1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Appell für die Freiwilligkeit

25.07.2009

Appell für die Freiwilligkeit

Neu-Ulm Nach dem tödlichen Autounfall im sauerländischen Menden vor einigen Tagen, bei dem ein 79-Jähriger in einen Schützenumzug gerast war, wurden in der Öffentlichkeit wieder einmal Stimmen nach einem sogenannten Senioren-TÜV laut. Ab einem bestimmten Alter müsste die Fahrtüchtigkeit von Wagenlenkern regelmäßig geprüft werden, fordern Befürworter. Eine Umfrage unserer Zeitung bei Polizei, Führerscheinstelle und Verkehrswacht ergab ein anderes Stimmungsbild. Die Leistungsfähigkeit sei bei jedem Senior verschieden und Unfälle würden genauso von Jungen verursacht, so der Tenor.

"Damit schiebt man die Senioren in eine Schublade", meint Alexander Kurfürst, der bei der Neu-Ulmer Polizei für die Pressearbeit zuständig ist. Einen Senioren-TÜV hält er deshalb für "nicht unbedingt sinnvoll". Viele Menschen seien auch noch im hohen Alter in der Lage, ein Fahrzeug sicher zu lenken und Senioren fahren in der Regel vorsichtig.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Außerdem könne sich die körperliche und geistige Verfassung von Alten sehr schnell - also auch im Zeitraum zwischen solchen Tauglichkeitsprüfungen - verändern. Fällt ein älterer Mensch dennoch im Straßenverkehr auf, würde dies ohnehin der Führerscheinstelle gemeldet. Zunächst einmal habe aber jeder das Recht, seinen Führerschein zu behalten. "Wir leben in einem Rechtsstaat und dort gibt es das Recht der Besitzstandswahrung", gibt Kurfürst zu bedenken.

Kommt es bei Senioren zu Problemen im Verkehr, übernimmt die Führerscheinstelle im Neu-Ulmer Landratsamt, die gegebenenfalls die Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs überprüft. Dies kann mittels eines fachärztlichen Gutachtens, einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) oder beidem geschehen. Auf freiwilliger Basis gebe es ohnehin bereits eine Art Senioren-TÜV in Form eines Eignungschecks, erklärt Walter Wößner, der stellvertretende Leiter der Führerscheinstelle. "Gegenüber der Masse verschwindend gering" sei die Zahl derer, die ihren Führerschein freiwillig abgeben, weil sie an ihrer Fahrtauglichkeit zweifeln. Das Landratsamt zählt jährlich rund ein Dutzend solcher Verzichte, wobei nicht nur Senioren in der Statistik auftauchen.

Appell für die Freiwilligkeit

Fahrlehrer ist skeptisch

Skeptisch steht auch Hanspeter Albrecht, Leiter der Verkehrswacht Illertissen und Inhaber der Fahrschule Albrecht, dem Senioren-TÜV gegenüber. "Wir von der Verkehrswacht appellieren an die Freiwilligkeit", so sein Credo. Unter dem Titel "sicher unterwegs" bietet die Wacht ein kostenloses Fahrtraining für ältere Autofahrer an. Dort bekommen die Teilnehmer auch Tipps, wie sich altersbedingte Defizite im Verkehr überhaupt bemerkbar machen. "Ziel ist die Mobilität zu erhalten, nicht die Leute aus dem Verkehr zu ziehen", unterstreicht Albrecht. Genutzt würde dieses Angebot allerdings kaum.

Denn wer will schon zugeben, dass er nicht mehr Autofahren kann? Der Fahrlehrer wünscht sich, dass das Training in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird. "Das müsste mehr publik gemacht werden". "Seite 23

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren