Hobby

30.04.2018

Wie einst Grace Kelly

So sieht es aus, wenn Florian Graf sich mit seinem Boot auf dem Lago Maggiore für den Fotografen ins Zeug legt.
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So sieht es aus, wenn Florian Graf sich mit seinem Boot auf dem Lago Maggiore für den Fotografen ins Zeug legt.
Bild: Graf

Breitenbrunn hat weder Hafen noch Küste. Warum Liebhaber klassischer Motorboote den Ort trotzdem kennen.

Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: die einzige Werft im Unterallgäu besitzt die Schreinerei Graf in Breitenbrunn. Wegen seiner Leidenschaft für Motorboote aus Holz, baut Florian Graf gemeinsam mit seinem Vater nämlich selbst welche. Doch darüber hinaus kommen ebenso Besitzer auf sie zu, um ihre Boote über den Winter bei der Schreinerei Graf wieder auf Vordermann bringen zu lassen. „Wir bekommen immer mehr Anfragen von Kunden, die ihr Boot vom Bodensee oder auch vom Gardasee holen, um es hier restaurieren zu lassen“, erzählt Florian Graf. Die Mehrzahl sind hauptsächlich die Klassiker: Holzboote der Marke Riva mit denen schon Grace Kelly vor Monaco auf dem Mittelmeer unterwegs war. Mit denen kennt sich der Schreiner schon seit vielen Jahren aus, da sie als Vorbild für sein eigenes Modell, die Ipanema, dienten.

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„Es ist immer sehr schwer vorherzusagen, wie lange es dauern wird und was es genau kosten wird, solch ein Boot zu restaurieren“, meint Graf. Schließlich sind die meisten Modelle die seine Werkstatt erreichen 40 bis 50 Jahre alt und da ist es nur mit kleinen Schönheitsreparaturen auf die Dauer nicht mehr getan. Durch mehrmaliges Schleifen und Lackieren ist oftmals die oberste Furnierschicht so dünn, dass sie eigentlich wieder erneuert werden müsste. Was aber natürlich zeitaufwendig ist und auch finanziell einen größeren Aufwand bedeutet.

Manchmal erweist sich so manches Schmuckstück, das von außen noch recht solide gewirkt hat, aber erst bei genauerer Betrachtung als innerlich recht morsch. Und das ganze Ausmaß der Schäden kommt oft erst zum Vorschein, wenn man erst einmal die Bodenplatte im Innenraum hochhebt und die Spanten vor sich sieht.

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Eine gefährliche Sache, findet Florian Graf. Schließlich sind die Wasserfahrzeuge oft ebenfalls mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs. „80 bis 90 Stundenkilometer sind keine Seltenheit, und die erscheinen auf dem Wasser noch viel schneller“, gibt er Auskunft. Da wirken viele Kräfte auf die Holzkonstruktion, die dann einiges aushalten muss.

Leider kommen solche Mängel oftmals von unsachgemäßen Restaurierungen oder schlecht durchgeführten Wartungsarbeiten. Deshalb ist es Florian Graf eigentlich ganz recht, wenn der Bootsbesitzer hier in der Nähe ist, damit er die verschiedenen Schritte der Restaurierung und die vorhandenen Schäden auch wirklich selber anschauen kann. Und die Absprache über die notwendigen Arbeiten funktioniere so einfach besser, ist er sich sicher. Ihm seien schon Geschichten zu Ohren gekommen, bei denen Betriebe die Besitzer mutwillig getäuscht haben. Sei es mit falschen Bildern über den Zustand der Boote oder aber durch schlechte Arbeit am Fahrzeug. Vom Motor, zur Windschutzscheibe, über den Stoff für die Sitze bis hin zu den neuen Edelstahlbeschlägen: Graf liefert seinen Kunden einen Rundum-Service. Schließlich kennt er die Händler schon seit vielen Jahren. Weiß aber auch, dass viele ihre Monopolstellung genießen und entsprechende Preise verlangen. Ein Original Steuerrad von Riva kostet zum Beispiel 2500 Euro. Und auch für manch anderes Teil sind nach oben hin natürlich nie Grenzen, vor allem bei so mancher Sonderanfertigung oder Extra-Beschaffung. „Aber man darf sich bei einem geliebten Hobby nicht nur die reinen Zahlen anschauen“, meint der Breitenbrunner. Bei einem Oldtimer frage man ja auch nicht nach einem billigen Ersatzteil in einer seltenen Baureihe, gibt er zu Bedenken.

Die meiste Arbeit mit einem Boot, haben die Besitzer normalerweise im Herbst, bevor sie ihre Wasserfahrzeuge ins Winterlager bringen. Dann wird alles noch schön geputzt, der Motor bekommt einen Korrosionsschutz eingefüllt, die Flächen unter Wasser werden extra gründlich gesäubert und vielleicht ein Bewuchsschutz aufgetragen. Dann wird im Frühjahr nur der Motorschutz entfernt und es kann losgehen.

Auch für zwei der Boote die noch in Breitenbrunn stehen, wird es bald wieder ins Wasser gehen. Die Riva Junior darf dann den Sommer über im Gardasee ihre Runden ziehen. Nachdem die untere Hälfte nun fertig restauriert wurde, steht im nächsten Winter dann wahrscheinlich die andere Hälfte an. Wieder hier in der einzigen Werft im Unterallgäu, die aber durch einen Zufall mittlerweile sogar einen richtigen Bootsbaumeister beschäftigt. Also bestens gerüstet ist für alle der anfallenden Arbeiten.

Florian Graf selbst findet übrigens sehr wenig Zeit für sein Hobby. Er kann es noch gar nicht abschätzen, wie oft er es schaffen wird, samt seiner Familie an den Bodensee zu fahren und eine Fahrt mit seinem Boot zu genießen. Hört man aber seinen detaillierten Berichten zu, dann merkt man: dieses präzise Know-How kommt von der Leidenschaft für dieses Fachgebiet, das ihm anscheinend ebenso viel Spaß bereitet, wie selbst am Steuerrad zu stehen.

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