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Bad Wörishofen

25.01.2019

Urteil: Mit gezücktem Messer vor der Polizeiwache

Die Justiz hatte über die Folgen einer versuchten Gefangenenbefreiung aus dem Polizeigewahrsam in Bad Wörishofen zu entscheiden.
Bild: Kaya

Ein junger Mann versucht, eine Verwandte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Nun stand er dafür vor Gericht.

Immer wieder waren es exzessiver Alkoholkonsum und Drogen, die einen Heranwachsenden in den vergangenen Jahren ausrasten ließen. Diesmal stand der junge Mann vor dem Jugendschöffengericht, weil er im Vollrausch versucht hatte, bewaffnet eine Verwandte aus dem Gewahrsam der Polizei in Bad Wörishofen zu befreien.

Die junge Frau war wegen Suizidgefahr von den Beamten mitgenommen worden, um Schlimmeres zu verhindern. Der Vorwurf der Staatsanwältin lautete auf „versuchte Gefangenenbefreiung sowie Beleidigung der Polizisten“.

Jugendrichter Markus Veit hatte dem Angeklagten schon bei dessen letztem Termin vor Gericht dringend geraten, die Finger vom Alkohol zu lassen und ihm angedroht, dass es beim nächsten Mal keine Bewährungsstrafe geben werde. Und er hielt sein Wort.

Das war passiert: Im Frühjahr vergangenen Jahres „hingen“ der Angeklagte und seine Verwandte etwas herum. Sie tranken an einem Nachmittag eine Flasche Wodka mit etwas Saft. Die Begleiterin erhielt dann eine SMS, die sie an ein schreckliches Erlebnis erinnert habe, hieß es. Als die jungen Leute später eine Bekannte in Bad Wörishofen besuchten, erlitt die junge Frau einen Zusammenbruch. Sie habe gedroht, sich das Leben zu nehmen, und soll sich schon ein Messer an den Hals gesetzt haben. Daraufhin rief die Bekannte die Polizei. Die Beamten entschieden daraufhin, die junge Frau mitzunehmen und in ärztliche Behandlung zu bringen.

Als die junge Frau schon im Polizeiauto sitzt, schreitet der Angetrunkene in Bad Wörishofen zur Tat

Die Frau nahm angegurtet auf der Rückbank des Polizeiautos Platz, daneben saß eine Beamtin. Plötzlich tauchte dann der Angeklagte – er hatte sich zwischenzeitlich in dem Haus noch eine Flasche Gin besorgt – auf, und forderte die Freilassung seiner Begleiterin. Die Situation eskalierte, als der Angeklagte die Autotür öffnete.

Dabei gingen jedoch die Erinnerungen auseinander. Während die Polizisten aussagten, dass er zumindest nach dem Fuß der Frau gegriffen habe, um sie herauszuziehen, verneinten dies der Angeklagte und seine Begleiterin. Schließlich schloss der andere Polizist von außen die Tür und die Beamtin verriegelte diese von innen.

Mit dem Messer in der Hand lief der Mann durch Bad Wörishofen

Im Laufe der Auseinandersetzung gab es noch wüste Beschimpfungen gegenüber den Beamten. Der junge Mann stellte sich auch noch dem Polizeiauto in den Weg, doch schließlich konnten die Beamten in Richtung Polizeistation Bad Wörishofen abfahren.

Doch damit endete die Geschichte noch nicht. Wenig später ging bei der Polizei nämlich ein Anruf ein, dass ein Mann in Richtung Polizeiwache unterwegs sei, mit einem größeren Messer bewaffnet, und dabei wüste Drohungen ausstoße und mit dem Messer in die Bäume steche. Die Polizisten verriegelten die Inspektion und forderten noch eine weitere Streife an. Mittlerweile war auch der Vater des Angeklagten aus Zufall zur Wache gekommen. Als der junge Mann an der Polizei ankam, nahm ihm der Vater das Messer ab und die Situation entspannte sich.

Der Angeklagte und seine Verwandte hatten nach den Ermittlungen jeweils rund 1,5 Promille Alkohol im Blut. Die Begleiterin wurde wegen der Suizidgefahr ins Bezirkskrankenhaus gebracht.

Vor Gericht wurde deutlich, dass der junge Mann vor fünf Jahren erstmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Wie ein roter Faden zog sich bei dem angesammelten Vorstrafenregister das Problem Alkohol und Drogen durch. Immer unter Vollrausch war der Angeklagte mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, wobei das Sündenregister von Fahren ohne Fahrerlaubnis, Sachbeschädigung, Bedrohung, Diebstahl bis Beleidigung reicht.

„Du bist Alkoholiker und du weißt es“, sagte Richter Veit. Aber dies sei keine Ausrede für Straftaten. Zuletzt hatte es eine Jugendstrafe in Höhe von zwei Jahren auf Bewahrung gegeben. In diese Strafe wurden Vorstrafen miteinbezogen. Veit hatte dem Angeklagten damals mit auf den Weg gegeben, dass es die „letzte“ Bewährungsstrafe sei. Und er sei dann drei Monate nach dem Urteil wieder straffällig geworden.

Der Angeklagte konnte sich an den besagten Nachmittag kaum noch erinnern. Er sagte gegenüber der Gerichtshilfe, er trinke besonders bei Langeweile. Die Sozialarbeiterin vermutete als Grund für den Bruch im Lebensweg eine Erkrankung des Angeklagten. Nach dem letzten Vorfall habe der junge Mann nun eine Lehre begonnen, dem Alkohol versuche er durch Sport aus dem Weg zu gehen. Weiter sei er zum Teil in Blockbeschulung, wo Alkohol strikt verboten sei. Er wünsche sich, die Ausbildung fortsetzen zu können.

Im Plädoyer wertete die Staatsanwältin es als positiv, dass der junge Mann geständig sei. Auf der anderen Seite stünden eine hohe Aggressivität und das Vorstrafenregister. Sie halte nichts von dem Weg einer „parallelen Strafe“, die der Verteidiger ins Spiel gebracht habe. Sie forderte deshalb unter Einbeziehung der Bewährungsstrafe eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Das Jugendschöffengericht schloss sich weitgehend dieser Auffassung an und verurteilte den Angeklagten zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Richter Veit riet der jungen Frau zudem dringend, sich in Therapie zu begeben, um dieses Ereignis, das sie anscheinend immer noch belaste und zum Trinken bringe, aufzuarbeiten. Und auch dem Angeklagten riet er, alle möglichen Hilfen in Anspruch zu nehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte an, Rechtsmittel einlegen zu wollen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.01.2019

"Vor Gericht wurde deutlich, dass der junge Mann vor fünf Jahren erstmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Wie ein roter Faden zog sich bei dem angesammelten Vorstrafenregister das Problem Alkohol und Drogen."
Dem Problem Alkohol und Drogen hätte man dann auch schon früher mit einer "kontrollierteren Umgebung" sprich keiner Aussetzung auf Bewährung entgegenwirken können.
Was mir abgeht in dem Bericht: Wie alt ist der "junge Mann" denn eigentlich? Fünf Jahre Vorstrafenregister, also mindestens 19, dazu jetzt fast ein Jahr seit dem letzten Vorfall, also 20. Und warum wird man als mindestens 20-jähriger vom Richter geduzt? „Du bist Alkoholiker und du weißt es.“

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