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22.07.2010

Vorbildliche Zivilcourage

Bad Wörishofen "Richtig helfen, aber nicht den Helden spielen" - so lautet eine Broschüre der Polizei, die Tipps zum Einschreiten bei Gewalttaten gibt. Als hätten alle Zeugen des Raubüberfalls vorgestern Nachmittag in der Kneippstraße diese gelesen, arbeiteten sie beispielhaft zuerst untereinander und später mit der Polizei zusammen. "Diese Zivilcourage war vorbildhaft," lobt auch der Leiter der Polizeiinspektion Edmund Martin im Gespräch mit der MZ den Einsatz.

Die Zeugen haben wirklich couragiert hin- und nicht weggeschaut und hätten nicht besser handeln können, oder?

Martin: Ja, wirklich, an erster Stelle mein Dank an alle. Ohne diese optimale Hilfe wären wir nicht so schnell zum Ziel gekommen. Vom Hilferuf des Mannes auf der Kneippstraße angefangen, über die schnelle Verständigung der Polizei durch die Geschäftsführerin des angrenzenden Cafés bis hin zur Verfolgung des Täters lief aus unserer Sicht alles bestens. Die Geschäftsführerin hat ja das Telefongespräch mit uns sogar gehalten, sodass wir zu jeder Sekunde genau unterrichtet waren, was gerade ablief. Auch der Arbeiter von den Stadtwerken hat mehr als gut agiert, den Täter angebrüllt und durch sein selbstsicheres Auftreten gezeigt, dass er sich nicht fürchtet. Er konnte den Täter ja auch stellen. Dann hat er souverän sein Jedermannsrecht der Festnahme auf frischer Tat wahrgenommen. Einige Senioren haben ihm auch noch geholfen, den Täter festzuhalten. Die Situation ist zu keinem Zeitpunkt eskaliert, es spielte ja sogar das Kurorchester einfach weiter.

Kritisiert wurde von einigen Passanten das späte Eintreffen der Polizei.

Vorbildliche Zivilcourage

Martin: Laut unserem Protokoll haben wir genau fünf Minuten von der Verständigung bis zum Tatort gebraucht. Zufällig waren gerade viele Kollegen auf der Dienststelle, Sport stand auf dem Programm. Wir haben uns nur schnell unsere Waffen und kugelsicheren Westen gegriffen und sind in die Autos gesprungen. Ich selbst leitete den Einsatz in kurzen Hosen, Zeit zum Umziehen hatten wir nicht. In einem Zivilauto bin ich mit flottem Tempo und Blaulicht selbst durch die temporeduzierten Bereiche gefahren, schneller ging es wirklich nicht. Unsere Streife war im Bereich Ettringen/Türkheim unterwegs und traf nach rund 11 Minuten am Tatort ein. Ich habe aber Verständnis für diese Wahrnehmung der Passanten, denn bei Menschen, die sich in Stresssituationen befinden, ist das gefühlte Zeitempfinden meist deutlich länger.

Einen Täter konnte der Mitarbeiter der Stadtwerke ja bereits stellen, weitere waren flüchtig. Wie konnten Sie diese so schnell festnehmen?

Martin: Aufgrund der optimalen Zeugenhinweise und der guten Orts- und Personenkenntnisse meiner Beamten wussten diese sofort, das kann nur der Soundso sein. Ich besorgte die entsprechenden Durchsuchungsbefehle der Wörishofer Wohnungen beim Staatsanwalt, die wir auch sofort bekamen. Bereits um 16 Uhr nahmen meine Leute den zweiten Verdächtigen in einer Wohnung fest, um 17.27 Uhr dann ein weiteres Pärchen in einer anderen Wohnung.

Leisteten die Mittäter Widerstand?

Martin: Nein, sie leisteten alle keinen Widerstand. Bei der Durchsuchung der Wohnung des 32-Jährigen fanden wir aber Gegenstände, die auf weitere Straftaten hindeuten. So wurden geringe Mengen an Betäubungsmittel sowie diverse Ausweisdokumente gefunden. Hier sind jetzt Anschlussermittlungen notwendig.

Wurden Haftbefehle erlassen?

Martin: Der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Memmingen hat gestern Nachmittag gegen alle drei Männer Haftbefehl erlassen, sie sitzen nun in Untersuchungshaft. Alle sind der Polizei hinlänglich, unter anderem wegen Verstößen nach dem Betäubungsmittelgesetz, bekannt. Der anfängliche Verdacht, dass das 15-jährige Mädchen in die Tat involviert gewesen sein könnte, hat sich bislang nicht bestätigt. Sie wurde noch am Tatabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

War denn die benutzte Waffe echt?

Martin: Nein. Bei der benutzten Tatwaffe handelte es sich um eine sogenannte "Soft-Air-Waffe", die einer echten Schusswaffe täuschend ähnlich sieht.

Jetzt war aber gestern in einer Polizeimeldung doch von leichten Verletzungen die Rede.

Martin: Der Mitarbeiter der Stadtwerke hat beim Überwältigen des 19-jährigen mutmaßlichen Haupttäters leichte Schürfwunden erlitten, ebenso wie ein Polizeibeamter.

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