Migration

04.10.2016

700 Wohnungen fehlen

Czisch betrachtet Bilder, die von Flüchtlingskindern gemalt wurden.
Bild: Hub

Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch über die Herausforderungen der Einwanderung

Zum Internationalen Tag des Flüchtlings sprach Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch im Haus der Begegnung (HdB) über die Situation der Flüchtlinge und Migranten in Ulm. Czisch lobte das Engagement der 17 Unterstützer-Organisationen und -Vereine, die sich im HdB präsentierten, und rief zu einer nüchternen, offenen und differenzierten Diskussion über die Chancen und Risiken der Zuwanderung auf. Das Asylrecht werde leider in der öffentlichen Diskussion mit Zuwanderung vermischt.

Diese Diskussion sei auch deshalb schwierig, weil Krieg grausame Realität ist, die nun nicht mehr im Fernsehen stattfindet, sondern durch die Flüchtlingswelle direkt bei den Menschen angekommen ist. „Ulm hat seine Verantwortung angenommen“, sagte Czisch. Vertreibung und Flucht seien seit jeher Teil der Stadtgeschichte. Gerade jene Kirchen, die in der jüngsten Vergangenheit ihren 50. Geburtstag feierten, verdanken ihre Existenz dem Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jedes Stadtquartier müsse angesichts fehlender Wohnungen nun seinen Beitrag leisten, erläuterte Czisch. Mindestens 700 Wohnungen gelte es zu errichten, „wenn es gelingt, mehr“. „Wir bauen Wohnungen auch für Flüchtlinge, aber nicht nur.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ulm sei eine Stadt, „die früh begonnen hat, sich mit Themen der Migration zu beschäftigen“, erklärte Czisch und verwies beispielsweise auf den Flüchtlingsrat. Es gelte jedoch auch, Sorgen und Nöte anzunehmen, die viele haben und die Verunsicherung anzunehmen; es gebe eine zunehmende Konkurrenz um die Hilfe aus dem Sozialsystem.

Die Menschlichkeit fordere, Flüchtlingen zu helfen; die Menschlichkeit fordere aber ebenso, den negativen Begleiterscheinungen des Flüchtlingsstromes Einhalt zu gebieten. Kriminelle herauszufiltern und konsequent zu bestrafen nütze allen, auch der anständigen Mehrheit derer, die in Ulm Zuflucht gesucht haben, sagte Czisch und lobte die sehr gute Zusammenarbeit mit jenen, die für die Sicherheit in Ulm sorgen, die eine Grundlage für Frieden sei. Ulm wolle Heimat für alle sein, die Stadt habe das Ziel einer gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe.

Czisch beschrieb Ulm auf gutem Weg: Spätestens zwei Monate nach Ankunft sollen alle Kinder von Flüchtlingen und Migranten in die Schule gehen. Drei- bis Sechsjährige erhalten innerhalb von drei Monaten ein Kindergarten-Angebot, und jeder erwachsene Flüchtling bekommt innerhalb eines Vierteljahres nach seiner Ankunft einen Deutschkurs offeriert – ein Angebot, das in 70 Prozent der Fälle angenommen wird. (köd)

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20_WYKIGA_069.tif
Senden

Die Kindergärten in Senden werden wohl teurer

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket