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Bad Wörishofen

30.08.2020

So hat die Familie Filser Bad Wörishofen geprägt

August Filser ist ein ausgewiesener Experte der Stadtgeschichte von Bad Wörishofen, die seine Familie entscheidend mitgeprägt hat.
Bild: Helmut Bader

Plus Serie: Es gibt einige Stammgeschlechter, die in Bad Wörishofen über Jahrhunderte viel bewegt haben. August Filser blickt auf eine lange Geschichte zurück, die auch die Geschichte bedeutender Bauten ist.

Wenn über die Geschichte von Wörishofen berichtet wird, dann steht meist die Zeit um und nach Pfarrer Sebastian Kneipp im Mittelpunkt. Im Dorf Wörishofen davor waren es jedoch alteingesessene Bauerngeschlechter, die in dieser Zeit das Leben hier maßgeblich gestalteten und deren Nachfahren noch heute hier zu finden sind. Namen wie Scharpf, Vögele, Trommer, Filser oder Linder, sind deshalb in der heutigen Bevölkerung noch besonders häufig vertreten. Festgehalten sind diese Geschlechter nicht zuletzt auch in den noch heute zuweilen verwendeten Hausnamen ihrer früheren Höfe. Geberlebauer, der Pfleger, Meierbauer, Adamerbauer, Gallenbauer, Doldenhauser oder Mangamicheler sind älteren Kneippstädtern schon noch Begriffe, die sie kennen. Einige dieser „Stammgeschlechter“ wollen wir in einer kleinen Serie hier vorstellen. Diesmal: die Familie Filser.

Die Filser-Familien haben in Wörishofens Historie deutliche Spuren hinterlassen. Wenn in der Historie von Bad Wörishofen die Sprache auf die Pestzeit im 14. Jahrhundert und während des 30-jährigen Krieges kommt, dann ist immer die Rede von zwei Höfen, die als einzige davor verschont blieben. Einmal war dies der Gallenbauer, zum anderen der Adamerbauer. Lange Zeit wurde von diesen beiden Familien dann auch das sogenannte Pestopfer eingesammelt.

So sah der Hof der Familie Filser einst aus. Das imposante Gebäude, der Adamerbauer, stand an Bad Wörishofens Hauptstraße.
Bild: Archiv Michael Scharpf

Beschäftigt man sich mit der langen Familiengeschichte der Filsers hier in Wörishofen, dann führt der Weg auch über einen gewissen Zeitraum zu diesem Adamerbauer. Dieser gehörte zwar davor ursprünglich und viele Jahre zur Familie Vögele, doch Anfang des 20. Jahrhunderts übernahmen die Filsers den südlichen Teil das Adamerhofes, der einen bemerkenswerten Teil des Dorfes nördlich des Gasthofs Rössle abdeckte. Dort wo jetzt das Geschäftshaus mit Optiker, Cocktailbar und Lebensmittelgeschäft steht, wuchs auch August Filser auf, dem die Kneippstadt heute viele historische Nachforschungen und Buchdokumente verdankt. Es war der Hof seiner Eltern und Großeltern. Er selbst erinnert sich noch, wie sich sein Vater immer mit dem Gallenbauer Krößer nach dem Einsammeln des Pestopfers zum Essen traf.

Die Ursprünge der Familien Filser in Bad Wörishofen liegen weit entfernt in Tirol

Dass August Filser, der frühere Direktor der Raiffeisenbank, auch über seine eigene Familiengeschichte und ihre langen und wichtigen Verbindungen mit dem Dorf Wörishofen Auskunft geben kann, versteht sich fast von selbst.

Die Ursprünge dieser alteingesessenen Familie liegen in Tirol und reichen zurück bis zum 30-jährigen Krieg. Es kann sein, dass der Name Filser vom Vilstal abgeleitet ist, meint August Filser im Gespräch. Die Verbindung zu Wörishofen ergibt sich allerdings erst im Jahr 1703, als sich ein Johann Georg Filser in Vorderhartenthal niederlässt. Aus dieser Familie gingen drei Filserstämme hervor, die Wörishofer Linie, die Schöneschacher Linie, zu der August Filser gehört und die Tussenhausener Linie.

