligung

So wurden in Workshops zahlreiche schon bestehende oder geplante neue Wege im Gesundheitstourismus durchgearbeitet: telemedizinische Wanderwege, auf denen der Urlauber mit Gesundheitsproblemen "fernüberwacht" wird; Vernetzung von Medizin und Tourismus; Prävention für Kinder und Familien; spezielle Angebote für Diabetes sowie Demenzkranke mit Familien; Stressmanagement; spezielle Internetangebote für Medizintouristen; Meditationswege, Gesundheitsradeln. Musterbeispiele sind schon jetzt der glutenfreie Kurort Scheidegg oder Oberstaufen mit seiner Mehrwert-Gäste-Karte.

Aber auch Bad Wörishofen braucht sich innovativ nicht zu verstecken: Kneipp für einzelne Zielgruppen, Präventionschecks, Apps fürs Handy, das angedachte Kneipp-Erlebnisfeld; die Themen Spiritualität und Gesundheit zusammen mit den beiden Kirchen, Elektroautovermietung, Kneipp-Prämium-Card und Gradierwerk sind nur einige Positivbeispiele.

Wie geht es weiter? Bei einem Gesundheitstourismuskongress im April in Berlin werden die besten 25 Ideen vorgestellt und Empfehlungen gegeben. Schon jetzt steht aber fest, wie ein Teilnehmer zusammenfasste: "Brennen muss das Ideen-Feuer, dann erreicht man Kunden."

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