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18.11.2014

Abschied vom „Schorsch“

Ein Buch vor sich, ein Lächeln auf den Lippen – so kannte man Mundarten-Poeten Georg Zinkel. Jetzt muss die Region Abschied nehmen.
Bild: Roland Furthmair (Archiv)

Die Region verliert mit Georg Zinkel aus Neu-Ulm einen ihrer großen Mundart-Poeten. Seine warmherzige und fröhliche Art wird Freunden und Kollegen in guter Erinnerung bleiben

I bin’s, der Schorsch – wer schon einmal mit Georg Zinkel telefoniert hat, dem ist dessen herzliche Art sicher in Gedächntnis geblieben. Ebenso wie der Humor des bekannten Mundart-Poeten – und vielleicht auch seine Abneigung gegen das Wort „Tschüss“. Wer dieses verwendete, der wurde mitunter sanft belehrt: „Bei uns in Schwaben heißt das ,Servus’.“ Diese Gespräche werden nun vielen Menschen fehlen: Georg „Schorsch“ Zinkel aus Neu-Ulm ist am Samstag im Alter von 66 Jahren gestorben.

Der Tod des Künstlers kam für dessen Angehörige, Freunde und Autorenkollegen überraschend: Vor nicht einmal zwei Wochen war Zinkel noch im Kreise seiner Dichter-Gefährten der Schwabengilde im historischen Stadttheater in Weißenhorn auf der Bühne gestanden. Vor fast voll besetztem Haus bescherten die Poeten um ihren Vorsitzenden „Schorsch“ ihrer Fangemeinde einen launigen Abend. Zu hören waren unter anderem eine Geistergeschichten und Heimatbetrachtungen, Zinkel selbst steuerte Anekdoten über den Mond bei – vorgetragen natürlich in der von ihm so geliebten schwäbischen Mundart. Niemand hätte an diesem Abend ahnen können, dass es der letzte Auftritt des beliebten Poeten sein sollte. An diesen und viele andere gelungene Lesungen werden sich die Besucher wohl noch lange erinnern, ebenso wie an die familiäre Atmosphäre solcher Auftritte, die stets wesentlich von Georg Zinkel geprägt wurde.

Weißes Hemd, Krawatte, Weste – die Brille auf der Nase und den Blick in eines seiner Bücher geheftet: So konnte man Georg Zinkel immer wieder in den Konzertsälen der Region sehen. Untrennbar verbunden war sein Name etwa mit der Reihe „Musik und Mundart“, die Konzerte mit Lesungen fanden jährlich zur Adventszeit statt, zuerst in Weißenhorn dann in Vöhringen. Zinkel trat dabei als Moderator auf – nicht nur aus Leidenschaft zur schwäbische Sprache, sondern auch aus Liebe zu seinen Mitmenschen: Die Erlöse aus den Veranstaltungen gingen als Spenden an die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung. Die Einrichtung unterstützt seit vielen Jahren unverschuldet in Not geratene Bürger in der Region.

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Mit großer Bestürzung haben die Dichter der Matzenhofer Schwabengilde auf den Tod ihres Vorsitzenden reagiert. „Das ist ein Schock“, sagt Vereinsmitglied Erich Rueß aus Weißenhorn, der den Neu-Ulmer Poeten seit vielen Jahren kannte. Zinkel sei stets lebenslustig und herzlich gewesen, „er hatte meistens ein Lachen im Gesicht“. Der Neu-Ulmer habe noch viel vorgehabt, sei voller Pläne und Ideen gewesen, sagt Rueß. Zuletzt habe der Dichter an der Büttenrede für den Kuhbergverein gearbeitet.

Für die Gilde als Verein ist Zinkels Tod „ein schwerer Schlag“, sagt zweite Vorsitzende Maria Störk. „Das kam völlig unerwartet.“ Man verliere einen engagierten Autoren, Kollegen und Freund, der sich in seinen Versenden verschiedensten Themen gewidmet hatte. Mal Flohmarkt, mal Weltfrieden – in der literarischen Welt des Neu-Ulmers lagen kleine und große Dinge nahe beieinander.

Seine Betrachtungen werden fehlen: Nun müssen die Poeten von ihrem „Schorsch“ Abschied nehmen. Die Trauerfeier für Georg Zinkel soll in der kommenden Woche stattfinden. (caj)

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