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Mindelheim

08.10.2019

So schön sieht die Schmuckfabrik Mindelheim heute aus

In der Mindelheimer Schmuckfabrik ist die Zeit quasi stehen geblieben. Seit 1990 ruhen die Maschinen. Zwei Fotokünstler haben von diesem besonderen Ort ebenso besondere Aufnahmen gemacht, die jetzt im Mindelheimer Rathaus zu sehen sind.
Bild: Steinberg/Schuster

Die Fotogruppe Grenzenlos zeigt im Mindelheimer Rathaus außergewöhnliche Bilder: Zu sehen ist die Schmuckfabrik Alois Demmler - knapp 30 Jahre nach Schließung.

Zwei Mitglieder der „Fotogruppe Grenzenlos“ haben die ehemalige Mindelheimer Schmuckfabrik Alois Demmler buchstäblich ins Visier genommen. Die seit 2007 bestehende Fotogruppe hatte beschlossen, das Thema Handwerk genauer zu betrachten, neben einer Schmiede, dem Eisenbahnmuseum in Nördlingen und dem technischen Museum der Pforzheimer Uhren- und Schmuckindustrie fiel auch die alte Schmuckfabrik Demmler auf, glücklicherweise. Seit 1990 steht sie still, Pläne, wie man das „Schmuckstück“ bewahren könnte, gab es lange Zeit nicht, die Umgestaltung zum Museum scheiterte. Teile stehen heute in der Schmuckabteilung des Technischen Museums in Berlin – und hängen nun als Fotodokumente im Mindelheimer Rathaus.

"Stiller Feierabend" zeigt im Mindelheimer Rathaus die Schmuckfabrik

„Stiller Feierabend“ heißt die Ausstellung, die dort bis Ende März 2020 zu sehen ist, und Stille ist auch genau das richtige Stichwort. Die Fotografien zeigen stehende Drehmaschinen, von Efeu umrankte Arbeitsfelder, Einsichten in Maschinenräume und Schubladen, die auf dem Foto zwar wie drapiert wirken – kunstvoll, ästhetisch, frei von der Alltäglichkeit der Fertigung – und dennoch nur das zeigen, was die beiden Fotografen Barbara Steinberg aus Remseck und Klaus Schuster aus Leonberg vorgefunden haben. Und doch wirkt alles durchdrungen von Lebendigkeit.

Einziges Hilfsmittel für ihre Digitalfotografien waren Stative. Sie tauchen ein in den Mikrokosmos Schmuckfabrik, zeigen dessen Inventar ohne Betriebsamkeit, zeigen eine Zeit danach – wenn die Werkzeuge selbst zum Schmuck werden, befreit von ihrer Funktionalität und befreit von Menschenhand. Es hat etwas Magisches, wenn aus Objekten, die wir ansonsten nur in ihrer Funktion wahrnehmen, plötzlich ein Kunstobjekt wird. Die meisten Bilder sind in Farbe, das macht sie nahbar und beweist vor allem, dass sie den Schwarz-Weiß-Effekt nicht benötigen, nicht diese Distanzierung durch die Wegnahme der Farbigkeit, um dennoch als etwas Eigenes, Besonderes verstanden zu werden. Wir als Betrachter entdecken schnell, dass wir die Entfunktionalisierung der Objekte ganz nebenbei vollzogen haben.

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Ausstellung der "Fotogruppe Grenzenlos" läuft im Mindelheimer Rathaus

Steinberg und Schuster geben ihren Objekten eine bisweilen ins Märchenhafte getauchte Zartheit, entstanden durch den Lichteinfall. Ihre Ästhetik wird von diesem ersten Moment an nicht mehr infrage gestellt. Schuster, der Industriefotografie zu seinen bevorzugten Themen zählt, und Steinberg, die es liebt, Stimmungen einzufangen, ist hier etwas gerade für Mindelheim sehr Wertvolles gelungen: Ihre Fotografien bewahren die Erinnerung an die Schmuckfabrik und zeigen darüber hinaus eine Schönheit der Dinge, die so auch ein Museum kaum leisten kann, geben sie den dargestellten Objekten doch eine ganz besondere Bühne – sie fokussieren die Stille der Maschinen und setzen sie in eine wehmütig-verträumte Szene.

Die Ausstellung kann bis 27. März 2020 zu den gewohnten Öffnungszeiten im Rathaus besucht werden. Montags bis mittwochs von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 8 Uhr bis 18 Uhr und freitags von 8 Uhr bis 12. 30 Uhr.

Erfahren Sie hier mehr über die geheimnisvolle Schmuckfabrik von Mindelheim

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