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Ulm

10.04.2014

Ariane Müller: Gute Aussichten für die Musical-Queen

Jetzt ist Gitarre Üben angesagt: Ariane Müller tauscht bei den Auftritten des Duos Suchtpotenzial regelmäßig ihr gewohntes Keyboard gegen das Saiteninstrument aus. Hier spielt sie auf dem Fenstersims im „Theater in der Bastion“ ein paar Akkorde.
Bild: Alexander Kaya

Ariane Müller ist eine Hälfte des Duos Suchtpotenzial, das heute mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wird – und bald ins Fernsehen kommt.

Um sich wie ein Punk zu fühlen, braucht es nicht viel. Für Ariane Müller genügt es schon, sich eine Gitarre umzuhängen. Oder auch im Peniskostüm durch die Straßen Berlins zu laufen. Das jedenfalls macht die Ulmer Musikerin mit ihrer Kollegin Julia Gámez Martin in dem Video zu „Penisneid“, der ersten Single ihres Projekts Suchtpotenzial. „Unsere Antwort auf Jahre Regietheater und Musical“, sagt Müller und grinst. Und offenbar eine, die ankommt: Suchtpotenzial werden heute Abend bei der Gala zum baden-württembergischen Kleinkunstpreis im Ulmer Roxy mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

Freche, pointierte Texte und eingängige Melodien

Dass der Erfolg so schnell kommen würde, hätte die 33-jährige Müller nicht gedacht. Erst im Mai vergangenen Jahres hatten Suchtpotenzial ihren ersten Auftritt bei der „Open Stage“ im Roxy, wo Müller mit ihrer Band noch bis zum Sommer regelmäßig den Live-Karaoke-Abend „Roxy Horror Music Show“ gestaltet. Bei der „Open Stage“ entstand auch ein Großteil der Live-Videos, die auf der Internetplattform YouTube inzwischen tausendfach angeklickt wurden. Das Rezept von Suchtpotenzial: alltägliche Situationen, freche, pointierte Texte und eingängige Melodien. „Wir nehmen einfach die Themen, die uns beschäftigen, und machen Songs daraus“, erklärt Müller. Da geht es um die Liebe, um die aktuelle Singer-Songwriter-Schwemme oder – wie bei „Penisneid“ – um die Vorteile des männlichen Geschlechts beim Toilettengang. Keine Frage: Bei Suchtpotenzial darf es schon mal ein bisschen derber werden. Nicht umsonst hat sich das Duo dafür den Begriff „Alko-Pop“ ausgedacht.

Ariane Müller, die ihre Jugend im Ulmer Stadtteil Lehr verbrachte, hat schon viele Genres ausprobiert. Schon als Teenager habe sie in verschiedenen Gruppen gespielt, Hammondorgel in einer Blues-Rock-Band, Bass in einer Punk-Band und ja, auch als Singer-Songwriterin hat sie sich schon versucht. „Wenn jemand gesagt hat ‚Spiel!‘, habe ich ‚Yeah!‘ gerufen“, erinnert sich Müller. Schon früh habe sie mit der Musik auch Geld verdient. „Ich habe nie als Kellnerin gejobbt, ich habe einfach gespielt.“ Müller bot auch anderen eine Bühne: Sie ist Gründungsmitglied des im Fort Unterer Kuhberg beheimateten „Theaters in der Bastion“, wo sie schon mehrere Musical-Abende gestaltete.

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Musikalische Leiterin beim Theater Ulm

Auf die Idee, die Musik zum Beruf zu machen, sei sie damals nicht gekommen. „In meiner Familie ist man Arzt – und macht Jazz; oder man ist Lehrer – und spielt Theater“, sagt die 33-Jährige. Deswegen machte Müller, die schon mit 19 erstmals Mutter wurde, ein Fernstudium: Kultur- und Sozialwissenschaften. Und musizierte – vorzugsweise an Klavier oder Keyboard – und komponierte weiter. Nach ihrem Abschluss stand sie plötzlich vor der Entscheidung und wählte die Musik. Der vielleicht wichtigste Schritt: Sie stieg als musikalische Leiterin beim Theater Ulm ein, wo sie mit ihrer Band die Musicals „Rocky Horror Show“ (2011) und zuletzt „Hair“ (2013) gestaltete.

Bei beiden Inszenierungen mit dabei: die Berliner Musical-Sängerin Julia Gámez Martin. Der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit, für die der Kleinkunstpreis – den Müller übrigens für ihr Musik-Comedy-Projekt „Fräulein Müller und Marlies Blume“ schon einmal bekommen hat – nur ein Zwischenstopp ist. Am Wochenende stehen Suchtpotenzial erstmals für den Fernsehsender Tele 5 vor der Kamera. In einer Berliner Kneipe zeichnet das Duo Zwischenmoderationen, Jingles und auch eigene Songs für das neue Musikmagazin „On Stage“ auf, das jeweils aus einer Musikdoku und einem Konzertmitschnitt bestehen wird. „Ein cooles Format“, findet Müller, auch wenn die erste Folge zunächst eher Pilotcharakter hat.

Doch wenn es mit der Fernsehkarriere nicht klappt, dürfte es der Schwäbin und ihrer Berliner Bühnenpartnerin nicht langweilig werden. In den kommenden Monaten stehen Müller zufolge noch viele Suchtpotenzial-Gigs an, im Herbst kommt dann eine Live-CD, deren Veröffentlichung am 2. Oktober in Ulm groß gefeiert werden soll. Einen Vorgeschmack darauf dürfte es schon am heutigen Donnerstag bei einem Kurzauftritt auf der Kleinkunst-Gala geben. „Hits, Hits, Hits“, verspricht Müller. „Wir haben uns ein schwabenaffines Programm überlegt.“

Kleinkunstpreis: Die Gala beginnt Donnerstag, 10. April, um 19 Uhr im Roxy. An der Abendkasse gibt es noch Restkarten. Moderiert wird die Veranstaltung von Ernst Mantel, neben Suchtpotenzial treten Schauspieler Roland Baisch, die A-cappella-Gruppe High Five, die Kabarettistin Mademoiselle Mirabelle und die Mundart-Band Luddi auf.

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