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Unterallgäu

12.11.2020

Unterallgäu trotzt der Krise: Warum ist der Landkreis so bärenstark?

Gute Aussichten im Unterallgäu. Die Wirtschaft im Landkreis ist bisher besser durch die Krise gekommen, als zunächst befürchtet wurde.
Bild: Gutmann

Plus Die Corona-Pandemie hat der Landkreis bisher recht gut verkraftet. Warum das Unterallgäu nicht so anfällig ist.

Bei mehreren Vergleichsstudien in den vergangenen Jahren hat das Unterallgäu regelmäßig Spitzenplätze erklommen, zuletzt bei Focus Money im Jahr 2020 mit Platz fünf. Was aber macht diesen Landkreis Unterallgäu wirtschaftlich eigentlich so bärenstark, dass er die Corona-Krise bisher relativ gut weggesteckt hat?

Der Leiter der Wirtschaftsförderung am Landratsamt, Michael Stoiber, betonte vor dem Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus besonders die Bedeutung der vielen kleineren Betriebe. Insgesamt bietet das Unterallgäu 51.060 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Fast 90 Prozent aller 7284 Betriebe im Unterallgäu sind Kleinstunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten. Dabei dominiert das produzierende Gewerbe mit rund 27.500 Arbeitsplätzen. Fast 53 Prozent der Wertschöpfung im Unterallgäu geht auf diesen Sektor zurück. Handel, Gastgewerbe und Verkehr bieten fast 9900 Arbeitsplätze. Die Land- und Forstwirtschaft zählt 598 Arbeitsplätze oder 1,2 Prozent.

Über 2400 Handwerksbetriebe sorgen für Wohlstand

Aber auch die 2445 Handwerksbetriebe mit ihren 11.200 Mitarbeitern tragen entscheidend zum Wohlstand der Region bei. Sie machten im Vorjahr einen Umsatz von 1,54 Milliarden Euro.

Die Wertschöpfung geht zu 52,7 Prozent auf das produzierende Gewerbe zurück. Das waren im Jahr 2019 laut Angaben des Landesamtes für Statistik 2541 Millionen Euro. Im Dienstleistungsbereich im Unterallgäu wurden 2170 Millionen Euro erwirtschaftet. Das entspricht 45 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Land- und Forstwirtschaft trug zur Wirtschaftsleistung 110 Millionen Euro oder 2,3 Prozent bei.

Besonders umsatzstark sind Industrieunternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten, führte Stoiber weiter aus. Diese 136 Unternehmen mit 22.458 Beschäftigten erzielten einen Umsatz über 4,9 Milliarden Euro.

Und noch etwas zeichnet das Unterallgäu aus: Im Landkreis wird außergewöhnlich viel ausgebildet. 1831 Ausbildungsverhältnisse meldet die IHK für das vorige Jahr. 802 Ausbildungsverhältnisse sind es im Bereich des Handwerks. Interessant dabei: Trotz Corona halten die Betriebe an ihrer Strategie fest, sich selbst um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Die Arbeitslosenquote ist stabil niedrig

Bekannt robust steht der Arbeitsmarkt da. Im laufenden Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent im Jahresschnitt. Bei den bis zu 24-Jährigen sei sie mit 2,7 Prozent sehr gering, sagte Stoiber. Zeitweise deutlich nach oben ging heuer die Zahl der Kurzarbeiter. Sie lag bei über 9000.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt auch der Tourismus. Die Zahl der Übernachtungen lag im Vorjahr bei fast 1,1 Millionen. Lediglich das Schwergewicht Bad Wörishofen erlebt seit 2013 einen Rückgang von über 700.000 auf knapp 650.000. Allerdings kommen in die Kurstadt immer mehr Menschen. Sie bleiben nur nicht mehr so lange. Die Zahl der Ankünfte stieg im Jahr 2013 von 124.150 auf knapp 151.300 im Jahr 2019.

Corona hat die Branche generell hart getroffen. Die Zahl der Übernachtungen lag 2020 im Unterallgäu Ende August nur noch bei 407.000. Die Aufenthaltsdauer sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf 3,4 Tage im Vorjahr. Das Corona-Jahr hat diesen Trend umgedreht. Heuer blieben die Gäste im Schnitt 3,8 Tage.

Die Branchen sind unterschiedlich stark betroffen

Aufgrund der Corona-Pandemie rechnen laut Industrie- und Handelskammer 70 Prozent der Unternehmen mit Umsatzrückgängen. Auch hier ist die Betroffenheit branchenabhängig, wie Wirtschaftsförderer Stoiber erläuterte. Während etwa die Verpackungsindustrie oder das Ernährungsgewerbe wenig bis gar nicht unter der Krise leiden würden, wirke sich diese zum Beispiel auf den Maschinenbau stärker aus.

Bestünden in einer Branche bereits Schwierigkeiten, wie zum Beispiel bei Automobilzulieferbetrieben aufgrund des Strukturwandels in der Automobilbranche, dann sei Corona ein „Problemverstärker“. „Insgesamt kann man aber sagen, dass die Umsatzrückgänge in den meisten Fällen noch nicht existenzbedrohend sind.“ Die große Frage sei allerdings, wie es in den kommenden Monaten weitergehe.

Wenn es in der Wirtschaft nicht mehr ganz so gut läuft, hat das auch Folgen für die Kommunen. In den ersten drei Quartalen heuer zahlten die Betriebe 55,5 Millionen Euro Gewerbesteuern. Das ist ein Minus gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres von 7,7 Prozent. Die Steuereinnahmen der Gemeinden hatten 2018 ihren Höchststand mit 140,2 Millionen Euro in den ersten drei Quartalen erreicht. Heuer waren es bis Ende September 127,5 Millionen Euro, teilte Stoiber mit.


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