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Konzert

21.11.2018

Uraufführung für ein ungewöhnliches Werk

Kantorin Tanja Schmid an der Orgel begleitete die Sopranistin Heike de Young und Tenor Jürgen Lehmann, der auch Komponist des Werkes „Licht, das in sich kreist“ ist.
Bild: Thessy Glonner

Ein berühmtes Bild hat einen Sechsjährigen derart beeindruckt, dass er nun, als Erwachsener, eine Komposition dazu schuf

„Licht, das in sich kreist“ hieß der Titel eines außergewöhnlichen Werkes, dessen Uraufführung während eines Kantatengottesdienstes in der evangelischen Erlöserkirche präsentiert wurde. Die Komposition, dargebracht mit souveränem Orgelspiel von Kantorin Tanja Schmid, wurde von Jürgen Lehmann, Lehrer für Blechblasinstrumente an den städtischen Sing- und Musikschulen in Marktoberdorf und Kaufbeuren, kreiert. Lehmann brillierte bei seinem Stück zudem als Tenor.

Gemeinsam mit Sopranistin Heike de Young, Musiklehrerin am Maristenkolleg Mindelheim, interpretierte er Gedichte von Barbara Hampel, die sich dabei von ihren Gefühlen beim Anblick des Bildes „Auferstehung“ von Matthias Grünewalds „Isenheimer Altar“ in Colmar inspirieren ließ.

Einen Druck des Kunstwerks bewunderte auch einst der sechsjährige Jürgen Lehmann im Schlafzimmer seiner Oma. Dabei müsse sich „so etwas wie eine Klangvision“ ereignet haben, erklärte Susanne Ohr in ihrer Werkseinführung.

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Lehmann habe noch die „Verzweiflung“ darüber in Erinnerung, dass er damals noch nicht in der Lage war, das Gesehene gleich zu vertonen. Als er dann später Noten schreiben konnte und im Gespräch mit Barbara Hampel erfuhr, dass sie die Schöpferin der Texte zum Isenheimer Altar ist, war die Idee für sein nächstes Projekt geboren.

Er komponierte zu Hampels sensibler Lyrik Sätze, die – so Ohr – „konzipiert sind, wie ein Betrachter diese Tafel ansehen würde. Zuerst zieht das Licht ihn an. Dann schaut man interessiert eine der dunklen Stellen an, um dann doch wieder vom Licht angezogen zu werden.“ Der größtmögliche Licht-Dunkelheit-Kontrast spiegele sich darin. Mit Worten der Dichterin heißt das: „Licht, das in sich kreist und den Pulsschlag des Universums nicht anhält, wählt die Ruhe des Unendlichen, das sich Bahn bricht in Nächten. Licht führt keinen Krieg. Der Sieg ist unvermeidlich.“

Gesiegt bei den Kirchenbesuchern haben die Protagonisten mit ihrer Darbietung ganz gewiss, denn mit herrlich harmonischen Klangfarben haben Sopranistin, Tenor und Orgelspielerin wunderbar umgesetzt, was die Lyrikerin sich zu den Szenen erdacht hat.

Das beachtliche Werk war eingebettet in einen Gottesdienst, der zusätzlich durch eine äußerst positiv stimmende Predigt von Pfarrerin Susanne Ohr und durch die von Hermann Förschner einfühlsam gelesenen Evangeliumsverse bereichert wurde. Am Ende schien es, als kreise das Licht nicht nur „in sich“, sondern es verbreitete auf wundersame Weise auch nach außen Helligkeit, die für einen ganzen Novembersonntag reichte.

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