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Türkheim

19.07.2019

Waaghaus: Klappe, die Letzte!?

Das Waaghaus in Türkheim wird saniert und um einen Anbau für Veranstaltungen erweitert. Der Bauantrag ist fertig und wird am Donnerstag im Gemeinderat durchgewunken – damit endet wohl auch eine jahrelange, hitzige Debatte in Türkheim.
Bild: alf

Plus Mit der Verabschiedung des Bauantrags wird auch die nicht enden wollende Diskussion über Sinn und Unsinn der Waaghaus-Sanierung wohl ein Ende finden.

Kurz und knapp steht Punkt 2 auf der Tagesordnung zur Sitzung des Türkheimer Marktgemeinderates am Donnerstag, 25. Juli, um 19 Uhr: Vorstellung und Beschluss Bauantrag Waaghaus. Stimmt der Gemeinderat zu – und daran gibt es kaum einen Zweifel – dann können noch in diesem Jahr die Bauarbeiten, zumindest aber die Vorbereitungen, beginnen.

Damit wird dann wohl eine jahrelange kontroverse und (vor allem) emotionale Diskussion über Sinn und Unsinn der Sanierung des Waaghauses ein (endgültiges?) Ende finden – so zumindest die Hoffnung der Befürworter einer Waaghaus-Sanierung, an deren Spitze Bürgermeister Christian Kähler steht, der seine Wahl zum Bürgermeister nicht zuletzt seinem klaren Ja zu Erhalt und Sanierung des historischen Hauses in der Türkheimer Ortsmitte zu verdanken hat.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Alf Geiger:

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Waaghaus: Jetzt nur noch nach vorne

Fest steht: Von den 1,9 Millionen Euro Gesamtkosten werden abzüglich staatlicher Zuschüsse mehr als 700.000 Euro an der Gemeindekasse hängen bleiben. Seit vielen Jahren gibt es zu dieser Frage zwei – tief gespaltene – Lager in Türkheim: Für die einen ist es schlicht ein Unsinn, das marode Gebäude für viel Geld zu sanieren. Die Wortführer der Waaghaus-Gegner sind in den Reihen der FW-Fraktion im Gemeinderat zu finden – und daran hat sich nichts geändert, wie die Freien Wähler nicht müde werden zu betonen.

„Das Waaghaus ist eine Ruine. Die geplante Sanierung steht in keinem Verhältnis“, sagte FW-Fraktionschef Otto Rinninger in einer der vielen Sitzungen zu diesem Thema. Deshalb hatten er und seine Fraktion immer wieder für einen „Ersatzneubau“ geworben, der auch durchaus zuschussfähig sein könnte. Sogar an einen „Bürgerentscheid“ hatten die Freien Wähler zeitweise gedacht – doch dann zurückgezogen.

Sowohl Befürworter als auch Gegner nehmen für sich die Mehrheit in Anspruch

Sowohl Waaghaus-Befürworter wie Waaghaus-Gegner nehmen für sich in Anspruch, eine „Mehrheit“ in der Türkheimer Bevölkerung hinter sich zu wissen. FW-Ortsvorsitzender und Gemeinderat Franz Haugg nimmt dabei auch immer wieder für sich in Anspruch, die Mehrheit der Türkheimer hinter sich zu wissen: „Für diese schwierige Renovierung gibt es keinen Rückhalt beim Türkheimer Bürger,“ sagte Haugg.

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360.000 Euro vom Bund für das Waaghaus

Als engagierte Kämpferin für den Erhalt des historischen Waaghauses hat sich stets auch SPD-Rätin Agnes Sell engagiert: Sie ist überzeugt, eine „stille Mehrheit“ in Türkheim hinter sich zu wissen, die sich für ein „Soziales Zentrum“ ausspreche. Zudem sei nun mal auch keine Möglichkeit, das Waaghaus einfach abzureißen, wie dies die FW gefordert haben, betonte Sell mehrfach: „Das Waaghaus ist nun mal denkmalgeschützt, wir können und dürfen es nicht abreißen“.

Für Agnes Sell kam in der öffentlichen Diskussion in Türkheim ohnehin viel zu kurz, dass es bei der Sanierung des Waaghauses doch schon längst nicht mehr nur darum gehe, ein historisches Gebäude zu sanieren: „Wir bauen hier ein soziales Zentrum für alle Bürger“, so Sell, die auch auf die großzügigen Zuschüsse hinwies, die der Marktgemeinde dadurch zugute kommen.

Einmal kam auch Bürgermeister Kähler ins Grübeln

Auch Bürgermeister Christian Kähler verweist dabei immer wieder auf die Zwänge des Denkmalschutzes: „Ein Abriss ist nicht möglich“.

Nur einmal ist selbst der engagierte Waaghaus-Befürworter Bürgermeister Christian Kähler ins Grübeln gekommen, als bei Abbrucharbeiten im März die historische Kirchhofsmauer ans Tageslicht kam. Ja, er habe sich durchaus seine Gedanken gemacht, ob die bisherigen Pläne zur Sanierung des Waaghauses angesichts dieser neuen Situation noch die Richtige sei, so Kähler. Deshalb habe er sich viel Zeit genommen und bei allen verfügbaren Behörden und Experten schlaugemacht, ob sein Gemeinderat nicht doch noch einmal die bereits beschlossene Planung mit einem Anbau für einen Veranstaltungssaal – die sogenannte Variante 1 –überprüfen solle.

Doch er habe bei allen Gesprächen mit allen Fachleuten immer wieder die gleiche Antwort bekommen: Auch nach der „Entdeckung“ der historisch wertvollen Kirchhofsmauer sei keine „neue Situation“ entstanden – beide historischen Bauwerke könnten saniert und erhalten werden und würden sich am Ende sogar „gegenseitig aufwerten“. Und da war dann auch für Kähler klar, dass es eben doch keinen vernünftigen Grund gebe, noch einmal alle Planungen über den Haufen zu werfen. Die „Variante 1“ sieht einen Anbau vor, in dem Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen stattfinden können. Gemeinsam mit der Volkshochschule wurde ein Nutzungskonzept ausgearbeitet.

Termin Die Sitzung am Donnerstag, 25. Juli, beginnt um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Unter anderem steht ein Grundsatzbeschluss für die Errichtung von Carports außerhalb der festgesetzten Baugrenzen innerhalb eines Baugebietes auf der Tagesordnung.

Mehr zum Thema finden Sie hier:

Aktuelles zu Waaghaus und Kirchenmauer

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