1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. So entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Unterallgäu

Unterallgäu

05.12.2019

So entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Unterallgäu

Viele Industrie- und Handwerksbetriebe in der Region möchten gern ihre eigenen Nachwuchskräfte ausbilden. Doch nicht alle finden auch geeignete Bewerber.
Bild: dpa

Plus Der Raum Mindelheim ist eine der Spitzenregionen in ganz Deutschland. Welche Erfolgsfaktoren wichtig sind - und welche Entwicklungen bevorstehen.

Zwei Mal nimmt die Leiterin der Allgäuer Arbeitsagentur Maria Amtmann in ihrem Jahresrückblick das Wort „gigantisch“ in den Mund – einmal, als es um die Steigerung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Unterallgäu in den vergangenen zehn Jahren geht, ein weiteres Mal, als sie von der außerordentlich niedrigen Arbeitslosenquote im Raum Mindelheim spricht. Erneut gehört die Region zu den Spitzenreitern in Deutschland.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Arbeitsplätze: Firmen im Unterallgäu planen vorsichtiger

Und auch, wenn sich hier die ersten konjunkturellen Einflüsse bemerkbar machten, wenn erste Firmen zurückhaltender in der Planung ihres Personalbedarfs sind oder sich zur Kurzarbeit erkundigten, so konnte der Arbeitsmarkt noch viele Kräfte aufnehmen, was die Zahl der Arbeitslosen weiterhin niedrig gehalten habe, erklärt Amtmann.

Menschen mit Arbeit

So entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Unterallgäu

51.991 Menschen im Unterallgäu gingen im März 2019 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. 2010 waren es noch 39.549. Zwar habe sich in ganz Deutschland die Zahl nach oben entwickelt, doch der Anstieg um fast ein Drittel in unserer Region sei überdurchschnittlich, wie Amtmann betont – „gigantisch“ eben. Ebenfalls gestiegen ist die Teilzeitbeschäftigung, weil mehr Frauen nach der Geburt eines Kindes schneller in den Beruf zurückkehren. Zudem seien Arbeitgeber heutzutage eher bereit, Kompromisse einzugehen, um gute Kräfte zu bekommen, erklärt Manuel Zeiler, der neue Leiter der Mindelheimer Arbeitsagentur. Ein merkliches Plus verzeichnete das verarbeitende Gewerbe mit einem Zuwachs von 4,1 Prozent. In der Metall- und Elektroindustrie, die dazugehört, lag der Zuwachs sogar bei 5,1 Prozent. Das Baugewerbe steuerte bei den Beschäftigten einen Zuwachs von 2,1 Prozent bei, Tätigkeiten im Gesundheitswesen steigerten sich um knapp acht Prozent.

Viele kommen für Arbeit aus dem Ausland in den Raum Mindelheim

Menschen aus dem Ausland

Amtmann hob die starke Zunahme im Bereich beschäftigter Ausländer hervor. Neben Flüchtlingen gehören dazu auch Menschen aus EU-Staaten wie Rumänien oder Bulgarien. Über den Memminger Flughafen ist die Verbindung in die Heimat kurz. Diese Menschen spielen inzwischen eine wichtige Rolle auf dem hiesigen Arbeitsmarkt: „Manche Betriebe könnten ohne ausländische Arbeitnehmer ihren Aufträgen nicht mehr nachkommen“, so Amtmann. Bei den erwachsenen Flüchtlingen hatte die Arbeitsagentur das Ziel, sie schnell in Berufe und damit in die Gesellschaft zu integrieren – und sie dann innerhalb des Betriebs fortzubilden. Jugendliche wurden in Berufsintegrationsklassen an Berufsschulen untergebracht „und einer ganz großen Zahl ist der Sprung in eine Ausbildung gelungen“, so Amtmann – „dank aller Beteiligten“. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie seien viele junge Menschen untergekommen, aber auch im produzierenden Bereich.

Arbeitslose Menschen

Mit einer „gigantisch positiven“ Arbeitslosenquote von 1,9 Prozent im November ist der Wirtschaftsraum Mindelheim einer der Spitzenreiter in Deutschland. Im Oktober erreichte die Arbeitslosigkeit mit 739 Frauen und Männern den niedrigsten Stand des laufenden Jahres.

Kaum junge Menschen im Unterallgäu sind von Arbeitslosigkeit betroffen

Junge Menschen

Unter-25-Jährige sind kaum von Arbeitslosigkeit betroffen – und wenn, dann handelt es sich meistens um eine „Such-Arbeitslosigkeit“ und nicht um eine eingefahrene Langzeitarbeitslosigkeit. Im November waren 86 Jüngere im Raum Mindelheim arbeitslos gemeldet, das entspricht einem Anteil von elf Prozent aller Arbeitslosen.

