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Ulm

27.04.2015

70 Minuten geistreiche Gaudi

Die Nerven liegen blank: Christian Streit (links) als Killer und Gunther Nickles als lebensmüder Fotograf.
Bild: Jochen Klenk

Wenn der Killer und der Lebensmüde Freunde werden: Das Theater Ulm zeigt im Podium die Komödie „Die Nervensäge“. Ein Spaß fürs Publikum – und die Schauspieler.

Was auf der Bühne abläuft, hat das Zeug zu einer handfesten Tragödie. In einem Hotel irgendwo genau gegenüber einem französischen Justizpalast hat sich ein Auftragskiller (Christian Streit) eingemietet, der einen erwarteten Kronzeugen aus dem Hotelzimmerfenster erschießen soll. Der Kronzeuge darf nicht gegen hochrangige Mafiosi aussagen. Im identisch eingerichteten Hotelzimmer daneben beschließt der Pressefotograf Francois Pignon (Gunther Nickles), seinem Leben ein Ende zu setzen. Pignon, der klassische Versager-Typ, erträgt nicht, dass seine Frau Louise mit ihrem Psychiater durchgebrannt ist.

Was die Tragödie zur Komödie macht? Zwei parallel nebeneinander ablaufende tödliche Pläne misslingen, die Lebenswege der beiden Akteure verwickeln sich unlösbar ineinander – und letztlich scheitern sowohl der verhinderte Selbstmörder als auch der verhinderte Killer an einem Stück eigenem Gutmenschentum und an der eigenen Hilfsbereitschaft. Man hat keine Zeit, aus dem Fenster zu springen, wenn man verhindern muss, dass der neue Kumpel nebenan seinen fatalen Auftrag ausführt. Und man kann den Mordauftrag nicht ausführen, wenn man verhindern muss, dass sich im Nebenzimmer ein Selbstmordkandidat umbringt.

Gunther Nickles als nervend-liebenswerter Verlierer agiert mit tiefsinnigen Blicken und gefühlvoller Mimik; Christian Streit liefert sich mit ihm einen sehenswerten pantomimischen Balanceakt auf dem Sims des Hotels. Slapstick-Andeutungen von Freddie Frintons Tigerkopf-Stolpern im legendären „Dinner for One“ passieren in beiden Hotelzimmern parallel.

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Zwischen dem Profikiller und dem Möchtegern-Selbstmörder, der sich doch nur nach Zuwendung und Beachtung sehnt, demontiert sich der arrogante Psychiater (Maximilian Wigger-Suttner) sowohl als Mensch als auch als Arzt selbst und mutiert zum Hampelmann, an dem auch die blond-dümmliche Frau Pignon (Sibylle Schleicher) kein Interesse mehr hat. Ein Polizist (Florian Stern) verbringt den Abend tatenlos unterm Hotelbett des Killers, und das korrekte Weltbild des antiquierten Hotelboys Vincent (Dan Glazer) gerät vollständig aus den Fugen.

Wie man eine solche Konstellation zum pointenreichen Ende bringt? Dazu braucht es genau jenen Humor, der Francis Veber auszeichnet, und dazu braucht es eine überraschende Wendung, die gerade eintritt, als Frau Pignon wieder Interesse an ihrem Mann bekundet.

Weitere Aufführungen: am 2., 6., 8., 21. Mai. Karten gibt es an der Theaterkasse, Telefon 0731/161 4444 oder E-Mail theaterkasse@ulm.de, online unter www.theater.ulm.de/karten und – soweit verfügbar – an der Abendkasse.

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