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Unterallgäu

24.12.2020

Tipps für mehr Harmonie an den Weihnachtstagen

Weihnachten ist das Fest der Familie, doch in diesem Jahr drückt das Coronavirus die Stimmung während der Feiertage. Eine Erziehungsberaterin erklärt, wie Eltern mit ihren Kindern über das Virus sprechen und wie sie die freie Zeit nutzen können.

Plus Die Unterallgäuer Erziehungsberaterin Dr. Monika Grimaldi erklärt, welche Belastungen und Chancen die Feiertage heuer mit sich bringen und gibt konkrete Ratschläge.

Ausgedehnte Verwandtschaftsbesuche, der Skiurlaub und andere lieb gewonnene Traditionen werden dieses Jahr an Weihnachten nicht möglich sein. Welche Auswirkungen diese ungewohnte Situation auf Eltern und vor allem Kinder hat, erklärt Dr. Monika Grimaldi von der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Memmingen. „Wir alle leben in einer permanenten Unsicherheit und in einem anhaltenden Anspannungszustand“, sagt Grimaldi. „Das führt natürlich gerade bei Eltern zu einer gewissen Ermüdung und Erschöpfung. Niedergeschlagenheit, negative Gefühle oder gar Ängste machen sich breit.“ Die Expertin erklärt, was man dagegen tun kann, dass es gar nicht erst soweit kommt.

Auch immer mehr Kinder entwickeln Ängste in Bezug auf das Coronavirus – vor allem durch das, was ihnen durch die Medien, aber auch durch die Gesellschaft vermittelt wird. Gerade bei Kindern kann leicht der Eindruck entstehen: Wenn ich etwas falsch mache, müssen Oma oder Opa sterben. „Da lastet ein unglaublicher Druck auf den Kindern“, sagt die Erziehungsberaterin. Darum sei es besonders wichtig, dass Eltern gegenüber ihren Kindern Verhaltensregeln wie das Tragen der Maske oder die geltenden Kontaktbeschränkungen zu Weihnachten mit Logik begründen und nicht mit Angst arbeiten.

So hilft man Kindern, wenn sie Ängste wegen Corona haben

„Für Kinder ist es eine Entlastung, wenn sie über ihre Ängste, etwa davor, dass ihre Großeltern oder Freunde krank werden könnten, oder davor, dass sie gar niemanden mehr zum Spielen treffen dürfen, sprechen können und auch gehört werden“, sagt Grimaldi. Ein Kleinreden der Sorgen der Kinder mit Kommentaren wie „Das ist doch nicht so schlimm“ sollten Eltern vermeiden. Die bessere Lösung sei es, das Kind quasi durch seine Emotionen zu „coachen“ und diese gemeinsam auszuhalten. Zum Beispiel mit einer simplen Reaktion wie dieser, die Verständnis für die Gefühle des Kindes signalisiert: „Ja, das verstehe ich, dass du traurig bist, weil du die Großeltern dieses Weihnachten nicht sehen kannst.“ Erst danach sollte, wenn überhaupt möglich, eine Lösung gesucht und auch das Kind in die realistische Lösungssuche mit einbezogen werden. Zum Beispiel: ein Videotelefonat zu machen oder etwas zu basteln und einen Brief zu schicken.

Monika Grimaldi gibt Tipps, wie die Feiertage schön werden.

Langfristige Pläne sollte man angesichts von Corona bewusst zurückstellen

„Ob Kinder oder Erwachsene – wir alle müssen nach wie vor unglaublich flexibel sein und akzeptieren lernen, dass wir in unserem Alltag zu einer neuen Normalität finden müssen, um psychisch stabil und gesund bleiben zu können“, erklärt die KJF-Erziehungsberaterin. Zu der Illusion, dass alles einmal wieder so wird, wie es vor Corona war oder dass der aktuelle Zustand zu einem bestimmten Stichtag einfach vorbei ist, sollten sich Erwachsene nicht hinreißen lassen, so Dr. Monika Grimaldi. Der Tipp der Erziehungsberaterin, wie das gelingen kann: Den eigenen Planungszeitraum deutlich verkürzen auf den Bereich, den man realistisch überblicken kann – etwa eine Woche. Gedanken, die sich auf Ereignisse oder Pläne danach beziehen, sollte man bewusst zurückstellen.

Die Experten der KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung helfen weiter, wenn Eltern allein nicht mehr weiterkommen. Die Beratungen finden unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen persönlich sowie auf Wunsch natürlich auch telefonisch oder online statt, sie sind kostenlos und unterliegen der Schweigepflicht.

Konkrete Ideen der Erziehungsberaterin für die bevorstehenden Weihnachtsferien sind:

  • Viele der bisherigen Traditionen werden zwar nicht möglich sein, trotzdem sollten Familien zu Beginn der Ferien gemeinsam einen Plan aufstellen und dafür Ideen für gemeinsame Unternehmungen sammeln. Natürlich bieten sich auch Projekte an, wie zum Beispiel ein Kinderzimmer neu zu streichen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es jedoch auch wichtig, zwischendrin unverplante Zeiten vorzusehen.
  • Gemeinsam eine Schatzkiste basteln und befüllen. Hinein kommen Erinnerungsstücke aus dem Corona-Jahr, zum Beispiel besondere Basteleien, die man während der Schulschließungen oder einer Quarantäne gebastelt hat, Fundstücke oder Mitbringsel von Ausflügen oder Spaziergängen, mit einem Stern oder einer Sonne, in deren Strahlen die positiven Aspekte des Jahres geschrieben werden. Negative Erlebnisse kann man loswerden, indem man sie auf Steine oder Schiffchen schreibt und in einem Bach wegschwimmen lässt.
  • Ein Rückblick-Fotoalbum zusammenstellen. Dafür zum Beispiel auch die Verwandtschaft, die man dieses Jahr gar nicht oder nur selten gesehen hat, bitten, dass sie Fotos beisteuert. So kommt doch die ganze Familie, zumindest in Bildern, zusammen. Je nach Alter der Kinder kann man ein Fotobuch digital erstellen oder basteln. (mz)

Die KJF Kinder- und Jugendhilfe Memmingen-Unterallgäu in der Herrenstraße 15 in Memmingen ist erreichbar unter der Telefonnummer 08331/ 498950 und per Mail an eb.memmingen@kjf-kjh.de.

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