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Mundartwettbewerb der Mindelheimer Zeitung

05.03.2016

Z’Hollywood geit’s so ebbs it

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3 Bilder
Die Sieger des Mundartwettbewerbs der Mindelheimer Zeitung
Bild: Ulf Lippmann

Beim großen Festabend rund um den Dialekt gab es eigentlich nur Gewinner

Wer es gerne volkstümelnd, spießig und ein wenig altbacken mag, der erlebte beim Mundart-Festabend im Mindelheimer Stadttheater eine große Enttäuschung. Mit Witz und viel Freude an der „Muatrsprauch“ bewiesen die Preisträger des Mundartwettbewerbs von Mindelheimer und Memminger Zeitung, dass der schwäbische Dialekt absolut auf der Höhe der Zeit und Teil des alltäglichen Lebens ist.

Die Themen der Beiträge reichten von der Flüchtlingswelle bis zur Fastenzeit und von Adam und Eva bis zum Schneckenkorn.

Fast 100 Einsender hatten ihre G’schichtla und Gedichtla geschickt, die von der vierköpfigen Jury genau unter die Lupe genommen wurden. Waltraud Mair, Margot Walser, Manfred Kraus und Hans Ferk hatten alle Hände voll zu tun, die Gewinner zu küren. „Soviel Kora ond fascht koi Sprui“, sagte Juror Manfred Kraus über die Texte. „Wia d’Bruatl“ habe er auf dem heimischen Kanapee gesessen und habe die Texte gelesen. Ihm und seinen Jury-Kollegen sei dabei das Herz aufgegangen. Die Erwartungen seien mehr als übertroffen worden.

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Wie zuvor bereits Schirmherr Landrat Hans-Joachim Weirather betonte auch Kraus, wie wichtig der Dialekt als ein Stück Heimat sei. „D’Sprauch g’hert zu eis ond hält eis zema“, sagte Kraus

Dass man damit gar nicht früh genug anfangen kann, bewiesen Schüler aus Heimertingen, die gemeinsam mit ihrer Lehrerin Monika Dörr die Geschichte vom „Butz vo Hoimertinga“ einstudiert hatten, in der es um die frechen Hausgeister geht, die auf schwäbischen Bauernhöfen daheim sind.

Die 15 Gewinner des Wettbewerbs trugen dann ihre Beiträge vor und sorgten für andächtige Stille ebenso wie für lautes Gelächter im Saal.

Kindheitserinnerungen an das kleine Heimatdorf oder die Weihnachtskrippe wurden geweckt, der Klimawandel kam vor und fast vergessene Berufe. Aber es gab auch einen Ausflug zu den Schnecken ins Salatbeet und „s’Lachafiera“ wurde ebenfalls besprochen.

Besonders viel Beifall bekam Oberriedens ehemaliger Bürgermeister Georg Leinsle für sein Gedicht über die Fastenzeit. Mit unnachahmlich trockenem Humor schilderte er seine liebe Not mit dem Abnehmen und gipfelte in der Feststellung „Und bi i nau amaul schlank und schea / Was dua i nau? Nau fress i mea!“

Zwischen den schwäbischen Texten sorgte die Mindelheimer Saitenmusik mit Adeline Kluger, Ingeborg Engstle und Monika Färber für Unterhaltung, doch es gab auch musikalische Wettbewerbsbeiträge.

So sang Peter Hanka aus Wolfertschwenden über seine Allgäuer „Wuuzla“ und Inge Drexel aus Nassenbeuren gab gemeinsam mit Isabella Wiedenmann von der Gruppe „Öha“ das „Unterallgäu Lied“ zum besten. Der Landkreis „isch a bsondrer Fleck“ heißt es da zum Beispiel und da wollte an diesem Abend wohl auch niemand widersprechen.

Die ersten fünf Plätze belegten folgende Teilnehmer: Petra Klotz aus Amendingen sinnierte über den Memminger Dialekt, Christine Ledermann aus Türkheim schrieb ihre Verse über „s’Leaba“, Alfons Biber aus Bedernau erläuterte, was „Dr Bedernauer Dialekt“ ist, Reinhard Heuß aus Memmingen erzählte eine Geschichte übers alte „Kundebuach“ und Dr. Johann Liebrich aus Frickenhausen, gab mit „Ma ond Weib“ eine gereimte Geschichte aus dem Paradies zum besten.

Aber eigentlich, so betonten die Juroren, gab es an diesem Abend nur Gewinner. Ob Platz fünf oder 15 war völlig egal, alle Teilnehmer hatten ihre Preise und Urkunden mehr als verdient und man hätte leicht doppelt so viele Beiträge auswählen können.

Einen ganz besonderen Gewinner gab es aber noch, die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung. Die Gäste des Abends im Stadttheater spendeten nämlich rund 780 Euro für in Not geratene Mitbürger.

Eine ganz besondere Überraschung hatte sich Alfons Biber noch bis zum Schluss aufgehoben. Im Namen der Preisträger bedankte er sich bei den Organisatoren und der Jury ganz herzlich und natürlich stilecht mit einem schwäbischen Gedicht. Den Mundartabend verglich er darin mit der Oscar-Verleihung in Kalifornien und zählte Paralellen und Unterschiede auf.

Er wünschte sich, dass auch die Preisverleihung in Mindelheim künftig regelmäßig stattfindet, denn eins ist ganz sicher: „Z’Hollywood geit’s so ebbs it!“

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