Nachruf

07.07.2014

Erwin Treu †

Früherer Direktor Erwin Treu ist im Alter von 89 Jahren gestorben

Er hat das Ulmer Museum geprägt

Mit seinem selbstbewussten und persönlich orientierten Führungsstil hat er in den 1970er und 80er Jahren die Entwicklung des Ulmer Museums vorangetrieben. Vergangenen Donnerstag ist der ehemalige Museumsdirektor Erwin Treu im Alter von 89 Jahren gestorben. Von 1971 bis 1990 lenkte der in München geborene und in Schwaben aufgewachsene promovierte Kunsthistoriker in der Nachfolge von Herbert Pée mit dem Augenmerk auf eine stärkere Öffnung für die Bevölkerung fast 20 Jahre die Geschicke des Hauses am Marktplatz.

Eine Herausforderung war die katalogisierte Aufarbeitung der Sammlungsschwerpunkte. In seine Amtszeit fällt auch ein besonderer Glücksfall, der den fünften Ulmer Museumsdirektor als Vermittler und Vertrauensperson auszeichnete: 1978 konnte er zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Hans Lorenser für die Stadt Ulm und das Museum die Stiftung Sammlung Kurt Fried übernehmen. Die Stiftung umfasste damals rund 300 Gemälde, Grafiken, Skulpturen und Objekte der 1950er bis 70er Jahre, aus der Zeit künstlerischen und gesellschaftlichen Aufbruchs. Der Bestand dieser internationalen Avantgardekunst konnte per Schenkung aus dem Fried-Erbe noch um 100 Werke erweitert werden. Und Mitte der 1980er Jahre aktualisierte Treu den Sammlungs-Radius durch periphere Objektverkäufe um weitere 35 Arbeiten.

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So hat der Vorgänger von Brigitte Reinhardt und Gabriele Holthuis zusätzliche Ausstellungsräume für den ersten Ausbau der Sammlung am Marktplatz durchgesetzt. Bereits 1985 wünschte sich Treu ein repräsentativeres Eingangsportal. Das Thema ist heute noch aktuell. In seiner letzten großen Ausstellung 1989 befand sich der Museumseingang noch an der Neuen Straße. Von dort aus baute er zusammen mit seinem 2007 in Starnberg gestorbenen Freund Lothar-Günther Buchheim dessen Expressionismus-Ausstellung auf: „Arbeiten auf Papier“ war 1989 das künstlerische Highlight an der Donau mit vielen hochkarätigen Blättern, die Buchheim „für einen Appel und ein Ei“ in der Nachkriegszeit erworben hatte.

Mit Erwin Treu ist eine zeitprägende, bürgerschaftlich verwurzelte Persönlichkeit gestorben, die Alte Kunst und Moderne gleichermaßen zur Herzenssache erklärt hat.

am kommenden Montag, 14. Juli, um 11 Uhr im Ulmer Museum.

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