Ältere Menschen

Männer und Frauen über 50 tun sich schwerer, nach einer Arbeitslosigkeit wieder einen neuen Job zu finden. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt 40 Prozent. Doch der günstige Arbeitsmarkt führte auch in dieser Gruppe zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Von April bis Juni sowie im August war die Zahl so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Im November ist sie minimal auf 308 Fälle gestiegen.

Arbeitslosengeld I und Hartz-IV

Wegen der guten Wirtschaftslage in der Vergangenheit ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger im Raum Mindelheim auf inzwischen 259 gesunken. Bei diesen Empfängern der Grundsicherung gibt es wenig Veränderungen, die durch die Jahreszeiten bedingt sind. Anders bei den Empfängern von Arbeitslosengeld I: Hier steigt die Arbeitslosigkeit witterungsbedingt im Winter und kurz nach dem Ende der Ausbildungszeit im Sommer an, um dann wieder zu fallen.

Auf dem Ausbildungsmarkt geht die Schere immer weiter auseinander

Stellenangebote

665 freie Stellen waren im November im Wirtschaftsraum Mindelheim gemeldet. Im Lauf des Jahres 2019 war die Zahl sogar auf knapp 700 gestiegen. Inzwischen planen die Firmen gerade im gewerblich-technischen Bereich vorsichtiger. „Mancher Betrieb fährt eher auf Sicht“, sagt Maria Amtmann. Gute Fachkräfte würden aber fast immer eingestellt. Zudem seien die Bereiche Gesundheit, Pflege und Handwerk losgelöst von der Konjunktur.

Ausbildungsmarkt

Am Ausbildungsmarkt „geht die Schere immer weiter auseinander“, erklärt die Chefin der Allgäuer Arbeitsagentur. Betriebe wollen mehr ausbilden, weil sie am Markt kaum noch Fachkräfte finden; demgegenüber stehen die demografische Entwicklung und die Tatsache, dass immer mehr Schüler weiterführende Schulen besuchen oder ein Studium beginnen statt einer Ausbildung. So gab es im Raum Mindelheim 731 freie Ausbildungsplätze – aber nur 447 junge Menschen, die sich dafür interessierten. Ende September waren noch 99 Lehrstellen unbesetzt, derweil hatten fast alle jugendlichen Bewerber eine Ausbildungsstelle oder eine Alternative.

Arbeitgeber können bei ihnen nicht nur mit dem Gehalt punkten: Jugendlichen gehe es weniger um die genaue Höhe der Vergütung, so die Erfahrung von Maria Amtmann, sondern darum, sich gut aufgehoben zu fühlen, einen Sinn in der Arbeit zu sehen und etwas Positives zu machen.

Mehr Unternehmen im Unterallgäu fragen nach Kurzarbeit

Kurzarbeit

Der Mindelheimer Agenturleiter Manuel Zeiler vermeldet mehr Nachfragen zum Kurzarbeitergeld in Betrieben. „Das sind aber oft nur lose Erkundigungen.“ Im Landkreis Unterallgäu haben im Oktober sieben Betriebe für maximal 287 Mitarbeiter Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen angezeigt. Inwieweit diese Kurzarbeit tatsächlich realisiert wurde, ergibt sich aus den Abrechnungslisten, die Firmen erst später einreichen. Bisher gibt es Angaben zur tatsächlichen Kurzarbeit für den April 2019: Hier hatten im Unterallgäu vier Betriebe für 40 Beschäftigte kurzgearbeitet.

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, sieht Arbeitsagentur-Leiterin Maria Amtmann auch in der Kurzarbeit kein negatives Signal: „Kurzarbeit heißt ja, dass die Betriebe ihre Mitarbeiter behalten möchten.“ Wenn wieder mehr Aufträge eingehen, könne man dann schnell reagieren und müsse nicht erst aufwendig nach Personal suchen, das habe die Zeit nach der Krise in den Jahren 2008/2009 gezeigt. Die Arbeitsagentur zielt darauf ab, Mitarbeiter in dieser Phase auf Herausforderungen wie die Digitalisierung vorzubereiten und sie zu qualifizieren.

Mehr zum Thema lesen Sie hier:

Ausbildung im Allgäu: Die Schere öffnet sich weiter

Arbeitsmarkt: Quote im Unterallgäu liegt bei 1,7 Prozent

Das Unterallgäu ist eine starke und stabile Region

Mehr Unterallgäuer Firmen denken über Kurzarbeit nach

Es geht weiter aufwärts, aber weniger steil

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren