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Kabarett

22.09.2011

Scharfzüngig und schlagfertig

Gerade philosophisch die Betrachtungen Michael Altingers über die Lebensmitte.
Bild: Foto: Karin Donath

Michael Altinger versteht es bayerisch charmant der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten

Bad Wörishofen Bei den zahlreichen Kabarettisten, die sich derzeit auf deutschen Bühnen und im Fernsehen tummeln, gehört Michael Altinger zweifellos zu denjenigen, die scharfzüngig und schlagfertig das allzu Menschliche in der Gesellschaft karikieren, dabei aber nie platt, nie niveaulos werden. Die wenigen Derbheiten, die er sich leistet, sind nicht nur intelligent verpackt, sondern wirken auch – dank seines ausgeprägten bayerischen Dialekts - durchaus charmant.

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„A Hund a vereckta“ ist eben in Bayern nicht unbedingt eine Beleidigung, sondern kann auch Ausdruck der höchsten Anerkennung sein. Altinger ist ein scharfer Beobachter alltäglicher Situationen, er ist einer, der nicht im Strom der Masse mitschwimmt, sondern den Zeitgeist kritisch beleuchtet. Ob die Essgewohnheiten der Menschen, die immer neuen Modetrends unterliegen, „was muss i an Wasabi essn?“ oder die Partnersuche, die nur noch im Internet stattfindet „Elite Partner ist das akademische Gegenstück zu Bauer sucht Frau“, Altinger setzt seine Pointen nicht nur mit Worten, sondern auch einer ausgeprägten Gestik und Mimik.

Geradezu philosophisch sind seine Betrachtungen über die Lebensmitte. „Wir befinden uns in einem Alter, wo man das Leben vom Ende her definiert“, ein Satz, der im nicht ganz ausverkauften Kurtheater für gemischte Reaktionen sorgte. „Man hat noch nicht viel Krankheiten, aber man redet viel drüber“ sei ein typisches Merkmal der „Ü50er“. Altinger hält der Gesellschaft den Spiegel vor, er beklagt den Zerfall der Familie – „als wir Kinder waren und von der Schule heimkamen, da stand da was am Herd, das war die Mutter!“ – und seine Betrachtungen zur Bildungspolitik sind so wahr, dass für Satire fast schon kein Raum mehr bleibt. Die Devise laute „Abitur um jeden Preis“, denn es gebe nur die Alternative „Abiturient oder Depp.“

Begleitet wurde Altinger von der „Band“ Martin Julius Faber, der am Keyboard und der Gitarre die musikalischen Akzente setzte. (dok)

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