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Kraftsport

09.12.2020

Wie zwei Allgäuer zu "Ninja Fratelli" werden

Gemeinsam abhängen mal anders: Sebastian Gilg (links) und Toni Mitrugno trainieren gemeinsam und wollen als die „Ninja Fratelli“ für Furore sorgen.
Bild: Dominik König

Plus Zwei 29-Jährige bauen Elemente der Show „Ninja Warrior“ im eigenen Keller nach. Denn Sebastian Gilg und Toni Mitrugno trainieren für ein gemeinsames Ziel, das sie im vergangenen Jahr noch verpasst haben

Es ist ein Stangenwald aus Holz und Metall. Auf den ersten flüchtigen Blick könnte man eine Folterkammer vermuten - und läge damit sogar beinahe richtig. Denn in diesem Buchloe Keller quälen sich Sebastian Gilg und Toni Mitrugno tatsächlich, allerdings aus freiwilligen Stücken.

Inmitten des Raumes stehen zwei meterhohe Würfelkonstruktionen aus zentimeterdicken Holzbalken – einige davon mit Schaumstoff verkleidet. Auch eine Leiter ist waagrecht hängend angebracht. Unzählige Haken sind im ganzen Raum an der Decke befestigt. Daran sind Griffe in Form von Ringen, Bananen oder Super Mario Sternen befestigt. All das ist Teil eines Hindernis-Parcours nach dem Vorbild der TV-Show „Ninja Warrior“, den sich Sebastian Gilg und Toni Mitrugno in Gilgs Keller in Buchloe geschaffen haben. Seit fast zwei Jahren trainieren die beiden dort dreimal pro Woche für ihr großes Ziel: die Teilnahme an der bekannten TV-Show.

Die Freunde kennen sich seit der Grundschule

Die 29-Jährigen kennen sich bereits seit der Grundschule und spielten gemeinsam Fußball. Gilg schaffte es später bis in die A-Jugend Bundesliga beim SSV Jahn Regensburg. Doch eine 14-monatige Verletzungsphase stoppte seinen Traum von einer Profikarriere. Für ihn stellte sich die Frage: Profisport oder Beruf? Gilg entschied sich für Letzteres. Im elterlichen Versicherungsbetrieb in Mindelheim begann er eine Lehre zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, absolvierte später zusätzlich ein Studium und ist heute noch im Familienbetrieb tätig.

Was aussieht wie ein Folterkeller, ist für die „Ninja Fratelli“ ein selbst gebautes Trainingsparadies.
Bild: Dominik König

Auch Toni Mitrugno stand bereits in jungen Jahren vor einer wichtigen Entscheidung. Seine Eltern sind Italiener und entschieden sich 2007, in ihr Heimatland zurückzukehren. Doch für Mitrugno war das keine Alternative. Er wollte in Deutschland bleiben. Seine Eltern stellten ihm eine Bedingung: Er musste einen Ausbildungsplatz finden. In Buchloe fand Mitrugno dann eine Ausbildungsstelle: Der damals 16-Jährigen wurde Anlagenmechaniker – und zog bei Gilgs Familie ein. Er und Sebastian Gilg fühlen sich wie Brüder. Und es gibt noch mehr, das die beiden verbindet.

Die Buchloer treten als "Ninja Fratelli" in der Szene auf

In den „Ninja Warrior“-Hallen der Republik und auf Social-Media-Kanälen treten die beiden nicht umsonst unter dem Namen „Ninja Fratelli“ – zu deutsch: Ninja Brüder – auf. Das Land Italien spielt in beider Leben eine bedeutende Rolle. Für Mitrugno aufgrund seiner Wurzeln, für Gilg wegen der Liebe. Er heiratete eine Sizilianerin und spricht mittlerweile selbst fließend italienisch. Im Trainingsraum der beiden hängen zwei Fahnen: die deutsche und die italienische.