1789 verkaufte ein Nikolaus Filser den Hof in Hartenthal und erwarb im Gegenzug von Maria Vöglin die bedeutsame Tafernwirtschaft „Adler“ an der Wörishofer Hauptstraße. Nikolaus Filser erstand aber auch noch das damalige Schlössle, verkaufte dieses aber wieder an die Gemeinde, die hier die Schule einrichtete. Später, und daran erinnern sich sicher viele Wörishofer noch, war das Gebäude Sitz des Rathauses, ehe es der Spitzhacke zum Opfer fiel.

Diese alte Ansicht zeigt, welche Felder einst zum Hof der Familie Filser in Bad Wörishofen gehörten. Diesen kleinen Schatz hütet August Filser neben vielen anderen Dokumenten der Familiengeschichte.
Bild: Archiv Filser/ Repro: Helmut Bader

Aus der Schöneschacher Linie der Familie heiratete Augustin Filser 1813 Floriane Diepold aus Wörishofen und kaufte von seinem Schwager Franz Diepold das Anwesen „Beim Xanter“ dort wo heute das Café Moschner, jetzt Holzheu, steht. Interessant, dass der Name „Augustin“ schon damals in der Familie öfter vorkommt. Augustins Sohn hieß allerdings Johann und dieser tauschte sein „Xanter-Anwesen“ mit dem „Birkenbauer“. Das war ein stattliches Anwesen, denn es reichte von der Hauptstraße bis hinunter zum Wettbach, wie der Wörthbach früher hieß. Dies wiederum war für das damalige Wörishofen von Bedeutung, denn auf einem Grundstücksteil erbaute der Maler Abraham Calissendorf zu Zeiten von Sebastian Kneipp im Jahre 1895 das „Museum Artis“ als Zentrum für die meist prominenten Kurgäste.

Wo Neues in Bad Wörishofen entstehen sollte, brannte es öfter mal

Als dieses Gebäude 1904 abbrannte, kaufte die Gemeinde den unteren Teil des Grundstücks und errichtete dort das „Casino“, Vorläufer des heutigen Kurtheaters. Neben dem Museum Artis befand sich der erste Tennisplatz und auch ein Eislaufplatz zur Unterhaltung für die Gäste.

Brände gab es zu dieser Zeit öfter, und Brandstiftung spielte dabei meist eine Rolle. Offensichtlich sollte in der Aufbruchzeit mehrmals Neues entstehen, wo Altes im Wege war. Dieses Schicksal erlitt wohl auch der „Birkenbauerhof“ der Filsers. So führte der Weg der Familie schließlich herüber in die Hauptstraße zum „Adamerbauer“, womit sich der Kreis dieser Zeit- und Familienreise zunächst schließt.

Das große Adamer-Anwesen wurde jedoch in drei Teile aufgeteilt. Zu ihm gehörte sowohl das spätere Café Fischer, als auch die benachbarte Molkerei, heute das Käsegeschäft, und auch die heutige Genossenschaftsbank nördlich des Durchstichs zur Kathreinerstraße. Den südlichen Teil übernahm 1936 Augustin Filser, der Vater von August Filser von seinem Stiefvater und betrieb ihn als Landwirtschaft. Schwester Maria erhielt das ehemalige Pfründehaus/Café und heiratete den Konditor Martin Fischer, der das Anwesen zum bekannten Café Fischer erweiterte. Als sich abzeichnete, dass keines der fünf Kinder die Landwirtschaft fortführen würde, wurden Stall und Scheune abgerissen und es entstand an dieser Stelle ein Kurheim. Die Grundlage zum heutigen Geschäftsanwesen inmitten der Stadt wurde schließlich im Jahre 1989 durch die Familie Filser gemeinsam gelegt.

Vor allem durch den jeweiligen Besitz, meist in zentraler Lage Wörishofens, waren die Familie und ihre Mitglieder über Jahrhunderte hinweg von wesentlicher Bedeutung für das Dorf und den späteren Kurort Wörishofen.


Lesen Sie dazu auch die bisher erschienen Teile der MZ-Serie:

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