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Elchingen

07.12.2020

A8-Ausbau kommt: Lärmgegner aus Elchingen wollen nicht aufgeben

Wenn die A8 sechsspurig ausgebaut wird, brauchen die Bürger einen besseren Lärmschutz als bislang vorgesehen, fordern die Elchinger Lärmgegner.
Bild: Andreas Brücken

Plus Der Weg für den sechsspurigen Ausbau der A8 bei Elchingen ist jetzt frei. Doch die Bürgerinitiative kämpft weiter für einen besseren Lärmschutz an der Autobahn.

Rund 130.000 Fahrzeuge bewegen sich täglich auf dem Elchinger Kreuz. Der Münchner Lärmgutachter Alfons Schmalzbauer hat den Verkehrsknotenpunkt vor einiger Zeit sogar zum zweiten „bayerischen Lärmspot“ erklärt. Doch was ist jetzt mit dem Lärmschutz?

Mit den gemessenen Werten von bis zu 73 Dezibel sei es nur noch in der Landeshauptstadt am Mittleren Ring lauter, erklärte der Fachmann. Was sich für Außenstehende wie abstrakte Zahlen liest, bedeutet nicht selten schlaflose Nächte für die Anwohner, wenn Autos und Motorräder lautstark über die Autobahn brettern. Tagsüber ist das Rauschen der Lastwagen, die wie an einer Perlenkette aufgereiht über die Straßen ziehen, ohnehin immer zu hören. Seit Langem kämpfen deshalb Elchinger Bürger für einen besseren Lärmschutz.

Hoffnung keimte vor einigen Jahren mit den Ausbauplänen der A8 auf. Im Zuge der Verbreiterung der Autobahn sollte mit einem Schutzwall der Geräuschpegel gesenkt werden, hieß es damals. Doch als die ersten Entwürfe vor etwa vier Jahren von der Autobahndirektion vorgestellt wurden, herrschte in Elchingen große Aufregung: Ein gewaltiger Berg aus Schutt und Erde von bis zu 20 Metern Höhe soll dort zu einem Wall aufgeschüttet werden. Eine Maßnahme, die von den betroffenen Anwohnern grundsätzlich abgelehnt wird.

Mit dem riesigen Erdhaufen bezweifeln Kritiker den Sinn der Baumaßnahme: Nach einem Gutachten von Alfons Schmalzbauer könnte der Lärmschutzwall die angestrebte Wirkung nur wenig erfüllen, weil der Schall über die Böschung abweichen würde. Die Forderung der vor drei Jahren gegründeten Bürgerinitiative lautet deshalb „Wall auf Wall“ und soll bedeuten, dass auf einen wesentlich kleineren Hügel eine Wand aufgesetzt wird. Auch sei der bestehende Lärmschutzwall wenig effektiv, weil dieser von der Abbiegespur in einer Höhe von etwa zehn Metern überragt würde.

Lärmgegner aus Elchingen hoffen weiter auf Unterstützung aus der Politik

Bitter bleibt die Situation für die lärmgeplagten Elchinger, weil die Autobahndirektion dem Anliegen der Bürger eine Absage erteilte. Schließlich seien die Planungen im Rahmen der damals geltenden Vorschriften aus den 1990er-Jahren für Lärmschutz entstanden, hieß es. Auch die mittlerweile überarbeitete Version des Bundesimmissionsgesetzes ändert daran nichts, weil für die Ausführung die damals aktuellen Vorschriften entscheidend gewesen seien.

Ende November hat die Regierung von Schwaben den Planfeststellungsbeschluss für den A8-Ausbau erlassen. Damit sind die rechtlichen Voraussetzungen für das Vorhaben geschaffen. Die Autobahn kann somit zwischen der Anschlussstelle Ulm-West und dem Autobahnkreuz Ulm/Elchingen sechsspurig ausgebaut werden. Der 11,3 Kilometer lange Abschnitt ist das letzte Teilstück auf der A8 zwischen Ulm und München, das noch vierspurig ist. Doch wollen sich die Elchinger Lärmgegner damit nicht geschlagen geben. Sie hoffen weiter auf die Unterstützung der Politik.

A7, A8 und Bahnstrecke sollen betrachtet werden

Jüngst schrieben die Fraktionsmitglieder der Freien Wähler in einem offenen Brief an ihren Parteifreund und Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl: „Nach unserem Informationsstand müssen wir leider davon ausgehen, dass unsere Bemühungen für eine Verbesserung des Lärmschutzes für die Gemeinde Elchingen ohne Erfolg sind.“ Die verantwortlichen Planer hätten die Tatsache ignoriert, dass die zu erwartenden Lärmwerte deutlich höher sein würden als die berechneten Daten des Immissionsgutachtens.

„Die Autos werden immer größer und schneller, während der Schwerlastverkehr ebenfalls zunimmt“, sagte Reinhold Steck von den Freien Wählern. Zudem seien die zulässigen Grenzwerte nach heutigen Erkenntnissen viel zu hoch. Auch sollten in die gesamtheitliche Betrachtung die A7, die Umgehungsstraße und die Bahnstrecke mit einbezogen werden. Die Zahlen, wie sie bisher in das Lärmgutachten mit einbezogen worden seien, seien an der Praxis vorbeigegangen, ist in dem Schreiben weiter zu lesen: „Wer auf der Autobahn hinter einem Lastwagen gefahren ist, kann bestätigen, dass das Tempo bei 90 statt der vorgeschriebenen 80 Stundenkilometer liegt.“ Also sei bereits nach den alten Grenzwerten und Berechnungsverfahren für mehrere Häuser in Elchingen ein zusätzlicher Lärmschutz notwendig.

Zusätzlich zur reinen Datenlage müsse die gesamte Verkehrslage der Gemeinde berücksichtigt werden, erklären die Verfasser des Schreibens: „Elchingen ist durch zwei Autobahnen mit einem Autobahnkreuz umschlungen.“ Es dürfe nicht sein, dass die Städte verkehrsberuhigt würden, während aus offensichtlich wirtschaftlichen Gründen der Verkehr in die umliegenden Gemeinden umgeleitet und den Bewohnern dort der notwendige Schutz für ihre Gesundheit verweigert werde, kritisieren die Mitglieder der Bürgerinitiative.

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