Der Sport ist und bleibt die große Leidenschaft der beiden. „Ohne Sport geht’s nicht“, sagt Toni Mitrugno. Anfang 2019 überredete ihn Sebastian Gilg, sich „Ninja Warrior“ anzusehen. Und er war sofort davon begeistert. Also kauften sich die Freunde die notwendigen Griffe für die Hangelübungen. Zu Beginn waren die beiden oft an einem Klettergerüst in Buchloe anzutreffen, als sie dort mit ihren selbst mitgebrachten Griffstücken einen eigenen Ninja-Warrior-Parcours gebaut hatten. Auch in Ninja-Hallen in Kirchheim/Teck und Erlangen waren die beiden regelmäßig aktiv, aber die lagen eben nicht um die Ecke.

Bei der Planung des Hauses war der Ninja-Keller früh berücksichtigt

Als Gilg begann sein Haus zu planen, kamen die beiden auf die Idee, im Keller einen „Ninja Warrior“-Parcours einzurichten und sich so ihr „eigenes Paradies“ zu schaffen. Die jungen Männer wollten unabhängiger von den Trainingszeiten der Hallen sein und spezifischer für ihr neues Hobby trainieren. Also legten sie los. Inspiration holten sich die „Ninja Fratelli“ vor allem aus dem Internet und den „Ninja Warrior“-Hallen. Mit der Zeit kamen immer mehr Hindernisse hinzu: Sie heißen Rolling Dice (rollender Würfel), Devil Stairs (Teufelstreppe) oder Steuerrad. Ständig kommen neue Ideen und Hindernisse hinzu.

Sebastian Gilg hängt am rollenden Würfel.
Bild: Dominik König

Die Holzkonstruktionen errichteten die beiden selbst. Für Metallarbeiten holten sie sich Hilfe von einem befreundeten Schlosser, der diese nach den Plänen der beiden anfertigte. „Das ist das Herzstück dieses Kellers“, sagt Sebastian Gilg und zeigt auf eine zuerst nicht näher definierbare Metallkonstruktion. Von der Decke ragen vier gezackte Metallbauteile mit fünf Aussparungen hinunter. Dazwischen liegt eine Stange aus Carbon, die mit einem Griffband umwickelt ist. Himmelsleiter wird dieses Konstrukt in der Welt der „Ninja Warrior“ genannt.

Der Sport ist anspruchsvoll und strapaziös

Wenn Sebastian Gilg diese Übung vormacht, sieht man, wie anspruchsvoll diese Sportart ist. An der Himmelsleiter hängt er wie an einer Klimmzugstange, stemmt sich dabei mit viel Schwung aus dem Oberkörper nach oben und bewegt die Stange in einer ruckartigen Bewegung einen Zacken weiter hoch. Mehrmals wiederholt er diese Übung leichtfüßig – oder besser: leichtarmig.

So sind vor allem die Unterarme der beiden „Ninja Warrior“ durch das stundenlange Training stets strapaziert. Auch die Haut an den Händen ist durch das einarmige Hangeln an den Hindernissen oder den Sprüngen von einer zur nächsten Stange stark belastet. „Es kommt bei dieser Sportart sehr auf den Oberkörper und die Rumpfmuskulatur an“, erzählt Gilg und fügt hinzu: „Als Fußballer sind wir ein bisschen hüftsteif.“ Bei „Ninja Warrior“ ist nämlich auch die Beweglichkeit und Balance bedeutend. Diese trainieren die beiden zum Beispiel, indem sie auf einem Abflussrohr laufen. Sogar ein Element des Castings zur TV-Show, bei dem die beiden im vergangenen Jahr teilnahmen, haben sie sich eins zu eins nachgebaut.

Damals klappte es noch nicht mit einer Teilnahme an der Sendung. Sie wurden zwar nach dem Casting zu einem Interview eingeladen, erhielten aber dennoch eine Absage. Für die kommende Staffel bewerben sich die beiden erneut, drehen deshalb zur Zeit ihr Bewerbungsvideo und wollen es dieses Mal schaffen. Ein roter Buzzer, der sonst am Ende des Parcours in der Show angebracht ist, steht schon im Buchloer Keller. Die „Ninja Fratelli“ haben ihr großes Ziel fest im Blick.

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